Nach wiederholten Vorfällen mit rücksichtslosen Touristen will die deutsche Eigentümerfamilie die beliebte Bucht Caló des Moro (Maruenbucht) auf Mallorca einzäunen. Das sorgt für heftige Debatten und die Frage, ob das rechtlich überhaupt gestattet ist.
Bis zu 5.000 Besucher verzeichnet der kleine Strand im Sommer-Halbjahr pro Tag. Viele kommen nur für ein Selfie in die malerische Bucht. Insgesamt eine Million Menschen pro Saison. Das sorgt für jede Menge Müll und zertrampelte Pflanzen entlang des einen Kilometer langen Weges von der nächsten Straße zum Strand. Mehrfach mussten bereits kleinere Brände gelöscht werden.
Von den Behörden fühlen sich die Grundbesitzer angesichts der immensen Aufgaben, Müll zu beseitigen und die Natur zu schützen, seit Jahren im Stich gelassen. Daher beantragte die Eigentümerfamilie Oehm nun die Aufstellung eines Zauns vor ihrem Grundstück, um den Zugang zum Strand zu versperren, berichtet das Díario de Mallorca. Ein Anwalt und ein Architekt hätten einen Plan ausgearbeitet, der rechtlich abgesichert sei.
Als Vorbild dient ihnen dabei das nahe gelegene Anwesen der Erben des Bankiers Juan March Ordinas. Dieser hatte den auf seinem Grundstück gelegenen Strandabschnitt kürzlich ebenfalls sperren lassen.
Dabei hat die Familie die Rechnung jedoch ohne den spanischen Rechtsstaat gemacht. Laut Ley de Costas, dem spanischen Küstenschutzgesetz, ist der unmittelbare Küstenbereich, je nach Geländebeschaffenheit 6 bis 20 Meter ab der Uferlinie, öffentliches Eigentum. Auch dahinter gilt noch eine bis zu 200 Meter breite Zone, in der die Natur streng geschützt ist und grundsätzlich kein Gebäude, Stromleitung oder ähnliches errichtet werden darf.
Der Zugang zum Strand darf niemandem verwehrt werden. Daher musste die Familie March Ordinas ihren Zaun kürzlich auch wieder abreißen.
Zwar gibt es durchaus die Möglichkeit für Grundbesitzer, Strandbesuchern den Weg über ihr Grundstück zu verbieten – aber nur, wenn es eine alternative, ungefährliche Route zum Strand gibt. Dabei ist es egal, welcher Weg der Kürzere ist.
Die Bucht, deren Uferbereich der Familie Oehm gehört, ist jedoch aufgrund der begrenzenden Klippen auf beiden Seiten nicht anders zu erreichen. Das dürfte, trotz anwältlicher Konsultation, auch den Oehms erst später klar geworden sein.
Nach ersten Berichten über die Pläne, einen Zaun errichten zu wollen, ruderte die Familie zurück. Die Meldungen seien falsch, sagte Hans-Peter Oehm nun dem deutschsprachigen Mallorca-Magazin. Er "wolle und könne es rechtlich gar nicht", den Zugang zum Strand zu versperren, heißt es da. Das alles sei "schlicht und einfach gelogen", so Oehm.
Vielmehr gehe es ihm darum, dass sich die Behörden endlich um alles kümmern. Er beschäftige einen Gärtner und weitere Angestellte, um das Grundstück zu pflegen. Für die Beseitigung des Mülls einer Million Touristen im Halbjahr könne er aber nicht dauerhaft alleine aufkommen, argumentiert er sinngemäß. Seine Familie habe das Areal in den letzten 26 Jahren "von einer Wüste zu einem Paradies" verwandelt, betont er.
Die Unmengen an Müll würden die Errungenschaften jedoch bedrohen. Zur Gemeinde bestehe ein "sehr guter Kontakt", betont er – und hofft, dass es bald eine Einigung über die Zuständigkeiten auf dem öffentlichen Strandabschnitt und zur Wegeerhaltung gibt.