Hype um Dubioza Kolektiv

Band über Bosnien-Sensation: "Geben Söhnen ihre Namen"

Ein 15 Jahre alter Hit der Band Dubioza Kolektiv ging nach dem WM-Quali Bosniens komplett viral. "Heute" sprach mit einem Bandmitglied.
Robert Cajic
06.04.2026, 11:15
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Die Sensation ist perfekt: Bosnien und Herzegowina hat sich nach einem nervenaufreibenden Playoff-Krimi gegen Italien für die Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert – und ganz nebenbei einen alten Song wieder ganz nach oben katapultiert. Der Track "USA" der Kultband Dubioza Kolektiv erlebt aktuell einen regelrechten Hype und wird von Fans gefeiert wie nie zuvor.

Was zunächst als kritischer Song über Sehnsucht, Identität und den "amerikanischen Traum" gedacht war, ist jetzt plötzlich der Soundtrack eines historischen Fußballmoments. Tausende Fans grölen die Zeilen "I am from Bosnia, take me to America". Social Media explodiert – und die Band selbst zeigt sich überwältigt, wie Bandmitglied Brano Jakubovic gegenüber "Heute" erklärt.

Dubioza-Star gab Sohn Namen von Bosnien-Stürmer

Dubioza-Star Jakubovic erinnert sich immer wieder gerne daran, dass er seinem Sohn, der 2013 geboren wurde, den Namen eines Nationalspielers gab – als Bosnien sich erstmals für eine WM qualifizierte. "Damals habe ich ihn nach Vedad Ibišević benannt, der das legendäre Tor gegen Litauen zur direkten WM-Qualifikation geschossen hat", sagt er. Heute wäre das aufgrund der Vielzahl an wichtigen Spielern Bosniens schwieriger: "Wenn ich dieses Jahr einen Sohn bekommen hätte, hätte ich ein großes Problem gehabt."

Die Begeisterung in Land sei enorm: "Die Menschen in Bosnien und Herzegowina sind so glücklich, dass wir Kindern Namen von Fußballern geben." Gleichzeitig übt er scharfe Kritik an der Politik. Sowohl Einheimische als auch internationale Politiker würden das Land "mit ihren idiotischen Ideen direkt in den Abgrund führen". Sportler und Künstler seien es hingegen, die den Menschen wenigstens kurzzeitig eine Pause verschaffen.

Vom Auswanderungs-Song zur Stadion-Hymne

Der Song "USA" behandelt Themen wie die Sehnsucht nach einem besseren Leben, die Illusion des amerikanischen Traums, Enttäuschung und die Rückkehr in die Heimat. Dass daraus jetzt eine Fußballhymne wurde, war nicht geplant. "Mir gefällt besonders, dass die Fans dem Lied einen völlig neuen Kontext und eine neue Bedeutung gegeben haben", erklärt die Band.

Alles begann mit einem Transparent beim Playoff-Spiel in Cardiff gegen Wales. Darauf stand: "I am from Bosnia, take me to America." Gemeint war natürlich die WM in den USA. Die Band schnitt diesen TV-Moment zusammen, unterlegte ihn mit ihrem Song und stellte das Video online – der Rest ist Internetgeschichte. "Es ist alles ganz spontan passiert. Ich freue mich, dass unser Lied zum Soundtrack dieses großen sportlichen Erfolgs geworden ist."

Fanmarsch, Gänsehaut und tausende Stimmen

Die Fan-Gruppe BH Fanaticos lud Dubioza Kolektiv zum Playoff-Finale gegen Italien nach Zenica ein und sie sagten sofort zu. Vor Ort sei die Stimmung elektrisierend gewesen: "Alle waren voller Optimismus. Man konnte in der Luft spüren, dass etwas Großes passieren könnte – obwohl Italien der Gegner war." Gemeinsam mit den Fans zogen sie in einem riesigen Marsch zum Stadion. "Hinter uns schlossen sich tausende Menschen an. Diese Menschenmenge hat so viel positive Energie ausgestrahlt." Ein großes Dankeschön gehe an die Fanbewegung für die Einladung.

"Wir fahren nicht als Touristen zur WM"

Auch sportlich zeigt man sich selbstbewusst. Die Mannschaft habe gute Chancen, so die Einschätzung: "Bosnien fährt nicht als Tourist zur Weltmeisterschaft." Die Gruppe sei machbar, ein Weiterkommen realistisch: "Ich bin optimistisch, dass wir die nächste Runde erreichen." Besonders die junge Generation bosnischer Kicker begeistert die Band: "Diese Spieler sind im Schnitt Anfang 20. Für mich sind sie ein Symbol für eine neue Generation mit anderen Perspektiven auf unser Land und die Welt."  Auch österreichische Fans kommen auf ihre Kosten.

Für Dubioza Kolektiv hat Österreich eine besondere Bedeutung – nicht zuletzt wegen der großen Ex-Jugoslawien-Community. "Auf unseren Konzerten trifft ein wunderbarer Mix an Menschen zusammen", sagt die Band. Genau das sei ihr Ziel: Musik als verbindendes Element, bei dem Unterschiede für einen Moment verschwinden. Das nächste große Wiedersehen steht bereits fest: Am 1. November 2026 in Innsbruck.

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