Diese Geschichte klingt fast wie aus einem Film: Hari Varešanović, besser bekannt als Frontmann von Hari Mata Hari, hat in einem Interview ungewöhnlich private Einblicke in sein Leben gegeben – und dabei eine dramatische Szene rund um seine Geburt enthüllt.
Der Sänger erzählt, dass ihn sein Vater kurz nach der Geburt heimlich aus dem Krankenhaus geholt habe. Grund dafür seien die extremen Winterbedingungen Anfang der 1960er-Jahre in Sarajevo gewesen. Laut Hari soll es damals in der Klinik keine Heizung gegeben haben, weshalb viele Neugeborene schwer erkrankten oder starben.
Und das führte zu einer Aktion, die man gar nicht glauben mag: Aus Angst um seinen Sohn habe ihn der Vater schließlich kurzerhand in einen Sack gepackt und nach Hause gebracht!
Aufgewachsen ist Hari im Stadtteil Vratnik – einem Viertel, das er bis heute als kreatives Herz Sarajevos beschreibt. Auch Stars wie Goran Bregović oder Emir Kusturica stammen aus der Gegend. Seine Liebe zur Musik bekam Hari schon früh mit: Sein Großvater war ein bekannter Sevdah-Musiker, zuhause wurde ständig gesungen und musiziert.
In der Schule lief es dagegen weniger glamourös. Der Musiker gibt offen zu, kein besonders guter Schüler gewesen zu sein. Statt Hausaufgaben standen für ihn schon früh Auftritte bei Feiern und Veranstaltungen im Mittelpunkt. "Ohne Hari gab es keine Schulshow", erinnert er sich heute lachend.
1985 entstand schließlich die Band Hari Mata Hari – ein Name, der später Kultstatus erreichen sollte. Mit Hits und ausverkauften Tourneen wurde die Gruppe zu einem der größten Pop-Acts im ehemaligen Jugoslawien. Besonders erfolgreich war das Album "Ja te volim najviše na svetu", das sich hunderttausendfach verkaufte.
Finanziell lief anfangs trotzdem nicht alles rosig. Nach hunderten Konzerten quer durch Jugoslawien sei kaum Geld übrig geblieben, erzählt Hari rückblickend. Statt Luxus gab es vor allem lange Fahrten, Hotels und jede Menge Chaos – inklusive wilden Jahren voller Partys und Groupies.
Dann kam der Krieg. Während einer Tour in Schweden erreichten ihn die Nachrichten aus Sarajevo. Hari löste die Band vorübergehend auf und zog sich mit seiner Familie nach Slowenien zurück. Erst Ende der 1990er kehrte Hari Mata Hari wieder auf die Bühne zurück.
Auch zur heutigen Musikszene hat der Sänger eine klare Meinung. Enge Freundschaften im Showbusiness? Fehlanzeige. Für ihn sei die Estrada vor allem "eine große Inszenierung". Kollegen treffe man meist nur zwischen zwei Flügen am Flughafen – mehr bleibe oft nicht.