Boutique-Chefin: "Politik ist vollkommen überfordert"

Ingrid Raab, Inhaberin von FLO Vintage
Ingrid Raab, Inhaberin von FLO VintageClemens Pilz
Die "Osterruhe" belastet den Handel: Insgesamt bleiben 10.000 Geschäfte vom 1. bis 6. April zu, danach gibt's Shopping nur mit Zutrittstests.

Die Modehändlerin Ingrid Raab ist verzweifelt. Mit Beginn der COVID-19-Pandemie ist in ihrer Boutique FLO Vintage, in unmittelbarer Nähe vom Naschmarkt, der Umsatz "völlig eingebrochen" – seit mehr als einem Jahr klingelt ihre Kasse praktisch gar nicht mehr. "Der Kundschaft vergeht die Kauflust aufgrund der ungemütlichen Einkaufssituation und finanzieller Engpässe". Über Online-Plattformen wie Facebook Marketplace kann sie nur minimale Umsätze erzielen, da ihr Klientel lieber gemütlich vor Ort ihr Vintage-Reich entdecken wolle. Zu ihren Kunden zählten unter anderem Modeschöpfer wie Helmut Lang, Stella McCartney und Marc Jacobs, die auf Inspirationsstreifzügen ihrer Boutique einen Besuch abstatteten. Im Frühjahr wollte sie wieder neu durchstarten, doch der Oster-Lockdown macht ihre Träume vorläufig zunichte (Video-Interview unten).

Raab hat ihren Shop für "nostalgische Mode" vor über 42 Jahren eröffnet und keine vergleichbare Krise durchgemacht. Die staatlichen Unterstützungen reichen gerade einmal für die Miete. Jetzt gehen Anfang April die Rollläden wieder runter, danach ist Shopping nur mit negativen Testergebnis erlaubt. Die Inhaberin befürchtet, dass die Zutrittstests ihr Geschäft komplett ruinieren werden. Die "Test-Idee" sei ein Zeichen wie "überfordert" die zuständigen Politiker sind – denn Sinn macht die Zutrittsbedingung in ihren Augen nicht.

"Osterruhe" stellt Händler vor Herausforderung

Die neuen Corona-Maßnahmen für den Handel in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland lassen Kaufleute wie berichtet einmal mehr um ihre Einnahmen bangen. Laut Prognosen des österreichischen Handelsverband kostet die Schließung während der wichtigen vier Ostershoppingtagen der heimischen Wirtschaft 500 Millionen Euro. Beliebte Ostergeschenke wie Mode, Süßigkeiten, Spielwaren, Blumen, Düfte und Sport- & Freizeitartikel können stationär noch bis Mittwoch, den 31.3. eingekauft werden. Wer zu spät dran ist, dem bleibt nur noch die Bestellung im Internet. Denn die für die Grundversorgung offen bleibenden Geschäfte wie Supermärkte, Apotheken Bank- und Postfilialen müssen in der Osterzeit ihr Sortiment auf ihre Kernprodukte beschränken.

Zutrittstests als Handelskiller

Ein Vorausblick auf die Zeit nach Ostern lässt die Ladenbesitzer ganz und gar nicht aufatmen: Zwar dürfen Kunden ab 7. April wieder kommen - allerdings nur mit negativen Testergebnis, das nicht älter als 24 Stunden ist. Davon ausgenommen sind vorerst Geschäfte für den täglichen Bedarf wie etwa Supermärkte, Apotheken, Bank- und Postfilialen. Das Gesundheitsministerium wird prüfen, ob eine Ausweitung sinnvoll ist. Eine aktuelle Meinungsumfrage zeigt, dass mehr als drei Viertel der heimischen Konsumenten diese Zutrittstests als komplizierte Shoppinghürde ablehnt.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will führt aus: "Zutrittstests in den Geschäften werden kaum etwas an den Corona-Fallzahlen ändern, aber bis zu zwei Drittel aller Umsätze im Non-Food Handel vernichten und damit tausende Arbeitsplätze gefährden. Wir sprechen hier allein in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland von 280 Millionen Euro pro Woche. Diese Maßnahme ist für den Handel ein wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisches Desaster. Die Osterruhe und die Wochen danach könnten leider für viele Händler zur letzten Ruhe werden." Entschädigungen sollen zum Rettungsanker werden. So fordert der Handelsverband eine rasche und unbürokratische Ausweitung der Hilfszahlungen - im ersten Schritt zumindest 825 Euro Kurzarbeitszuschuss pro Mitarbeiter.

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