Es hätte der glücklichste Tag im Leben eines Salzburger Ehepaars werden sollen. Vor zehn Jahren erblickte ihr Sohn im Tauernklinikum das Licht der Welt. Dann jedoch die traurige Nachricht: Das Kind wurde mit körperlichen Einschränkungen geboren.
Seitdem ist der Zehnjährige auf intensive Betreuung angewiesen. Er könne nicht selbstständig essen, sitzt im Rollstuhl und könne nur über ein Tablet kommunizieren. Ihr Sohn sei "im eigenen Körper gefangen", sagte die Mutter zur "Krone". Dennoch habe er einen "großen Charakter" und wisse genau, was er will.
Anfangs ging das Ehepaar von einem schrecklichen Schicksalsschlag aus, doch ein Gutachten wirft diese Theorie über den Haufen. Demnach sei es bei der Geburt zu Problemen gekommen. Der Vorgang habe sich in die Länge gezogen und es gab Komplikationen, daher habe die Hebamme zweimal ein Wehen-Mittel verabreicht – laut Gutachten eines Gynäkologen sei dies fatal gewesen.
Das Urteil des Gutachters: Schäden hätten "vermieden oder gemildert" werden können. Ihm zufolge müsse man die "korrekte Erkennung und das Management einer solchen fetalen Notsituation" von einem verantwortungsvollen Team aus Ärzten und Hebammen verlangen können.
Die Folgen waren fatal – der Bub kam tot auf die Welt. Nach der Reanimation wurde der Säugling in ein Spital nach Salzburg gebracht. Seither leidet er an Zerebralparese – eine Heilung ist nicht möglich.
Erst durch Gespräche mit Bekannten bekamen die Eltern schließlich Zweifel an der Unvermeidbarkeit der Ereignisse, berichtet die "Krone". Über die Patientenanwaltschaft ließen sie das bereits erwähnte Gutachten anfertigen. Seither fühlen sie sich belogen. "Sie sollen die Wahrheit sagen", so die Forderung des Ehepaars an die Klinik.
In einer anwaltlich eingeforderten Stellungnahme hieß es, dass das Spital Behandlungsfehler abstreitet und die Ansprüche bereits verjährt seien. Dennoch reichten die Eltern im Februar Klage ein. So kam es am Mittwoch zum ersten Verhandlungstermin am Salzburger Landesgericht. Nun gilt es, die Frage der Verjährung zu klären. Zeugen, die Eltern und damalige Spitalsmitarbeiter sollen befragt werden. Der nächste Termin ist am 28. September.