Nach Bodycams steht bei der US-Einwanderungsbehörde ICE offenbar die nächste millionenschwere Anschaffung bevor. Einsatzkräfte sollen Elektroschock-Handschuhe erhalten, die beim Kontakt mit einer Person bis zu 380 Volt abgeben können – das Heimatschutzministerium bezeichnet die Geräte als Mittel zur "Deeskalation".
Für den geplanten Kauf sind 10 bis 20 Millionen US-Dollar vorgesehen, umgerechnet etwa 8,7 bis 17,3 Millionen Euro. Bis Ende März 2027 soll die Anschaffung abgeschlossen sein.
Die Handschuhe tragen die Bezeichnung G.L.O.V.E., kurz für "Generated Low Output Voltage Emitter". Nach Angaben des Herstellers werden sie per Tastendruck aktiviert und können beim Anfassen einer Person Strom mit bis zu 380 Volt abgeben. Das entspricht etwa dem Dreifachen der Spannung einer üblichen US-Steckdose.
Unter welchen konkreten Voraussetzungen ICE-Beamte die Handschuhe einsetzen sollen, ging aus der Bekanntmachung zunächst nicht hervor.
Das Heimatschutzministerium begründet die Anschaffung mit der Ausrüstung seiner Einsatzkräfte. Damit solle sichergestellt werden, dass diese "über die notwendigen Mittel und Ausrüstungen verfügen, um kriminelle, illegal eingereiste Ausländer sicher festzunehmen und aus unserem Land abzuschieben", wurde ein Sprecher des Ministeriums von Medien zitiert.
Das Vorgehen von ICE-Einsatzkräften hatte in der Vergangenheit wiederholt für Kritik gesorgt.
Gegen die Pläne regt sich bereits politischer Widerstand. Die demokratische Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, und die ebenfalls demokratische Generalstaatsanwältin des Bundesstaates, Letitia James, äußerten Bedenken.
James kündigte eine genaue Prüfung an: "Wir prüfen die Ausschreibung noch, aber sie scheint willkürlich - und sachlich nicht gerechtfertigt zu sein. Sie scheint gegen eine Reihe von Gesetzen zu verstoßen, und auch gegen unsere Verfassung."
Auch Hochul sieht die geplanten Elektroschock-Handschuhe kritisch: "Auf den ersten Blick erscheint es als Verletzung der Bürgerrechte, einer Person einen derartigen körperlichen Schaden zuzufügen – unabhängig davon, worin das Vergehen bestehen mag."
Erst zu Beginn der Woche war bekannt geworden, dass ICE-Einsatzkräfte flächendeckend mit Bodycams ausgestattet werden sollen. Bereits Mitte Juli hatten entsprechende Beschaffungspläne für Aufmerksamkeit gesorgt.
Auch für die Körperkameras sind 10 bis 20 Millionen US-Dollar eingeplant. Sie sollen Einsätze der Beamten dokumentieren. Kritiker zweifeln allerdings daran, ob das Heimatschutzministerium Aufnahmen auch dann veröffentlichen würde, wenn diese für Bundesbeamte belastend sein könnten.