Konkrete Hinweise aus der burgenländischen Bevölkerung haben die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf den Plan gerufen. Bei einem McDonald‘s-Spielplatz in Oberpullendorf, einem Asfinag-Rastplatz auf der S7 bei Mogersdorf, dem Businesspark Steinberg-Dörfl und einem Parkplatz im ungarischen Bozsok wurden Proben genommen. Das Ergebnis: eine teils 50-prozentige Belastung mit Material.
Demnach wurden die Unternehmen und Betreiber im Vorfeld über die Testergebnisse informiert. Daraufhin seien umgehende Maßnahmen in die Wege geleitet worden. McDonald‘s lässt den Asbestschotter beim Spielplatz entfernen. Seitens der Asfinag wurde der betroffene Rastplatz gesperrt. Es soll sich um "eine reine Vorsichtsmaßnahme" handeln.
Nicht so gelassen sieht die Umweltschutzorganisation die Funde. Man habe das Land Burgenland aufgefordert, sofortige Schutzmaßnahmen in die Wege zu leiten. Besonders kritische Bereiche wie der Spielplatz müssten erneuert werden, hieß es. Unterstützung erhält diese Forderung von der Umweltmedizinerin und Public-Health-Expertin Daniela Haluza von der Medizinischen Universität Wien.
Dem Greenpeace Umweltchemiker Herwig Schuster zufolge würden die "faustgroßen Asbestbrocken" bei der Kinderrutsche eine "akute Gefahr" darstellen. Es dürfe in solchen Fällen keine Stunde gezögert werden. Wie schon bei dem Spielplatz und der Raststätte müssen betroffene Bereiche sofort gesperrt und gesäubert werden, wochenlange Luftmessungen würden nur wichtige Zeit verstreichen lassen.
Laut einem Bericht der "Krone" geriet nun auch eine Straßenmeisterei aus Aspang (NÖ) ins Visier. Hier soll mit Asbest belasteter Streusplitt verwendet worden sein. Vom Land hieß es gegenüber der Zeitung, dass man das betroffene Material nicht verwendet. Auch die Restmengen seien klar gekennzeichnet worden. Nun werde geprüft, wann und wo der Streusplitt zum Einsatz kam.
Das betroffene Gebiet umfasse rund 265 Kilometer an Landes- und Bundesstraßen. Insgesamt 20 Gemeinden der Bezirke Neunkirchen und Wiener Neustadt-Land könnten betroffen sein. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Material auch in Asphaltmischanlagen im Industrieviertel verarbeitet wurde, betonte ein Sprecher am Mittwoch. Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) fordert deshalb von seinem Amtskollegen Udo Landbauer (FPÖ) eine lückenlose Aufklärung in dessen Ressort.
Im Industrieviertel wird nun ein umfassendes Luft-Messprogramm durchgeführt. Auf Nachfrage der "Krone" heißt es seitens Pernkopf, dass man die Hinweise ernst nehme und Vorsorgemaßnahmen treffe. Für das Messprogramm arbeite man mit externen Fachleuten, dem Niederösterreichischen Umweltanwalt sowie den zuständigen Stellen im Burgenland zusammen.
Vorerst könne man seitens der Experten jedenfalls Entwarnung geben. Relevante Richt- und Grenzwerte seien derzeit nicht überschritten worden. Dennoch hält man fest, dass Asbest ein besonders tückischer Schadstoff sei. Eventuelle Risiken könnten oft erst bei späterer Bearbeitung sichtbar werden.
Der "Krone" zufolge stehen jetzt nicht nur die Lieferketten und Steinbrüche im Fokus, sondern auch Aspang und der Bezirk Neunkirchen. Ob eine reale Umwelt- und Gesundheitsgefahr besteht, sollen die Messungen zeigen.