Österreichs Seen zählen zu den schönsten Naturjuwelen des Landes. Doch unter der Oberfläche kämpfen viele von ihnen mit den Folgen einer Klimaerwärmung. Wie Experten bei einer Tagung des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands (ÖWAV) berichteten, verändert die Klimaerwärmung die heimischen Gewässer grundlegend.
Demnach haben sich Österreichs Seen in den vergangenen 40 Jahren durchschnittlich um 2 Grad erwärmt, wie der ORF berichtet. Was zunächst wenig klingt, hat weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem.
Im Sommer bilden Seen zwei Wasserschichten: warmes Wasser an der Oberfläche und kaltes Wasser in der Tiefe. Durch die steigenden Temperaturen bleibt diese Trennung jedoch immer länger bestehen. Langzeitmessungen am Mondsee und Irrsee zeigen, dass die sogenannte Schichtung heute bereits um 36 Tage länger anhält als noch in den 1970er-Jahren.
Genau darin liegt das Problem. Weil die Wasserschichten länger getrennt bleiben, gelangt kein frischer Sauerstoff mehr in die Tiefe. Dort wird der vorhandene Sauerstoff laufend verbraucht.
Im 66 Meter tiefen Mondsee fällt durch dieses Phänomen zeitweise die unterste, 20 Meter tiefe Wasserschicht als Lebensraum für Fische komplett aus. In anderen, flacheren Seen können sogar bis zu drei Viertel des Wassers unbewohnbar werden.
Besonders betroffen sind kälteliebende Fischarten wie Seesaiblinge, Forellen und Reinanken. Sie benötigen kaltes und sauerstoffreiches Wasser zum Überleben. Gewinner der See-Erwärmung ist der Wels, aber auch Karpfen und Barsche profitieren.
Die Veränderungen bei den Fischbeständen wirken sich auf das gesamte Ökosystem aus. Es kommt zu Veränderungen beim Zooplankton, das wiederum die Algenpopulation beeinflusst. Die Folge: Viele Seen werden zunehmend trüber.
Zusätzlich verschlechtert sich in vielen Seen die Nährstoffsituation. Wenn im Tiefenwasser kein Sauerstoff mehr vorhanden ist, löst sich Phosphor aus dem Seeboden und gelangt ins Wasser.
Die Entwicklung trifft nicht nur die Natur. Auch die heimische Seenfischerei bekommt die Folgen zu spüren. Schließlich zählen Saibling und Reinanke zu den wichtigsten Wirtschaftsfischen Österreichs.
Langfristig könnten die Veränderungen auch Badegäste und den Tourismus insgesamt betreffen. Trüberes Wasser und häufigere Algenblüten könnten in Zukunft sogar zu Badeverboten an einzelnen Seen führen.