Beim ESC ist San Marino immer wieder für Überraschungen gut. Diesmal geht das Kleinstland allerdings noch einen Schritt weiter – oder vielleicht zwei Schritte zu viel.
Der Auftritt beginnt quasi ohne den eigentlich angekündigten Hauptact: Statt Boy George steht zunächst Senhit im Mittelpunkt. Mit ihrem Song "Superstar" liefert sie eine energiegeladene Performance ab, die sofort für Stimmung in der Halle sorgt.
Tanzbar, laut, selbstbewusst – Senhit weiß genau, wie man eine Bühne einnimmt. Die Fans reagieren entsprechend positiv, viele klatschen und feiern die Performance sichtbar mit.
Und dann beginnt das eigentliche Rätsel des Abends.
Über zwei Minuten passiert etwas Entscheidendes: nämlich nichts mit Boy George. Die Inszenierung baut Spannung auf, die Kamera sucht, die Musik treibt weiter – doch der angekündigte Weltstar lässt auf sich warten.
Als er schließlich erscheint, ist der Moment eher kurz als groß.
Boy George betritt die Bühne, liefert ein einziges kurzes Satzerl und lässt sich anschließend feiern. Und das Publikum feiert ihn tatsächlich auch. Die Musikikone ist ohne Zweifel der bekannteste Name dieses Abends und bekommt entsprechend Applaus und Aufmerksamkeit.
Doch genau hier zeigt sich das Problem dieses ungewöhnlichen Konzepts: viel Aufbau, viel Erwartung – aber wenig inhaltlicher Ertrag.
Musikalisch bleibt der Fokus klar auf Senhit, die den eigentlichen Song trägt. Boy George wirkt eher wie ein symbolischer Gastauftritt als wie ein integraler Teil der Performance.
Für den ESC-Moment funktioniert das insofern, als dass die Halle reagiert und der Name zieht. Für eine echte Sieg-Performance fehlt jedoch die geschlossene Dramaturgie, der musikalische Höhepunkt und der Moment, der sich wirklich ins Gedächtnis brennt.
Am Ende bleibt ein kurioser, unterhaltsamer Auftritt – aber keiner, der realistisch Richtung ESC-Trophäe geht.