Das Wrack des sowjetischen Atom-U-Boots "Komsomolez" liegt seit 1989 in rund 1.700 Metern Tiefe im Europäischen Nordmeer vor Norwegen - und strahlt weiterhin enorm. Neue Messungen zeigen alarmierende Werte: Das radioaktive Isotop Caesium-137 liegt bis zu 800.000-mal höher als die natürliche Radioaktivität in diesem Seegebiet, Strontium-90 sogar bis zu 400.000-mal.
Zum Vergleich: Die natürliche Radioaktivität für diese beiden Isotope liegt in dem Gebiet bei nur einem Becquerel pro Kubikmeter. Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Fachmagazin "PNAS" veröffentlicht.
Laut Spiegel.de untersuchte ein Team um Justin Gwynn von der norwegischen Strahlenschutzbehörde das Wrack mit ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen. Bei dem Unglück im Jahr 1989 war an Bord ein Feuer ausgebrochen, das sich explosionsartig ausbreitete. Das U-Boot erreichte zwar zunächst die Oberfläche, doch das Feuer verursachte ein Leck, und das Boot sank. Nur 27 der 69 Besatzungsmitglieder überlebten.
Besonders heikel: An Bord befinden sich neben dem atomaren Antrieb auch zwei nukleare Sprengköpfe. Laut den Wissenschaftlern wurden keine direkten Lecks an diesen Sprengköpfen im Torpedoraum gefunden. Die Titanversiegelungen sind offenbar noch intakt.
Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass radioaktives Material aus dem atomaren Antrieb und gelagertem nuklearen Brennstoff zerfällt. Die Forscher gehen davon aus, dass die großen Fischbestände in diesem Seegebiet derzeit nicht gefährdet sind - eine der fischreichsten Regionen der Welt.
Die Experten empfehlen dennoch eine weitere Überwachung des Wracks, da sowohl vom Atomantrieb als auch von den nuklearen Sprengköpfen radioaktive Partikel entweichen könnten.