Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen einen Arzt der Universitätsklinik, weil der Verdacht besteht, dass er drei Patienten getötet haben soll. Der 49-Jährige sitzt seit Februar in Untersuchungshaft, wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde am Freitag in Hannover erklärt hat.
Dem Arzt, der zuletzt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gearbeitet hat, wird vorgeworfen, zwei Männer und eine Frau jeweils mit Medikamenten getötet zu haben. Alle drei waren schwer krank, so die Sprecherin.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Fall aus dem Jahr 2025. Damals lag ein 71-jähriger Patient im künstlichen Koma. Der Mediziner soll einen Therapieabbruch veranlasst und den Mann mit einer hohen Dosis Propofol getötet haben. Die Klinik hat den Arzt angezeigt, woraufhin die Staatsanwaltschaft eingeschritten ist.
Im Zuge der Ermittlungen sind die Behörden dann auch auf zwei ältere Fälle gestoßen. 2019 wurde der Arzt, damals als Notarzt, in eine Wohngemeinschaft für Demenzpatienten in Hannover gerufen. Dort soll er einer 82-jährigen Frau eine hohe Dosis Morphin verabreicht und sie dadurch getötet haben. 2020 ging es um einen jungen Mann, der an Krebs erkrankt war. Auch hier soll der Arzt entschieden haben, die Therapie zu beenden, und dem Patienten eine hohe Dosis Propofol gegeben haben.
Im Fall aus dem Jahr 2020 wird wegen Totschlags ermittelt. Bei dem 71-jährigen Patienten aus dem Jahr 2025 geht es laut der Sprecherin um Mord. "Da der Patient im Koma gelegen habe, sei womöglich das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt." Bei der 82-jährigen Demenzpatientin wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Weil der Fall schon länger zurückliegt und keine Obduktion gemacht wurde, ist die genaue Todesursache heute nicht mehr feststellbar.
Die Ermittlungen gegen den Arzt laufen laut der Sprecherin noch. Es ist unklar, ob noch weitere Fälle ans Licht kommen. Eine Anklage gibt es bisher nicht.