Die Zahl der möglichen Asbest-Fundstellen in Wien steigt weiter. Nachdem zunächst sechs Straßen im Fokus standen, hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace mittlerweile bereits 20 Flächen überprüft. Dabei wurden weitere belastete Areale entdeckt – darunter nicht nur Straßen, sondern auch ein Gemeindebau am Handelskai, so der ORF.
Auffällig sind laut Greenpeace grünliche Straßenbeläge mit weißen oder grauweißen Steinchen. Diese würden sich deutlich von unbelasteten Straßen unterscheiden. Immer mehr Menschen erkennen diese Merkmale und melden verdächtige Stellen.
"Die Leute beginnen jetzt, das zu erkennen", sagte Stefan Stadler von Greenpeace. Die Menschen würden ein Gespür für die auffälligen Straßen entwickeln. "Und je mehr Leute das sehen, umso mehr Meldungen bekommen wir und umso größer wird sozusagen diese Asbeststraße", so Stadler.
Die bereits getesteten oder verdächtigen Straßen liegen laut Greenpeace vor allem in Liesing. Aber auch in Margareten, Meidling und Hietzing wurden entsprechende Flächen entdeckt. Jeder Verdachtsfall werde an die Stadt Wien weitergeleitet. Diese führte bereits in der Vorwoche eigene Bohrungen durch.
Nach Ansicht von Greenpeace müssen die betroffenen Flächen möglichst rasch saniert werden. Vorrang sollten stark befahrene Straßen und enge Wohnstraßen haben.
Österreichweit rechnet die Organisation mit Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro. Deshalb fordert Greenpeace, den Katastrophenfonds für die Sanierung zu öffnen. "Wir haben betroffene Firmen, wir haben betroffene Gemeinden, wir haben Bundesländer, die betroffen sind. Die brauchen dringend Geld für die Sanierung. Und der Katastrophenschutz hat genug Mittel", sagte Stadler im ORF.
Mittlerweile gibt es nicht nur Hinweise auf belastete Straßen. Auch bei Wohnhäusern könnte Asbest eine Rolle spielen. Für einen Gemeindebau am Handelskai liegen Meldungen über beschädigte Eternitplatten vor, die Asbest enthalten sollen. Über den Fall hatte zuerst die KPÖ berichtet.
Wiener Wohnen kündigte an, die betroffenen Fassadenteile umgehend von Fachleuten begutachten zu lassen. Ob dort tatsächlich Asbest nachgewiesen wird, ist derzeit noch unklar. Eternitplatten mit Asbest wurden bis in die 1980er-Jahre auch im Wohnbau verwendet. Solange das Material unbeschädigt ist, gilt der enthaltene Asbest als unbedenklich. Werden die Platten jedoch beschädigt, können Asbestfasern freigesetzt werden.