Nicht barrierefrei

Bei Gericht: Paralympic-Champion scheiterte an 3 Stufen

Svetlana Moshkovich reiste schwanger aus Italien an, doch Stufen im Gericht verhinderten ihren Einsatz als Geschworene.
Österreich Heute
04.02.2026, 15:34
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Die Para-Cycling-Weltmeisterin Svetlana Moshkovich reist hochschwanger aus Italien zum Innsbrucker Landesgericht – und scheitert dort an drei Stufen. Die Sportlerin war als Geschworene zu einem Mordprozess vorgeladen, durfte ihre Bürgerpflicht aber nicht erfüllen, weil der Gerichtssaal nicht barrierefrei zugänglich war.

Enthebung vom Dienst abgelehnt

"Ich habe vorab explizit gefragt, ob ich problemlos mit dem Rollstuhl an meinen Platz komme", schildert Moshkovich gegenüber dem ORF. Die Antwort habe sie beruhigt – die Realität vor Ort dann schockiert.

Die 36-Jährige sitzt im Rollstuhl, ist im sechsten Monat schwanger und hielt sich zuletzt mehrere hundert Kilometer entfernt in einem Trainingslager nahe Rimini auf. Trotzdem folgte sie der Vorladung nach Innsbruck. Eine Enthebung vom Geschworenendienst hatte sie im Vorfeld beantragt – das Gericht lehnte ab.

Barrierefrei – aber nur für Angeklagte

Im Landesgericht angekommen, dann die bittere Erkenntnis: Der Weg von einem Beratungszimmer zur Geschworenenbank führt über drei Stufen – ohne Rampe. Ironie des Schicksals: Als Angeklagte hätte Moshkovich den Saal problemlos erreichen können, denn der Weg zum Angeklagtenpult ist niveaugleich.

Die Sprecherin des Landesgerichts Innsbruck, Birgit Fink, bestätigte den Vorfall gegenüber dem ORF. Man wisse allerdings nicht, mit wem Moshkovich zuvor gesprochen habe. "Bei stichhaltigen Argumenten wäre eine Enthebung von dieser Pflicht durchaus vorstellbar gewesen", so Fink.

"Unter meiner Würde"

Besonders brisant: Statt einer Rampe wurde der Para-Sportlerin offenbar eine andere Lösung angeboten. "Damit wurden meine Rechte völlig missachtet, ich habe das auch als unter meiner Würde betrachtet", sagte Moshkovich dem ORF. Zwei andere Geschworene hätten sie in den Saal tragen sollen.

Seitens des Gerichts hieß es zunächst, man werde künftig eine Rampe anschaffen. Wenige Stunden später stellte sich heraus: Eine Rampe existiert bereits. Sie sei nur nicht verwendet worden, da Moshkovich noch am selben Tag von der vorsitzenden Richterin von ihrer Pflicht enthoben worden sei – sie war lediglich als Ersatzgeschworene geladen. Moshkovich widerspricht: "Die Richterin hat das offenbar selbst nicht gewusst."

Fünf Stunden Anreise – umsonst

Für die Weltklasse-Sportlerin bleibt vor allem Frust. Sie hatte ihr Trainingslager abgebrochen und eine rund fünfstündige Anreise auf sich genommen – um schließlich vor verschlossenen, beziehungsweise unüberwindbaren Türen zu stehen.

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