Die Türkei steht nach einem weiteren blutigen Schusswaffenangriff auf eine Schule unter Schock. Ein 14-jähriger Bub hat am Mittwoch in Kahramanmaras, einer Stadt im Süden des Landes, mindestens acht Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Das hat Innenminister Mustafa Ciftci direkt vor Ort bestätigt. 13 weitere Menschen wurden verletzt.
Der Täter hat sich schließlich selbst getötet. Auf seinem Whatsapp-Profil hat er auf den US-Attentäter Elliot Rodger Bezug genommen.
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Laut Gouverneur Mükerrem Ünlüer hat der Schüler am Mittwoch mehrere Schusswaffen im Rucksack in die Schule mitgenommen. "Er ist in zwei Klassenzimmer eingedrungen und hat wahllos das Feuer eröffnet." Die Waffen dürften dem Vater des Buben gehört haben, einem ehemaligen Polizisten.
Nach der Tat hat sich der Angreifer selbst erschossen, so der Gouverneur. Ob das wirklich ein Suizid war oder ob das im Chaos passiert ist, sei aber noch unklar. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, wurden die Eltern des Täters festgenommen. Der Vater war früher Inspektor bei der Polizei von Kahramanmaras.
Auf seinem Whatsapp-Profil hat der Täter laut Polizei ein Bild verwendet, das auf Elliot Rodger anspielt. Dieser hatte 2014 in Kalifornien sechs Menschen und sich selbst getötet, nachdem er öffentlich über Frust wegen seiner Jungfräulichkeit und Zurückweisung durch Frauen gesprochen hatte.
Innenminister Ciftci berichtet, dass sechs der Verletzten auf der Intensivstation liegen, drei davon schweben in Lebensgefahr. Der Angriff ereignete sich laut Behörden gegen 13.30 Uhr Ortszeit. In den betroffenen Klassen waren Kinder im Alter von etwa zehn Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.
Ein Video, das eine Anrainerin aus einem Nachbarhaus aufgenommen hat und das von der Nachrichtenagentur AFP geprüft wurde, zeigt, wie Schüler aus einem Fenster im ersten Stock springen, während Dutzende andere panisch über den Hof laufen. Während der etwa anderthalb Minuten langen Aufnahme sind Schreie und etwa 15 Schüsse zu hören.
Zeugen berichten gegenüber lokalen Medien von zahlreichen Schüssen. Aufnahmen der Nachrichtenagentur IHA zeigen, wie ein zugedeckter Körper in einen Krankenwagen getragen wird. Vor dem Gebäude standen weitere Rettungsfahrzeuge bereit, an der Schule waren weinende Eltern zu sehen.
"Mein Kind wurde Zeuge der Szene", sagte Ömer Erdag der Nachrichtenagentur AFP. "Er hat gesagt: 'Papa, mein Freund wurde verletzt'. Die anderen Kinder hat er nicht gesehen. Es gab drinnen viel Blut."
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach im Kurzbotschaftendienst X von einem "tragischen Angriff". Die Türkei trauere. Erdogan versprach eine vollständige Aufklärung.
Parlamentspräsident Numan Kurtulmus erklärte: "Unser Herz blutet. Wir sprechen der ganzen Nation unser Beileid aus." Die Schulen in der Provinz Kahramanmaras bleiben am Donnerstag und Freitag geschlossen.
Erst am Dienstag hatte ein junger Mann an seiner früheren Schule in Sanliurfa, im Südosten der Türkei, mit einer Schusswaffe 16 Menschen verletzt und sich danach das Leben genommen. Unter den Verletzten waren laut Innenministerium zehn Schüler, vier Lehrer, ein Polizist und ein Kantinenmitarbeiter. Neun Verletzte wurden am Mittwoch noch im Spital behandelt, wie Präsident Erdogan vor dem erneuten Angriff mitteilte.
Schusswaffenangriffe sind in der Türkei eigentlich selten. Im Mai 2023 erschoss ein verwiesener Schüler an seiner früheren Schule den 74-jährigen Direktor. Nach der Flucht wurde er festgenommen. Die Tat löste landesweit Debatten aus. Tausende Lehrer gingen in Istanbul für mehr Sicherheit an Schulen auf die Straße.
In der Türkei gibt es strenge Waffengesetze. Wer eine Schusswaffe besitzen will, braucht eine Registrierung, einen Waffenschein, einen Nachweis der psychologischen Eignung und eine Überprüfung auf Vorstrafen. Illegale Waffen werden hart bestraft. Trotzdem sind laut Schätzungen einer türkischen Stiftung viele Schusswaffen im Umlauf – die meisten davon illegal.