Eine Farce-Abfahrt, die schwere Folgen für Vonn haben könnte. Die 41-Jährige ist als eine von drei Läuferinnen beim Weltcuprennen im Schweizer Skiort Crans-Montana am Freitag schwer zu Sturz gekommen. Nach sechs Läuferinnen, direkt nach dem Abflug der US-Amerikanerin, war die Abfahrt abgebrochen worden.
Vonn konnte eine Kompression nicht stehen, flog in den Fangzaun. Sofort hatte sich die Führende im Abfahrtsweltcup an das linke Knie gegriffen. Damit scheint nicht das bereits mehrfach operierte rechte Knie betroffen zu sein. Hier hat die US-Amerikanerin auch eine Teilprothese. Vonn biss zunächst auf die Zähne und fuhr selbst ins Ziel, belastete immer wieder ihr linkes Bein, wollte überprüfen, ob es den Belastungen Stand hält. Wenig später ging es dann aber per Hubschrauber ins Krankenhaus, genaue Untersuchungen folgen.
Damit beginnt schon jetzt ein Wettlauf gegen die Zeit. Vonns letzter großer Traum in ihrer grandiosen Ski-Karriere ist es, bei Olympia 2026 in Cortina um die Medaillen mitzufahren. Dafür startete die US-Amerikanerin ihr Comeback, dafür quälte sich die 41-Jährige mit Ex-Spitzenläufer Aksel Lund Svindal als Coach an ihrer Seite über Monate hinweg. Schon am 8. Februar steht die Olympia-Abfahrt auf der Tofana am Programm – also schon in neun Tagen.
"Ich weiß, dass sie sich am Knie verletzt hat, ich habe mit ihr gesprochen", sagte der FIS-Boss Urs Lehmann zur "Sport Bild", meinte dann aber: "Ich weiß nicht, ob es eine schwere Verletzung ist und ob sie die Olympischen Spiele verpassen wird. Warten wir ab, was die Ärzte sagen." Auch Coach Svindal hatte zuvor bestätigt, dass die US-Amerikanerin Schmerzen in ihrem linken Knie habe.
Nach dem Chaos-Rennen kam von Rainer Salzgeber, Rennchef von Vonns Skimarke Head, deutliche Kritik. Vor allem an der Kurssetzung im sogenannten "Fuchsloch", also der Passage, in der Vonn und zuvor bereits Österreichs Topläuferin Nina Ortleib gestürzt waren. Der Kurs sei "nicht wirklich gut" gewesen. "Lindsey war sehr schnell, sprang sehr weit. Dann kam direkt die Kompression, wo es sie erwischte. Da müsste man die Anfahrt etwas anpassen, damit die Fahrerinnen nicht so eng und direkt fahren können", meinte Salzgeber im "Blick".
Mit dem Abbruch konnte er bei besser werdenden Sichtbedingungen nur wenig anfangen: "Ich habe mit vielen Athletinnen gesprochen, die jetzt ohne Rennen nach unten gefahren sind. Alle berichteten von super Verhältnissen und waren sauer wegen des Abbruchs."
FIS-Rennleiter Peter Gerdol entschied sich schließlich dazu, das Rennen zu stoppen. "Wir müssen die Athletinnen nicht in eine Situation drängen, in der das Risiko zu hoch ist", meinte er nach der Chaos-Abfahrt.