Der Karfreitag ist für evangelische Christen der höchste Feiertag – arbeitsfrei ist er aber schon lange nicht mehr. Genau das sorgt kurz vor Ostern wieder für Zündstoff. In vielen Pfarren rumort es gewaltig, die Forderung nach einer Rückkehr des Feiertags wird lauter.
Die Evangelische Bischöfin Cornelia Richter, die im Salzkammergut verwurzelt ist, findet dazu im Gespräch mit den "OÖN" klare Worte. "Wir brauchen den, wir wollen den wieder haben, er ist so wichtig für uns", sagt sie. Und macht deutlich: "Das ist ein Tag, von dem wir als Evangelische nicht lassen können. Es brodelt in den Gemeinden."
Die Diskussion trifft einen Nerv. Denn während anderswo sogar über das Streichen von Feiertagen nachgedacht wird, warnt Richter vor genau diesem Weg. Österreich sei eine Gesellschaft, die "ziemlich am Rand ihrer Kräfte" sei. Ihre klare Ansage: "Feiertage zu halten ist billiger", als Menschen mit Überlastung und Erschöpfung allein zu lassen.
Gerade rund um Ostern sei der Karfreitag für evangelische Christen zentral. Richter nennt die Geschichte von Leiden, Tod und Hoffnung ein "Menschheitsdrama der Sonderklasse" – mit Verrat, Leid, Hoffnung und einer Botschaft, die gerade heute wieder viele Menschen treffen könne. Die Geschichte dahinter sei für sie alles andere als verstaubt.
Trotz sinkender Mitgliederzahlen gibt sich die erste evangelische Bischöfin Österreichs kämpferisch. Rund 250.000 Evangelische leben hierzulande. Beim Karfreitag jedenfalls ist die Sache für viele glasklar: Die Debatte ist noch lange nicht vorbei.