Statt einer Ärztin stand eine Patientin beim Hautkrebs-Screening plötzlich vor einer KI-gestützten Kamera. Die Maschine fotografierte ihren gesamten Körper in verschiedenen Posen - nackt, versteht sich. Erst danach fiel das Wort "KI": "Unsere KI wertet die Bilder jetzt aus", sagte die Arzthelferin.
Die Patientin hatte über die Buchungsplattform Doctolib einen Selbstzahler-Termin gefunden. Dass das Screening nicht von einer Ärztin, sondern von einer Maschine durchgeführt wird, war bei der Terminvergabe nicht ersichtlich. Auch einen Arzt bekam sie nicht zu Gesicht.
Wie t3n.de berichtet, analysierte das System ihre 36 Muttermale automatisch und markierte eines als auffällig. Davon wurde dann mit einem Mikroskop mit integrierter Kamera eine Nahaufnahme gemacht. Die Bilder werden innerhalb von 72 Stunden von einem Arzt begutachtet - aber von wem genau?
Genau das ist die Frage, die sich die Patientin stellt. Sie erinnert sich an eine Bekannte in Kenia, die als Datenarbeiterin Röntgenbilder von Mammografien begutachtet - ohne medizinische Ausbildung. Schaut sich vielleicht irgendein Data-Worker am Laptop ihre sensiblen Nacktfotos an?
Noch mehr Fragen drängen sich auf: Was ist das für ein KI-System? Welcher Hersteller steckt dahinter? Wie zuverlässig funktioniert die Erkennung? Wann werden die Bilder gelöscht? Werden damit neue KI-Modelle trainiert?
Die Patientin gibt zu, die Datenschutzbestimmungen auf dem iPad in der Praxis nur hastig ausgefüllt zu haben. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Denn bei sensiblen Gesundheitsdaten - und Ganzkörper-Nacktfotos zählen eindeutig dazu - ist Vorsicht geboten.
KI-gestützte Hautkrebs-Screenings sind ein wachsender Trend in der Medizin. Sie versprechen schnellere und genauere Diagnosen. Doch der Fall zeigt: Die Transparenz gegenüber Patienten lässt oft zu wünschen übrig. Wer solche Untersuchungen bucht, sollte genau hinschauen, was mit seinen Daten passiert.