Sonnenbrille, Maske, Perücke – und eine Waffe im Anschlag. So stürmte ein Mann am 16. März in die Volksbank in Ferlach. Der Überfall ging blitzschnell: Nur wenig später verschwand der Täter auf einem alten Radl - und mit rund 200.000 Euro Beute im Gepäck .
Wie von "Heute" berichtet, wurde rund einen Monat danach ein 48-jähriger Kärntner festgenommen. Seither sitzt er in der U-Haft in der Justizanstalt Klagenfurt - und bestreitet die Tat. Er sagt, er habe mit dem Banküberfall nichts zu tun. Sein Verfahrenshelfer Philipp Tschernitz erklärt: "Es gibt nichts wirklich Belastendes gegen meinen Mandanten."
Polizei und Staatsanwaltschaft sehen das natürlich anders. Am Tatort wurde nämlich eine DNA-Spur des Mannes gefunden. Der Bankräuber hatte ein Drohschreiben mit: "Pack das Geld ein! Nur vom Tresor! Bleib unauffällig! Drückst du den Alarm, schieße ich sofort!", soll darauf gestanden haben. Genau auf diesem Zettel fanden die Ermittler die DNA, die zum 48-Jährigen passt.
Wie kommt seine Spur auf das Papier, wenn er es nicht war? Laut dem Verdächtigen war das alles ein blöder Zufall. Er habe in seinem Auto ein Blatt gehabt, das er bei einer Parkbank in Ferlach entsorgt habe. Genau dieses Blatt habe der Bankräuber dann verwendet. "Mittlerweile wurde auch eine Schriftprobe gemacht. Aber die Handschrift auf dem Zettel kann laut Gutachter nicht eindeutig meinem Mandanten zugeordnet werden. Das grafologische Gutachten entlastet den Mann", sagt Tschernitz.
Die Polizei hat aber noch mehr gefunden, das gegen den Mann sprechen soll: Geld. Bei dem Arbeitslosen wurden mehrere Tausend Euro entdeckt. "Er hatte ein Motorrad und ein Auto verkauft, davon stammt das Geld", meint Tschernitz.
Der 48-Jährige habe kein Motiv gehabt, die Bank zu überfallen: "Er hat keine Schulden, es gibt keine Exekutionen gegen ihn, er bekommt Zuwendungen von seiner Familie und hat sich nebenbei was in der Unterhaltungsbranche dazu verdient", so der Anwalt. Mit anderen Worten: Der Mann bleibt dabei, unschuldig zu sein. Während der Tat sei er in einem Schrebergarten gewesen und nicht in der Bank.
Wie kleinezeitung.at berichtet, wurde jetzt noch ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Experten sollen mit den Überwachungsvideos aus der Bank herausfinden, ob es sich beim verkleideten Räuber um den Angeklagten handelt. Sie vergleichen Proportionen, Größe, Körperhaltung und Gang.
Das Fluchtfahrrad, die Waffe und die Beute sind laut Tschernitz bis heute verschwunden. Es gibt aber die Aussage einer älteren Frau, die meint, das Fahrrad des Räubers am Wohnort des Verdächtigen gesehen zu haben.
Für den Mann gilt die Unschuldsvermutung.