Billigfleisch vs. Tierwohl – wie stehst du dazu?

Gute Tierhaltebedingungen und hohe Qualität bei gleichzeitig niedrigen Preisen – das kann sich nicht ausgehen. Trotzdem wünschen sich das viele Konsumenten.
Billigimporte von Hendlfleisch aus der Ukraine haben zuletzt für Aufregung in Österreich gesorgt. Auch wenn die Tierhalteregeln in Österreich im Vergleich zu vielen anderen Ländern relativ streng sind, um gute Qualität bieten zu können, greifen sie für viele noch lange nicht weit genug.

Abgesehen davon landen in den Supermarktregalen trotzdem qualitativ minderwertige Billigprodukte aus dem Ausland, die aus fragwürdiger Tierhaltung stammen. Und viele Konsumenten greifen aufgrund der attraktiven Preise letztlich zu.

Nachdem der "Schummelimport" eines ukrainischen Hendlzüchters aufgedeckt wurde, wird das Thema wieder viel diskutiert. Mithilfe eines einfachen Tricks ist es dem Unternehmen gelungen, die Importbeschränkungen zu umgehen und das Billigfleisch auf EU-Boden zu bringen.

Die EU-Kommission überlegt nun, die Freihandelsregelungen zu lockern, damit das Fleisch legal importiert werden kann und der Schummel damit nicht nötig wäre. Das Problem der unterschiedlichen Tierwohl-Standards ist damit aber nicht gelöst.

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"Wenn man in Österreich zwei bis drei Puten pro Quadratmeter halten darf und in anderen Mitgliedsstaaten der EU vier oder fünf und für Drittstaaten gibt es gar keine Regelungen, dann ist das eine Verzerrung des Wettbewerbs", erklärt Adolf Marksteiner von der Landwirtschaftskammer im Ö1-Mittagsjournal.

Die Folge: Mehr als die Hälfte des in Österreich verkauften Putenfleisches stammt aus dem Ausland und wird zu Spottpreisen angeboten.



Angesichts des Skandals wurde einmal mehr der Ruf nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung, die auch in der Gastronomie und bei Gemeinschaftsverpflegung gelten soll, laut. Während die einen darin langfristig die Lösung des Problems sehen, fürchten die anderen Wettbewerbsnachteile.

Die Lebensmittelindustrie etwa befürchtet ein Mehr an Bürokratie und Aufwand, was sich letztlich in den Preisen der Produkte widerspiegeln würde. "Die entstehenden Zusatzkosten für Lebensmittel würden die heimischen Waren, die in den Regalen im In- und Ausland unmittelbar mit ausländischen Waren konkurrieren, verteuern und somit deutlich benachteiligen", heißt es in einem Statement des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Dass Konsumenten den Einsatz der Landwirtschaft für bessere Qualität aber oft nicht belohnen und dann eben doch nicht bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen, wird bekrittelt.



Marktexperte Marksteiner erklärte, dass rund drei Millionen Portionen Essen täglich in Kantinen verzehrt werden. "Dort kann der Wareneinsatz mit ausländischem Putenfleisch oder Kalbfleisch 70 bis 80 Prozent betragen." Die Konsumenten merken allerdings nichts davon, denn woher das Fleisch am Teller stammt, muss im Gegensatz zum Frischfleisch bisweilen nicht deklariert werden.

Eine Umfrage unter den Mensen der österreichischen Hochschulen hat laut Vier Pfoten 2018 ergeben, dass Unternehmer Huhn und Pute mehrheitlich aus dem Ausland beziehen. Das sei insofern wichtig, weil jedes zweite Huhn in Österreich außer Haus konsumiert würde.

Der Tierschutzverein fordert schon seit Jahren eine Herkunftskennzeichnung für Fleisch, Milch und Eier in verarbeiteten Produkten und in der Gastronomie.



Das Landwirtschaftsministerium hat angekündigt, an einem entsprechenden Gesetz für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung zu arbeiten, um so unter anderem für mehr Transparenz zu sorgen. Eine EU-Regelung, wonach die Herkunft der Hauptzutat zwingend zu deklarieren ist, wird europaweit ab dem 1. April 2020 gelten.

Laut AMA-Marketing-Chef Michael Blass sei allmählich ein Trend hin zu bewussterem Fleischkonsum erkennbar, vor allem bei der jüngeren Generation. Dennoch sei feststellbar, dass sich viele Konsumenten zwar gute Qualität wünschen, dafür aber nicht mehr zahlen wollen.

Klar ist: Gute Haltung, gute Qualität und billige Preise zusammen gehen sich eben nicht aus. (ek)

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