Am Wiener Heumarkt steigt nach 74 Jahren das große Box-Comeback. 1952 verteidigte Joschi Weidinger an diesem traditionsreichen Ort seinen EM-Gürtel.
Am 5. Juni duellieren sich Mobin Kahraze und Mansur Elsajev im Rahmen der Bounce Fight Night unter freiem Himmel um den WBF-WM-Titel. Auf diesen Kampf warten alle Kampfsportfans, es ist ein emotionales Duell der Gegensätze: Während Elsajev als brutaler K.o.-Schläger gilt, setzt Kahraze auf Taktik und seine Ring-Intelligenz.
Die Geschichte des 32-jährigen Kahraze bewegt weit über den Boxring hinaus.
Kahraze war 2019 mit der iranischen Nationalmannschaft auf dem Weg zu einem internationalen Turnier nach Debrecen. Auch ein israelisches Team war dort vertreten. Für das iranische Regime ein Tabu. Wäre Kahraze gegen einen Israeli ausgelost worden, hätte er nicht antreten dürfen.
Der Halbschwergewichtsmeister wollte trotzdem kämpfen. Ein Jahr lang hatte er sich mit seinem Trainer auf das Turnier vorbereitet. Doch genau diese Haltung brachte ihn in Lebensgefahr.
Am Flughafen Schwechat eskalierte die Situation. "Man drohte mir beide Arme und Beine zu brechen, sobald ich zurück im Iran gewesen wäre", erzählt Kahraze "Heute". Gefängnis und Todesstrafe hätten ihm zurück in seiner Heimat geblüht.
Deshalb flüchtete der Dritte der Asia-Meisterschaften 2013. Bei einer Polizeistation schilderte er seine Geschichte und beantragte Asyl. Österreich gewährte ihm Schutz. Über E-Mail meldete er sich später beim Wiener Bounce Gym – dort wurde er mit offenen Armen aufgenommen.
Jetzt steht Kahraze vor dem größten Kampf seiner Karriere. "Es wird eine Schlacht. Ich bin auf alles vorbereitet."
Trotzdem beschäftigt ihn eine Woche vor dem WM-Titelfight noch etwas ganz anderes. "Ich bin Österreich dankbar. Ich will einen Job neben dem Boxen. Im Iran habe ich lange Schuhe verkauft, das hat Spaß gemacht. Ich würde aber auch gerne auf einer Baustelle arbeiten", sagt Kahraze. "Bis jetzt gab es nur Absagen. Ich kriege keinen Job in Wien. Bitte meldet euch - bei mir oder beim Box Team Bounce. Ich will hier Steuern zahlen", sagt Kahraze zu "Heute".