Am Dr.-Karl-Lueger-Platz rollen die Bagger an: Das umstrittene Denkmal des früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger wird vorbereitet – und zwar fürs Kippen. Bis zum Sommer soll die Statue um exakt 3,5 Grad geneigt sein. Die Bauzäune stehen schon, als Nächstes wird das Monument abgebaut, abtransportiert und restauriert.
Zunächst kommt die Bronze-Figur in eine Werkstatt, wo sie gründlich gereinigt und technisch überprüft wird. Die abgeschlagenen Teile an den Skulpturen und Reliefs des Podests werden wiederhergestellt, ebenso werden die im Zuge der Proteste aufgebrachten Farb- und Bitumenschichten am Denkmal entfernt. Danach folgt der eigentliche "Umbau".
Geplant ist eine Fertigstellung im Sommer 2026. "Genauere Angaben zum Zeitplan können wir nicht machen, da zum einen die Witterung eine Rolle spielt und zum anderen in der Behandlung von Denkmälern immer ein Schritt auf dem anderen aufbaut. Das bedeutet, dass sich die spezifischen Herangehensweisen erst im Arbeitsprozess herauskristallisieren", heißt es von Kunst im öffentlichen Raum (KÖR).
Das Lueger-Denkmal nahe dem Stubentor stammt aus dem Jahr 1926 – und ist seit Langem ein Reizthema. Kritiker fordern seit Jahren eine Umgestaltung oder die vollständige Entfernung. Immer wieder wurde das Bauwerk beschmiert oder mit Farbe attackiert. Um die festgefahrene Debatte aufzubrechen, lud Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) im Mai 2021 rund 40 Beteiligte zu einem runden Tisch.
Ein Jahr später folgte ein künstlerischer Wettbewerb zur dauerhaften Kontextualisierung des Denkmals. 13 Künstlerinnen und Künstler waren eingeladen. Die Jury unter dem Vorsitz von Eva-Maria Stadler (Universität für angewandte Kunst Wien) entschied sich schließlich für das Projekt "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" von Klemens Wihlidal.
Warum ausgerechnet 3,5 Grad? Das erklärte Wihlidal 2023 so: "Diese 3,5 Grad, das ist der Punkt, wo ich zum ersten Mal Irritation spüre, und ich glaube, das ist sogar mehr, als wenn ich das 45 Grad neigen würde."