Unbesiegbar fühlte ich mich nach meinem allerersten Training auf der Streif in Kitzbühel.
Ich war im oberen Streckenteil bis zur Steilhang-Ausfahrt schnell und im Ziel als 15. einfach froh, dass ich es überlebt habe. "Jetzt kann dir auf keiner Abfahrt der Welt etwas passieren", war mein erster Gedanke im Ziel.
Dumm! Nur zwei Monate später war ich zu 15 Prozent teilinvalide. Auf der vergleichsweise leichten Abfahrt in Lake Louise verdrehte sich mein Knie bei einem Sturz um 360 Grad. Ich lag im Spital und die ÖSV-Abfahrer feierten: Helmut Höflehner gewann das Rennen, Franz Klammer krallte sich Abfahrtskristall.
Extrem schnell war die Streif beim ersten Testlauf am Dienstag – mit dem Italiener Franzoni als Schnellsten. Der Bursche hat mich schon in Wengen überzeugt, als er nach dem Sieg im Super-G auch in der Abfahrt glänzte. Er heizt den Favoriten ein.
Das erste Training war aber nur ein Abtasten: Routinier Innerhofer auf Rang zwei zeigt, dass die Besten nicht Vollgas gaben.
Das Gerücht im Ski-Zirkus, dass ein Wunderwachs die Italiener schneller macht, glaube ich nicht. Heute ist die Ski-Struktur viel wichtiger als das Wachs.
Ende der 1980er-Jahre waren die Schweizer durch das Wachs Cera F tatsächlich für zwei Jahre weitestgehend unschlagbar. Der österreichische Trainer-Guru Karl Frehsner hatte den Schweizern diesen Vorteil verschafft.
Frehsner war später der Erfolgscoach des ÖSV-Speedtrios Götschl, Meissnitzer und Dorfmeister. Heute ist er 86 Jahre alt, bis zuletzt tüftelte er am Rennanzug von Superstar Marco Odermatt. Nach dem Tod seiner Frau Rosmarie gönnt sich Karl aktuell eine verdiente Auszeit.