Zwei Briten stehen im Verdacht, in Frankreich bei einer verbotenen Anti-Migranten-Aktion mitmachen zu wollen. Die beiden Männer, 35 und 53 Jahre alt, wurden in der Nähe von Calais festgenommen. Laut Polizei sollen sie in einem Live-Video auf YouTube dazu aufgerufen haben, Überfahrten von Migranten über den Ärmelkanal zu verhindern.
"Wenn es sonst niemand tut, werde ich heute Abend diesen Küstenstreifen bewachen", sagte einer von ihnen in dem Video. "Und wenn ich ein Schlauchboot sehe, dann werde ich es mit aller Kraft aufschlitzen", fügte er hinzu. Außerdem rief er dazu auf, in Großbritannien an der Küste von Dover zu erscheinen, "alle zusammen, Arm in Arm, um niemanden reinzulassen".
Die Justiz wirft den beiden Männern Anstiftung zum Hass vor. Es gibt den Verdacht, dass sie an einer Anti-Migranten-Aktion mit dem Namen "Overlord" an der französischen Küste des Ärmelkanals teilnehmen wollten. Zu dieser Aktion hatte der rechtsextreme britische Aktivist Daniel Thomas aufgerufen. Die französischen Behörden haben diese Aktion aber verboten. "Operation Overlord" war im Zweiten Weltkrieg der Deckname für die Landung der Westalliierten in der Normandie.
Schon Mitte Jänner hatte die französische Justiz zehn rechtsextreme britische Aktivisten ausgewiesen, weil sie im Verdacht standen, gewaltsame Aktionen gegen Migranten zu planen.
Die Menschenrechtsbeauftragte der französischen Regierung, Claire Hédon, hat unterdessen den französischen Sicherheitskräften vorgeworfen, Elektroschockpistolen und Tränengas unangemessen gegen Migranten einzusetzen. Diese Waffen könnten "schwere körperliche Verletzungen verursachen, insbesondere bei besonders vulnerablen Menschen", betonte Hédon am Montag.
Sie fordert, dass der Einsatz solcher Waffen verboten wird, wenn damit nur Migranten vom Einsteigen in ein Boot abgehalten werden sollen. Das sei weder ein Fall von Selbstverteidigung noch von öffentlicher Ruhestörung, so Hédon. Außerdem sollen Sicherheitskräfte dazu verpflichtet werden, bei Einsätzen mit diesen Waffen die an der Uniform befestigten Videokameras einzuschalten.
Laut britischen Angaben haben 2025 etwa 41.500 Migranten den Ärmelkanal Richtung Großbritannien überquert. Das ist die zweithöchste Zahl nach 2022, als rund 45.800 Menschen auf diesem Weg nach Großbritannien kamen. Mindestens 29 Menschen sind im vergangenen Jahr bei versuchten Überfahrten ums Leben gekommen.
Großbritannien hat seine Einwanderungs- und Asylpolitik unter Premierminister Keir Starmer deutlich verschärft.