Das Experiment hat für großes Aufsehen gesorgt: 46 Teilnehmer haben im Rahmen der "Auto-Wette" von Mai bis Juli ihre Autoschlüssel abgegeben und drei Monate lang Alternativen ausprobiert. Dafür erhielten sie ein monatliches Mobilitätsbudget von bis zu 500 Euro – und konnten mit Öffis, Sharing-Angeboten, Rad oder zu Fuß zeigen, dass Alltag ohne eigenes Auto in Wien möglich ist. Nun wurde das Projekt mit dem VCÖ-Mobilitätspreis Wien ausgezeichnet.
Fast 3.000 Haushalte hatten sich zu Jahresbeginn für die Teilnahme beworben, 37 aus dem Partnerbezirk Währing wurden schließlich ausgewählt. "Das Projekt Auto-Wette hat definitiv vielen Menschen einen neuen Anstoß gegeben: Die Teilnehmer haben gezeigt, dass man in Wien kein eigenes Auto braucht. Zwei Drittel der Teilnehmerinnen können sich auch vorstellen, auf das eigene Auto in Zukunft zu verzichten", so die Geschäftsführung der Wiener Linien.
Die Ergebnisse sprechen für sich: Im Schnitt gaben die Haushalte nur 340 statt der vorgesehenen 500 Euro für Mobilität aus. Ein Viertel der Teilnehmer hat das Auto bereits verkauft, zwei Drittel wollen langfristig autofrei bleiben.
Auch die wissenschaftliche Begleitung des Projekts liefert wertvolle Daten: Die Universität für Bodenkultur analysiert das Mobilitätsverhalten der Teilnehmer und führt im Herbst qualitative Befragungen durch. Ein umfassender Endbericht wird Ende des Jahres erwartet.
Währings Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) sieht darin einen wichtigen Schritt für die Stadtentwicklung: "Manchmal ist ein Auto sehr praktisch – und dann sollte es bequem zur Verfügung stehen, auch ohne ein eigenes zu besitzen. Denn das ist teuer und steht im Schnitt über 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Und diese Flächen brauchen wir dringend – für Radwege, sichere Schulwege und Begrünung."
Der VCÖ-Mobilitätspreis gilt als größte Auszeichnung für nachhaltige Verkehrskonzepte in Österreich. "Die Auto-Wette hat einmal mehr gezeigt: Ein dichtes Öffi-Netz in Kombination mit Nahversorgung und sozialer Infrastruktur in Geh- und Radfahrdistanz sorgt für Freiheit in der Verkehrsmittelwahl und für Unabhängigkeit vom Auto", betont VCÖ-Geschäftsführerin Ulla Rasmussen.
Neben der "Auto-Wette" wurden auch zwei weitere Projekte prämiert: Die Umgestaltung der Galileigasse im 9. Bezirk in eine temporäre Fußgängerzone sowie die umfassende Neugestaltung der Praterstraße. Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) gratulierte den Projekten: "Als Stadt setzen wir seit vielen Jahren alles daran, Wien klimafit zu machen. Dafür bauen wir unter anderem die Radwege und den Öffentlichen Verkehr massiv aus." 73 Projekte wurden heuer in Wien eingereicht – so viele wie in keinem anderen Bundesland.