Im Wiener Landtag ist am Dienstag auf Verlangen der Grünen über die zunehmende Wohnungsknappheit debattiert worden. Im Zentrum standen Forderungen nach mehr gefördertem Wohnungsneubau, einer stärkeren Zweckbindung der Wohnbauförderung und rascheren Sanierungen im Gemeindebau.
Die Grünen warnten vor einem "dringlichen, ernsthaften und aktuellen Problem" am Wohnungsmarkt. Stadtrat Peter Kraus (Grüne) verwies auf sinkende Widmungsreserven und einen historischen Tiefstand bei bewilligten geförderten Wohnungen. Gleichzeitig würden laut Budget hunderte Millionen Euro aus der Wohnbauförderung ins allgemeine Stadtbudget fließen. LAbg. Georg Prack (Grüne) sprach von einem drohenden "massiven Mangel" an leistbarem Wohnraum und kritisierte, dass der soziale Wohnbau nur noch einen Teil des tatsächlichen Bedarfs abdecke.
Unterstützung für die Forderung nach einer klaren Zweckbindung kam von der ÖVP. LAbg. Lorenz Mayer stimmte dem Sitzungsthema "zu 100 Prozent" zu und kritisierte, dass trotz höherer Beiträge "dem Wohnbau weniger Geld zur Verfügung" stehe. Die Wiener würden die Wohnbaukompetenz der Stadtregierung "nicht mehr spüren".
Die NEOS widersprachen der Kritik. LAbg. Selma Arapovic betonte, dass Wohnbaufördermittel auch für soziale Infrastruktur wie Schulen oder Straßen notwendig seien. Wien habe zwischen 2020 und 2025 mehr in Wohnbau und Sanierungen investiert, als es eingenommen habe, und sei europäisch "nicht die Getriebenen".
Die FPÖ sprach von einer "absehbaren und hausgemachten" Krise. Stadtrat Dominik Nepp kritisierte einen milliardenschweren Sanierungsstau im Gemeindebau und forderte strukturelle Änderungen bei Wiener Wohnen. LAbg. Maximilian Krauss bemängelte lange Wartezeiten auf Gemeindewohnungen und zu langsame Sanierungen.
Die SPÖ wies die Vorwürfe zurück. Christian Deutsch betonte, der Wohnbauförderungsbeitrag werde nicht "zweckentfremdet", sondern fließe in Wohnbau, Sanierung und soziale Infrastruktur. Wien stehe für "Verlässlichkeit beim leistbaren Wohnen". Georg Niedermühlbichler unterstrich Wiens Rolle als Stabilitätsfaktor für die Bauwirtschaft und verwies auf laufende Investitionen in Neubau und Sanierung sowie Maßnahmen gegen Kurzzeitvermietung.