Seit Freitag vergangener Woche hat die Milchgenossenschaft Niederösterreich, als Vertreterin der rund 2.000 NÖM-Milchbauern, ihre Belieferung der großen Supermarktkette auf unbestimmte Dauer eingestellt. Zuvor war es zu einem Zerwürfnis über die jüngsten Preisverhandlungen gekommen. "Heute" berichtete.
Am Dienstag springt auch LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger den Milchbauern und ihrer Genossenschaft mit scharfen Worten gegen Spar zur Seite: "Die Kostenentwicklung in den letzten Jahren ist dramatisch und trifft auch die Bäuerinnen und Bauern sowie ihre Betriebe mit voller Härte. Ihre tägliche, wertvolle Arbeit wird zwar gerne in Werbebotschaften besungen, findet aber schon seit Jahren viel zu wenig Anerkennung, wenn es um die konkrete Bezahlung geht. Dass der hochkonzentrierte Handel diktiert und die Bäuerinnen und Bauern damit auskommen müssen, was am Ende des Tages übrig bleibt, wenn alle anderen bedient wurden, ist kein zukunftsweisendes System. Die harte Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern, die sich 365 Tage im Jahr um ihre Tiere und die Umwelt kümmern, muss endlich wieder mehr wert sein".
Es sei nicht die Aufgabe der Landwirtschaftskammer, sich in Preisverhandlungen einzumischen. Unparteiisch werde man aber nicht bleiben, wenn eine Seite "unter die Räder" komme. "Es ist auch eine Frage der Fairness, dass unseren Bauernfamilien die steigenden Produktionskosten, immer höheren Umwelt- und Tierwohlleistungen und auch die anwachsenden Lebenshaltungskosten bezahlt werden", fordert der LKÖ-Präsident.
Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2023 seien um 14 Prozent gesunken. In den letzten zwölf Jahren habe es acht Mal eine negative Entwicklung der Einkommen in der Landwirtschaft gegeben – die zuletzt massive Inflation sei darin noch gar nicht berücksichtigt: "Bei der realen Entlohnung je Arbeitskraft in der Landwirtschaft liegt unsere Branche laut Grünem Bericht außerdem gerade einmal auf dem Niveau von 2010."
"Die Kosten in Logistik und Verarbeitung sind wie in allen Bereichen der Wirtschaft auch in der Lebensmittelverarbeitung deutlich gestiegen, nicht zuletzt durch massive Lohnsteigerungen. Wer diese Tatsachen ignoriert oder nicht anerkennt, verlangt nichts anderes, als dass diese Kostensteigerungen von den Bäuerinnen und Bauern bezahlt werden sollen. Das können wir als bäuerliche Interessenvertretung nicht hinnehmen. Unter Beachtung dieser Fakten kann auch der Argumentation von Vertretern der Firma Spar nicht gefolgt werden", kritisiert der LKÖ-Präsident und weiter: "Da wird mit den Konsumentinnen und Konsumenten, Bäuerinnen und Bauern ein unfaires Spiel getrieben."
Die Fleisch- und Milchindustrie verursacht einen beträchtlichen Anteil der Treibhausgas-Emissionen: "Der Klima-Fußabdruck der großen europäischen Fleisch- und Molkereikonzerne ist vergleichbar mit dem der großen Akteure im Bereich der fossilen Brennstoffe", stellte das Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) bereits in der Vergangenheit fest.
Inklusive der Emissionen in ihren Lieferketten – insbesondere in der Viehzucht – waren die 35 der größten Rind-, Schweine-, Geflügel- und Molkereiunternehmen demnach im Jahr 2018 für sieben Prozent der EU-Emissionen verantwortlich.