Ärztemangel: MedUni-Chef gegen mehr Studienplätze

MedUni Wien-Rektor Markus Müller
MedUni Wien-Rektor Markus MüllerBild: picturedesk.com
Um den Ärztemangel in Österreich in den Griff zu bekommen setzen manche auf mehr Medizin-Studienplätze. Nicht so der Rektor der MedUni Wien.
Bei der am Freitag beginnenden Landeshauptleute-Konferenz will die derzeitige Vorsitzende, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) erneut für ihre Idee werben: Um den Ärztemangel in Österreich zu bekämpfen braucht es eine Verdoppelung der Medizin-Studienplätze, meint sie.

Ärztekammer und MedUni-Chef dagegen



Warum das der falsche Ansatz ist, erklärt der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, am Freitag im "Ö1 Morgenjournal". Er ist mit dieser Ansicht nicht allein, auch die Ärztekammer hält Mikl-Leitners Ansatz für wenig sinnvoll.

Müller sieht keine Notwendigkeit, die Anzahl der Studienplätze in Österreich zu erhöhen: "Mit Sicherheit nicht, Östereich hat eine relativ hohe Zahl an Medizinabsolventinnen und -absolventen, auch eine relativ hohe Zahl an Ärztinnen und Ärzten, Spitälern und Betten", sagte er.

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Es mangelt an Attraktivität



Müller räumt jedoch ein, dass es in manchen Bereichen mangelt. Prominentestes und für Müller auch wichtigstes Beispiel hier: Hausärzte. Der Rektor hat auch eine Erklärung dafür parat: "Das hängt letztlich an einer fehlenden Attraktivität dieses Berufs zu den derzeitigen Bedingungen."

Die Forderung der Politik nach mehr Studienplätze helfe da nicht: "Mehr Studienplätze ist eine sehr teure und ineffizienten Maßnahme, ohne dass sich irgendein Problem dadurch lösen ließe", meint Müller.

Das gelte übrigens auch für das Thema strukturschwacher Regionen, wo sich das Problem noch verschärft. Hier findet Müller den Ansatz von Mikl-Leitner jedoch sehr gut. Sie schlägt eine Art Landarzt-Stipendium vor: "Das ist ein sehr guter Ansatz und auch ein sehr Erfolg versprechender Ansatz. Kann man nur in aller Form unterstützen", findet Müller.

Ärztezentren als Lösung



Aber wenn mehr Studienplätze nicht helfen, wie kann

verbessern? Speziell im Bereich der Hausärzte muss man die Attraktivität steigern, so Müller.

Das Bild des Hausarztes, der allein eine Praxis führt, sei "nicht mehr ganz zeitgemäß", so Müller. Denn vor allem die jüngere Generation würde lieber in Teams arbeiten. "Wir sehen die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Zentren, wo mehrere Kolleginnen und Kollegen zusammen sich um Patienten kümmern."

Auch, dass man als Hausarzt auch "Sekretariatsarbeiten" und "Hilfskrafttätigkeiten" übernehmen muss, sei für viele AbsolventInnen "eben nicht attraktiv", bringt Müller vor. Vor allem im europäischen Vergleich gäbe es da eben anziehendere Angebote.

"Untauglicher Vorschlag"



Auch der Präsident der Österreichischen Universitätskonferenz (uniko), Oliver Vitouch, hält mit seiner Kritik nicht hinterm Berg. Die Verdoppelung der Medizin-Studienplätze nennt er einen "untauglichen Vorschlag".

Das sei eine "populistische Aussage", die da bei der Landeshauptleutekonferenz diskutiert wird. Vitouch findet es erstaunlich, dass die politischen Spitzen der Bundesländer alle Warnungen und Hinweise offenbar komplett ignorieren und die künftige Bundesregierung mit realitätsfernen Lösungsvorschlägen unter Druck setzen wollen.

"Mehr Absolventen sind nicht die Lösung"



Auch die Österreichische Ärztekammer bekräftigte am Freitag erneut ihre Position: "Eine drastische Erhöhung der Medizin-Studienplätze allein löst nicht den Ärztemangel. Solange es nicht gelingt, mehr Ärztinnen und Ärzte in Österreich zu behalten, produzieren wird damit auf Kosten der Steuerzahler mehr Absolventen für das Ausland", so Harald Mayer, Vizepräsident der Ärztekammer.

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