Feiern bis zum Umfallen: Barcelona liegt nach dem Gewinn der Champions League im Freudentaumel. Bei Manchester hingegen hängt der Haussegen schief: Topstar Cristiano Ronaldo übt offen Kritik an Trainer Sir Alex Ferguson. Sein Abschied aus England könnte unmittelbar bevorstehen.
Ausgelassene Stimmung, jubelnde Fans, aber auch kleinere Ausschreitungen: Ganz Barcelona machte nach dem gewonnenen Champions-League-Finale die Nacht zum Tag. Josep "Pep" Guardiola (38) und sein Starensemble schafften heuer als erste spanische Mannschaft überhaupt das Triple - und siegten in der Meisterschaft, der Champions League und der "Copa del Rey", dem iberischen Cup. Barca suchte den Superstar - und fand ihn in Gestalt von Lionel Messi, dem designierten Nachfolger von Diego Maradonna. Der "Messi-as" hat zugeschlagen, jubelte die Bild, englische Medien schrieben etwas windschief von einem "Messi-acre" - einem Massaker. Mit seinem Kopfballtor hat sich der 1,69 Meter große Argentinier schon jetzt unsterblich gemacht.
Historischer Erfolg
Josep Guardiola i Sala, von allen nur kurz "Pep" genannt, sorgte gleich in seinem ersten Jahr als Chefcoach für den historischen Erfolg. Im Vorjahr hatte er noch die zweite Mannschaft der Katalanen trainiert, nun ist er mit nur 38 Jahren bereits auf dem Karrieregipfel angekommen. Dafür verantwortlich ist laut Guardiola nicht zuletzt "Mut und harte Arbeit". Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erklärte der Ex-Nationalspieler auch einmal mehr sein Erfolgssystem: "Wenn man den Ball hat, angreift und etwas wagt, dann hat man auch mehr Chancen auf den Sieg."
Theater der Albträume
Während das Old-Trafford-Stadion von Manchester United als "Theatre of Dreams" gilt, verwandelte sich das Stadio Olimpico Mittwochabend für die Engländer in ein Theater der Albträume. Zehn Minuten konnten Ronaldo, Giggs und Co. mithalten. Doch nach dem 1:0 durch Eto?o riss der Faden. "Manchester United ergibt sich ohne Kampf - Es war tatsächliche ein unvergessliches Finale. Vor allem Manchester United wird Probleme haben diese Nacht aus dem Gedächtnis zu streichen", kommentiert der Guardian.
ManU: Ronaldo-Kritik am Sir
Bei Manchester hängt der Haussegen schief. Zwar zeigte sich Trainer Sir Alex Ferguson fair, gratulierte Barcelona als der "besseren Mannschaft". Nicht Messi sei das Problem gewesen, Andres Iniesta (er bereite Tor Nummer eins vor) und Xavi Hernandez (er lieferte die Maßflanke, die Messi zum 2:0 einnetzte) hätten den Unterschied gemacht. "Wir haben heuer 66 Spiele absolviert, ich muss der Mannschaft zu ihrer Courage gratulieren", sagte Ferguson nach dem Match. Die Mannschaft nahm die Niederlage mit Würde hin - doch einer scherte aus: Cristiano Ronaldo. "Ferguson hat die falsche Taktik gewählt", sagte der portugiesische Superstar in aller Öffentlichkeit.
Superstar vor dem Abschied?
Die Aussagen von Ronaldo nähren die Gerüchte über einen baldigen Wechsel des Fußball-Genies zu Real Madrid. Ramon Calderon, der neue alte Präsident des Weißen Ballets, hat versprochen, zum Beginn seiner Amtszeit die Superstars in die spanische Hauptstadt zu holen. Und wer wäre da besser als Cristiano Ronaldo?