Vier Runden vor der Punkteteilung stand die Bundesliga vor einem richtungsweisenden Wochenende. Direkte Duelle im Kampf um die Meistergruppe, dazu zwei emotional aufgeladene Derbys – die Voraussetzungen für sportliche Brisanz waren gegeben. Doch bei Ried gegen LASK und Austria gegen Rapid rückte das Geschehen auf dem Rasen in den Hintergrund. Vorkommnisse abseits des Spielfelds dominierten die Schlagzeilen und überlagerten das eigentlich Entscheidende. "Heute" ordnet die Ereignisse und ihre Folgen ein.
Es war das heiß erwartete Oberösterreich-Derby zweier formstarker Teams. Sportlich brachte Antonio Van Wyk Ried vor der Pause in Führung, Moses Usor rettete dem LASK mit einem verwandelten Elfmeter in der Nachspielzeit zumindest einen Punkt. Auf den Rängen allerdings verschob sich der Fokus früh. Neben sehenswerten Choreografien lieferten sich beide Fanlager lautstarke verbale Duelle – ehe die Grenzen klar überschritten wurden.
Aus dem Rieder Ultra-Sektor wurde ein homophobes Plakat (siehe Bild) entrollt, das sich gegen die Fanfreundschaft des LASK mit den Young Boys Bern richtete. Die Reaktionen folgten prompt. Zahlreiche Ried-Fans distanzierten sich anschließend in Foren und sozialen Netzwerken deutlich und forderten ein Einschreiten des Vereins, um derartige Banner künftig zu unterbinden. Die Ultras-Gruppierung zeigte hingegen keine Einsicht und veröffentlichte das Transparent noch am Sonntagabend selbst auf Instagram. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der laufenden Saison. Bereits im August war die Gruppe beim Auswärtsspiel gegen Blau-Weiß Linz mit einem Banner aufgefallen, das mit rechtsextremen Symboliken spielte.
Auch auf der Gegenseite blieb es nicht bei verbalen Spitzen. Nach "Heute"-Informationen kam es im Linzer Sektor zu einem kleineren Transparent sowie zu Sprechchören mit dem Wortlaut "SV Ried im Innzucht". Eine gezielte Provokation, klar unter der Gürtellinie – und ein weiterer Beleg dafür, wie weit sich das Derby von der sportlichen Ebene entfernte. Über mögliche Sanktionen berät am Montagabend Senat 1 der Bundesliga.
Auch in Wien-Favoriten war es ein Derby, das von vielen mit Spannung erwartet wurde – schließlich war es das erste Derby mit Auswärtsfans seit den Ausschreitungen im September 2024. Sportlich setzte die Austria ein deutliches Zeichen. Die Gastgeber präsentierten sich formstärker als Rapid und führten durch Treffer von Johannes Eggestein und Reinhold Ranftl souverän mit 2:0. Bis in die Schlussphase blieb es – abgesehen von verbalen Spitzen auf beiden Seiten – ruhig. Bis zur 89. Minute. Dann brannten bei einigen Rapid-Chaoten sprichwörtlich die Sicherungen durch. Sie feuerten Bengalos und Leuchtraketen aus dem mit 1.600 Personen gefüllten Gästeblock. Das Spiel musste kurzfristig unterbrochen werden, ein Abbruch drohte. Erst nach zehn Minuten Pause konnte das Spiel fortgesetzt und beendet werden.
Auch hier waren zahlreiche Rapid-Fans in Fanforen und in den sozialen Medien aufgrund der Vorkommnisse außer sich. Viele sahen das Verhalten einzelner als neuen Tiefpunkt des Vereins. Wie es für die Hütteldorfer weitergeht, ist noch offen. Der Senat 1 tagt am Montagabend. Fakt ist: Es wird ein Nachspiel geben. Denn die Vereine spielten auf "Bewährung". Die Bundesliga wird den Vorfall rasch behandeln und Sanktionen aussprechen. Voraussichtlich erhält Rapid eine Heimsektor-Sperre für drei Top-Spiele – also für Liga-Hits gegen die Austria, Sturm, LASK oder Salzburg gilt. Der "Block West" und auch der gegenüberliegende Sektor müssen dann leer bleiben. In extremen Fällen könnten Geisterspiele oder weitreichende Stadionverbote für Einzeltäter folgen. Punkteabzüge sind ausgeschlossen. Diese Maßnahme gibt es nicht mehr. Obendrein werden die heutigen Vorfälle seitens der Fans des SK Rapid sanktioniert", gab die Bundesliga in einem ersten Statement bekannt.
Was lässt sich nach diesem Wochenende noch über den österreichischen Klubfußball sagen? Ob im Innviertel oder in Wien-Favoriten – das Problem ist kein regionales, sondern ein strukturelles. In Teilen der Fankurven fehlen weiterhin klare Grenzen.
Solange Chaoten homophobe Plakate oder untergriffige Sprüche als legitimes Mittel der Provokation betrachten und meinen, ihren Frust mit Böllern, Bengalos oder Würfen in benachbarte Sektoren und auf das Spielfeld ausdrücken zu können, ist der gesamte österreichische Profifußball gefordert. Ohne konsequentere Stadionverbote für Einzeltäter wird es nicht gehen. Für Lippenbekenntnisse ist kein Platz mehr.