Erstmals seit 2017 frieren die Wiener Gewässer wieder großflächig zu – und mittendrin: der Eisbrecher MS Eisvogel. Die anhaltende Kälte verwandelt die Hafenbecken von Freudenau, Albern und Lobau in Eisflächen, die innerhalb weniger Stunden massiv verdichten können.
Um die Schifffahrt aufrechtzuerhalten und die Schiffe vor gefährlichem Eisdruck zu schützen, ist die 32 Meter lange "Eisvogel" derzeit alle zwei Tage im Einsatz.
Schon ab minus sechs Grad schließen sich die Fahrrinnen, bei noch tieferen Temperaturen kommt es zum echten Eispanzer. Dann zeigt sich, wie wichtig ein speziell ausgerüstetes Schiff wie die MS Eisvogel ist: Mit Gewicht, Motorleistung und speziellem Bug hält sie die Hafenbecken offen und schützt die Schiffe.
"Als größter öffentlicher Donauhafen Österreichs muss der Hafen Wien auch im Winter für die Schifffahrt offen sein. Zieht eine massive Kaltfront über Wien, ist die Eisvogel der Garant dafür, dass Frachtschiffe jederzeit ungehinderte Zufahrt zum Kai haben. Durch ihren Einsatz hält der Eisbrecher die Fahrrinne frei und bewahrt Rümpfe vor schweren Schäden", erklärt Fritz Lehr, kaufmännischer Geschäftsführer des Hafen Wien.
Die MS Eisvogel ist ein Schwergewicht auf der Donau: 80 Tonnen bringt sie auf die Waage, 12 Millimeter starker Stahl schützt den Rumpf, die beiden 260-PS-Dieselmotoren treiben das Schiff im Schritttempo voran. Wird das Eis dicker, kann die "Eisvogel" bis zu 30 Tonnen Wasserballast aufnehmen und sich auf die Eisfläche heben – so lassen sich sogar Eisplatten von bis zu 60 Zentimeter Dicke zerbrechen.
Eckdaten MS Eisvogel:
Baujahr: 1955
Länge: 32 Meter, Breite: 6,5 Meter
Gewicht: 80 Tonnen (+30 Tonnen Wasserballast möglich)
Antrieb: Zwei Dieselmotoren à 260 PS (520 PS gesamt)
Rumpfstärke: 6–12 mm Stahl
"Dann vibriert der ganze Schiffskörper, Heckwasser schäumt auf und laut knirschend bricht das Eis in Stücke", erzählt Kapitän Michael Schopf. Das letzte Mal war das im Jahr 1985 bei minus 20 Grad der Fall.
Doch die "Eisvogel" ist nicht nur im Winter unverzichtbar. Ganzjährig fungiert sie auch als Berge- und Feuerlöschschiff, sichert damit die Abläufe im Hafen und schützt die Infrastruktur. Auf einer Fläche von rund drei Millionen Quadratmetern arbeiten rund 5.000 Menschen in den Hafenbetrieben – ihre Sicherheit hängt maßgeblich von diesem bewährten Spezialschiff ab.