Bei Halbzeit der Champions-League-Gruppenphase steht die Wiener Austria nach dem 0:3 gegen Atletico Madrid vor über 45.000 Fans im Happel-Stadion weiter ohne Torerfolg da. Im dritten Spiel der Königsklasse hatten die Latte und der Schiedsrichter etwas dagegen, der einen Elfmeter nicht gab. Austria-Trainer Nenad Bjelica war nicht nur deshalb schon nach 45 Minuten die Lust am Champions-League-Hit vergangen. Die Spanier haben den Violetten in Summe eine Lehrstunde erteilt.
Nenad Bjelica musste die zweite Spielhälfte auf der Tribüne verbringen. Die Mannschaft hatte erst im Kabinengang am Weg zurück auf das Spielfeld erfahren, dass ihr Coach nach der Pause nicht zurück auf die Trainerbank durfte.
"Habe Schiedsrichter nicht beleidigt"
Der Kroate hatte sich bei Schiedsrichter Daniele Orsato über den nicht gegebenen Elfmeter beschwert. Wenige Minuten vor der Pause war Roman Kienast im Strafraum zu Boden gegangen. Kurz davor hatte Philipp Hosiner die Latte getroffen. "Ich habe den Schiedsrichter im Tunnel nur gefragt, ob wir zu klein sind, um mitspielen zu dürfen", sagte Bjelica nach der Partie. "Das hat er als Beleidigung aufgefasst – ich nicht."
"Das war Harakiri von uns"
Zu diesem Zeitpunkt war das Match für die Austria ohnehin schon gelaufen. Bereits nach 20 Minuten führten die Gäste aus Madrid 2:0, zeigten den Wienern ihre Grenzen auf. In vielen Situationen spielte Atletico schneller, als es Austria lieb war. "Der Schiedsrichter trägt an unserer Niederlage in Summe keine Schuld", gestand deshalb auch Bjelica.
"Nach dem frühen 0:1 war das eher Harakiri von uns", sagte Verteidiger Markus Suttner. "Atletico hat uns eiskalt erwischt. Und auch nach der Pause haben sie gleich nachgelegt, alles klar gemacht." Kienast brachte es auf den Punkt: "Zwei Fehler von uns, zwei Gegentore." Auch Hosiner meinte, dass "wir den Anfang verschlafen haben. Dann haben sie ihre Klasse ausgespielt."
"Klassenunterschied war deutlich"
Kapitän Manuel Ortlechner versuchte, gleich nach dem Spiel nach vorne zu blicken. "Aus solchen Niederlagen müssen wir lernen. Der Klassenunterschied war deutlich sichtbar. Schade ist, dass wir die vielen Fans nicht besser belohnen konnten, schon so früh in Rückstand gerieten."
Austria wartet nach dem 0:3 weiter auf den ersten Treffer in der Gruppenphase. Kienast: "Es ist wie verhext, wir haben in jedem Spiel ein paar Chancen, der Ball will aber einfach nicht rein." Seine Strafraumszene, bei der es keinen Elfmeter gab, sieht der Angreifer nüchterner als sein Coach, obwohl er sich unmittelbar nach der Aktion wegen Kritik noch die Gelbe Karte abgeholt hatte. "Es gibt Schiris, die geben einen Elfer und es gibt welche, die geben ihn nicht."
Michael Lechner, Ernst-Happel-Stadion