"Sie haben mich verarscht"

Burn-out beim ÖSV! Jetzt macht Wiener Odermatt schnell

Der Wiener Kilian Böck ist Testpilot für Ski-Superstar Marco Odermatt. Nach einem Burn-out ist der 23-Jährige jetzt mit sich im Reinen.
Martin Huber
30.01.2026, 07:06
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Acht Saisonsiege, 557 (!) Punkte Vorsprung im Ski-Weltcup: Marco Odermatt regiert die Ski-Welt – und startet jetzt die Mission Olympia-Gold. Einer seiner wichtigsten Helfer ist ein Wiener: Kilian Böck.

Geboren am Arlberg, Stams-Schüler, Ex-ÖSV-Ass, jetzt Maschinenbau-Student an der TU Wien: "Wien ist mein Hauptwohnsitz. Ich fühle mich als Wiener – nur von November bis März nicht", grinst er.

Da sind die vereisten und fast senkrechten Hänge des Ski-Weltcups sein Büro. Aktueller Auftrag: Der 23-Jährige testet für Odermatt und dessen Ski-Firma Stöckli den Gold-Ski für Bormio heraus.

"Reich wird man dabei nicht"

Wie ist es, den Ski-Gott als Chef zu haben? "Cool. Er beeindruckt mich – als Mensch und Athlet. Nach Platz zwei auf der Streif war er traurig, zwei Stunden später aber schon wieder positiv."

Böck war in Wengen und Kitzbühel gleich doppelt im Einsatz. "Als Testpilot und als Vorläufer. Die werden bei schwierigen Abfahrten gesucht. Kost und Logis sind gratis, es gibt auch eine kleine Reiseentschädigung. Reich wird man dabei aber nicht", erzählt er. "Ich brauche aber nebenbei was, wo ich den Killerinstinkt herauslasse. Am Start bin ich nervös, dann zieht es mir ein Grinsen auf."

"Einen Staubsauger erfinde ich nicht"

Am trainingsfreien Kitzbühel-Tag fuhr Böck nach Wien und schrieb eine Uni-Prüfung. "Der Jänner ist eine stressige Prüfungsphase." Nach der Abfahrt am Samstag feierte er im Pub Londoner. "So wie es sich gehört. Montag und Dienstag saß ich dann aber wieder im Prüfungssaal." Nachsatz: "Einen Staubsauger werde ich aber nicht erfinden."

Dafür hat ihn der Ski-Sport zu sehr in seinen Bann gezogen. Das war nicht immer so. "Im Sommer war ich in Therapie. Skifahren war ein Hassthema für mich."

"Sie haben mich verarscht"

Böck fühlte sich im ÖSV nicht wertgeschätzt. "Sie haben mich verarscht", sagt er. Nach Stams, FIS- und Europacuprennen verpasste er den Sprung in den Weltcup. "Ich habe bei gewissen Rennen nicht geliefert. Mir hat aber auch die Unterstützung gefehlt."

Er gründet sogar ein eigenes Team, finanziert alles selbst. "Ich habe sogar überlegt, dass mich meine Großcousine adoptiert, ich für Australien starte." Alles abgehakt! "Ich bin mit meinem Leben und mir im Reinen. Ich komme an die besten Ski-Orte der Welt, arbeite an einem spannenden Projekt. Stöckli hat mich wunderbar aufgenommen."

"Er wählt Ski erst auf der Piste aus"

Was zeichnet Odermatt aus? "Die Ruhe und das Vertrauen", sagt Böck. "Er arbeitet seit der Jugend mit seinen engsten Vertrauenspersonen zusammen." Dazu zählt auch Böcks Firmpate Chris Lödler, der seit 2016 einer von zwei Servicemännern von Odermatt ist.

"Ist es wichtig, setzt Marco auf Altbewährtes." Sein Ski-Geheimnis? "Er macht immer zwei Set-ups, wählt den Ski erst auf der Piste aus."

"Vielleicht wäre ja etwas gegangen." Dieser Gedanke schießt Böck immer noch durch den Kopf. "Gewisse Teilzeiten passen ja noch. Aber bei der Steilhang-Ausfahrt in Kitzbühel merke ich dann schon: Puh, das geht richtig ab. Noch einen Meter enger wie die Besten, dann stehe ich das nicht."

Schnell zu sein, ist für einen Testpiloten aber nicht das Wichtigste. "Bei Gleittests im Flachen geht es um die Konstanz. Wir lassen die Ski vier, fünf Wochen lang im K.o.-System gegeneinander Ausscheidung fahren. Die schnellsten fünf, zehn werden Rennski."

Stöckli-Testpilot Böck: "In mir pumpt ein rot-weiß-rotes Herz."
zVg

Bormio wird anders

Nächste Woche startet er mit Stöckli die Operation Gold in Bormio. "Die Abfahrt wird anders sein als sonst Ende Dezember, weil die Sonne viel höher steht im Februar. Oben wird es aber dunkel bleiben. Ein Fall für Marco: Wenn andere zurückstecken, zieht er sein Programm voll durch."

Freut sich Böck eigentlich noch über ÖSV-Siege? "Natürlich! Ich bin ein Patriot, in mir pumpt ein rot-weiß-rotes Herz", schießt es aus ihm heraus. "Als mich der Lukas Feurstein in Kitzbühel im Starthaus sah, sagte er: ,Was machst denn du schon wieder hier?'"

{title && {title} } mh, {title && {title} } Akt. 30.01.2026, 07:56, 30.01.2026, 07:06
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