United will nur Pochettino – warum er absagen sollte

Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino ist Top-Kandidat auf einen Job bei United.
Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino ist Top-Kandidat auf einen Job bei United.Bild: imago sportfotodienst
Manchester United legt sich auf den 50-Millionen-Mann fest. "Heute" zeigt, warum Mauricio Pochettino gut beraten wäre, zu bleiben.

Jose Mourinho hat seine Koffer gepackt. Der Portugiese wurde von Manchester United vor die Tür gesetzt, Ole Gunnar Solskjaer als Interimstrainer installiert. Die langfristige Lösung soll die Klub-Legende nicht sein. Stattdessen basteln die Red Devils an einem brisanten 50-Millionen-Deal. Der Klub will Mauricio Pochettino.

Der Argentinier steht bei Tottenham Hotspur unter Vertrag – und das immerhin noch für die kommenden viereinhalb Jahre. Das erklärt die saftige Ablösesumme, die durch die englischen Medien geistert. Um Pochettino zu bekommen, müsste United Spurs-Boss Daniel Levy finanziell zufrieden stellen. Der wiederum gilt als knallharter Verhandler.

Der renommierte "Telegraph" berichtet aktuell, dass Pochettino der einzige Name auf der Trainerliste Uniteds sein soll. Mit dieser Taktik könnte sich der Rekordmeister aber die Finger verbrennen.

Pochettinos Entscheidung

Für einen Wechsel zu United sprechen die Anziehungskraft der größeren Marke, das höhere Gehalt, die größeren finanziellen Möglichkeiten auf der Jagd nach Titel. Letztere gehen Pochettino nämlich in seiner Spurs-Ära noch ab, was ihm oft zum Vorwurf gemacht wird.

Bei genauerer Betrachtung scheint es aber fraglich, ob er mit einem Transfer wirklich gut beraten wäre. "Heute" zeigt, warum.

Ferguson-Erbe zu schwer



Der Übergang von Sir Alex Ferguson zu David Moyes scheiterte 2013. Der Nachfolger wurde von der Trainer-Ikone handverlesen, kam mit dem schweren Erbe der jahrzehntelangen Dominanz aber nicht zurecht. Mit Louis van Gaal und Jose Mourinho kamen größere Namen, die den Druck kannten, Erfahrung im Umgang mit Weltstars hatten.

Das erfolgsverwöhnte Publikum sollte beide erbarmungslos kauen und unvollendeter Dinge wieder ausspucken. Jeder der angesprochenen Trainer hinterließ verbrannte Erde. Der Kader war stets auf mehr als einer Position eine Baustelle. Das ist auch aktuell der Fall. Auf Solskjaer und die folgende Fix-Lösung wartet eine schwierige Aufgabe.

Die Zeiten, als die Marke United reichte, um jeden Star-Kicker der Welt anzulocken, sind vorbei. Zu lange hechelt der Klub in der Post-Ferguson-Ära nun schon den Top-Klubs hinterher. Stattdessen mussten die Anhänger mitansehen, wie der Verein links und rechts von den Nachbarn überholt wurde. Manchester City hat sich unter Pep Guardiola zum Liga-Krösus aufgeschwungen. Liverpool spielt unter Jürgen Klopp eine sensationelle Saison, ist immer noch ungeschlagen und siegte auch am vergangenen Wochenende im Derby gegen United mit 3:1.

Freiheit bei den Spurs



Eines der Probleme trägt den Namen Ed Woodward. Der Sportdirektor ist den eigenen Fans ein Dorn im Auge. Ihm werden zahlreiche gescheiterte Transfers zu Lasten gelegt. Mourinho beschwerte sich nicht nur einmal öffentlich, Wunschspieler nicht bekommen zu haben.

Ganz anders gestaltet sich die Situation für Pochettino bei seinen Spurs. Die Funktion des Sportdirektors gibt es in Tottenham nicht. Dort muss sich der Argentinier zwar mit einer schmäleren Brieftasche zufrieden geben, aktuell auch wegen des Stadion-Neubaus auf teure Neuzugänge verzichten, er genießt aber Freiheiten, die er so bei United nie haben könnte.

Die langfristigen Aussichten, seinen Weg fortzuführen und das Team nach seinem Konzept zusammenzustellen und weiterzuentwickeln, sind bei den Spurs rosiger. Der Kader ist seit Jahren organisch gewachsen. Anders in Manchester: Mourinho pflegte eine regelrechte Fehde mit Schlüsselspieler Paul Pogba. Neuzugang Alexis Sanchez wirkt seit seiner Ankunft wie ein Fremdkörper. Solche Spieler gibt es im Kader der Londoner aktuell nicht.

Sportliche Perspektive



Tottenham ist seit Jahren in den Top-Drei der Liga. In der Champions League gelang der Einzug ins Achtelfinale. Im Liga-Cup wartet nach dem jüngsten Sieg im Nordlondon-Derby das Halbfinal-Duell mit Chelsea. United ist nicht mehr im Bewerb. Das direkte Liga-Duell mit Manchester gewannen die Spurs im Old Trafford heuer mit 3:0. In der Premier League trennen die Teams schon 13 Punkte. United hat keine realistische Chance auf Champions-League-Fußball im kommenden Jahr.

Der Spurs-Kader ist zudem jung. Viele der Leistungsträger sind mit langfristigen Verträgen ausgestattet. Die Zeiten, als man Tottenham eine zu dünne Kaderdecke vorwerfen konnte, sind auch vorbei. Oben genannte Leistungen gelangen, obwohl in der aktuellen Saison 14 der 22 Spieler aus dem ersten Team schon verletzt ausgefallen sind, viele Stars bis zum Final-Wochenende bei der WM im Einsatz waren.

Die Fans wissen, wem der steile Aufstieg des Klubs zu verdanken ist. Pochettino genießt eine hohe Wertschätzung, wurde nach den aktuellen United-Gerüchten während des Derby-Sieges gegen Arsenal am Mittwoch von den Auswärtsfans besungen: "Mauricio Pochettino – he's magic, you know." Das wohl beste Argument für den Verbleib: Der 46-Jährige ist drauf und dran, sich im Norden Londons ein Denkmal zu setzen. Er kann hier ein Vermächtnis schaffen, wie es nur wenigen Trainern von Top-Klubs vor ihm vergönnt war.

(S. Klein)

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