Mit dieser Begegnung hat niemand gerechnet: Ein Forschungsteam der University of Western Australia filmte Anfang 2025 in rund 490 Metern Tiefe einen Grönlandhai. Das Tier schwamm direkt vor die Kamera - mitten im eiskalten Wasser der Antarktis.
Grönlandhaie, auch Eishaie genannt, kennt man eigentlich aus der Arktis (daher auch der Name). Sie zählen zur Gattung der Schlafhaie, die in großen Tiefen unterwegs sind. Dass ein Vertreter dieser Art nun im südlichen Ozean auftaucht, stellt bisherige Annahmen infrage. Lange gingen Wissenschafter davon aus, dass es in der Antarktis keine Haie gibt.
Als die australische Meeresbiologin Heather Stewart das Video zum ersten Mal sah, war sie baff. "Was ist das? Was ist das?", hört man sie auf den Aufnahmen sagen, während der Hai gemächlich ins Bild schwimmt.
Eigentlich wollte das Team die Artenvielfalt des Südlichen Shetlandgrabens dokumentieren. Stattdessen lieferte die Expedition einen Fund, der das Wissen über die Verbreitung von Haien ordentlich durcheinanderwirbelt.
Der globale Klimawandel könnte auch für den Schlafhai Folgen haben. Steigende Wassertemperaturen verändern Meeresströmungen und damit Lebensräume sowie Beuteverfügbarkeit. Arten, die extreme Kälte bevorzugen, geraten dadurch unter Druck oder weichen in noch tiefere, kühlere Zonen aus.
Ein Meeresökologe, der sich seit Jahrzehnten mit kalten Ozeanregionen beschäftigt, hält die Entdeckung für plausibel. Schon vor rund 30 Jahren habe er ähnliche Tiere nahe den Falklandinseln beobachtet. Sein Verdacht: Bisher fehlten schlicht die passenden Kameras, um die Tiere nachzuweisen.
Weltweit gibt es mehr als 500 Haiarten. In den Gewässern rund um die Antarktis wurden bisher aber nur fünf Arten registriert. Umso größer ist die Überraschung über den neuen Fund.
Über Grönlandhaie weiß man generell wenig. Sie können bis zu 7,3 Meter lang und rund 2,5 Tonnen schwer werden. Experten gehen davon aus, dass sie beinahe 400 Jahre alt werden - und damit zu den langlebigsten Wirbeltieren zählen.