Resilienz-Tipps

Buch-Autorin rät: "Sag niemanden, wo es langgeht!"

Jobverlust, Trennung oder Krankheit – irgendwann trifft es jeden. Resilienz heißt das Zauberwort. Das Buch "Kann ich das?" setzt genau hier an.
Christine Ziechert
10.07.2026, 05:30
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Ein klassischer Ratgeber mit einfachen Rezepten ist "Kann ich das? – Resilienz und Verletzlichkeit" (Verlag Kremayr & Scheriau, 25 Euro) von Vivian Mary Pudelko (51) nicht. Die Wiener Musiktherapeutin, Coach und Yogalehrerin, die sich seit Jahren mit dem Thema Selbstfürsorge beschäftigt, möchte vielmehr zum Nachdenken anregen.

Resilienz ist die Fähigkeit, schwierige Situationen zu überstehen und danach wieder ins Gleichgewicht zu kommen – eine Art psychische Widerstandskraft: "Ich möchte mit meinem Buch dazu ermutigen, eigene Wege zu gehen. Es soll ein Trost für alle Menschen sein, die es gerade schwierig haben", meint sie. Dabei verbindet sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen und praktischen Impulsen für den Alltag.

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Wir werden nicht mit Resilienz geboren

Pudelko zeigt, wie Menschen mit schwierigen Situationen umgehen können. Denn Resilienz ist keine feste (Charakter-)Eigenschaft, mit der wir geboren werden. Vielmehr entwickelt sie sich im Laufe unseres Lebens durch Erfahrungen, Beziehungen und persönliche Ressourcen: "Resilienz ist dynamisch, sie kann sich verändern." Aufmerksam für die eigenen Bedürfnisse zu bleiben, sei ein lebenslanger Prozess: "Was wir vor allem brauchen, ist: Zeit. Für das, was wachsen will", erklärt die 51-Jährige.

Resilienz hilft uns, mit Stress, Krisen und Veränderungen umzugehen – auch wenn wir dabei verletzlich bleiben: "Verletzlichkeit ist Teil des Menschseins", meint Pudelko. Wichtig: Resilienz bedeute nicht, dass man immer stark sein muss. Auch Stress, Trauer oder Zweifel gehören dazu und können sogar dabei helfen, neue Strategien für schwierige Situationen zu entwickeln.

Akzeptanz und Selbstwertgefühl

Die psychische Widerstandskraft kann vorsichtig antrainiert werden – mit kleinen Schritten und Schutzmechanismen: "Das hat auch ganz viel mit Akzeptanz und Selbstwertgefühl zu tun. Wie bewerte ich das, was mir passiert ist? Was mache ich aus dieser Situation? Es ist wichtig, Vertrauen ins Leben zu entwickeln", erklärt Pudelko.

In Zeiten wie diesen, die oft von negativen Nachrichten beherrscht sind, fällt Vertrauen und Optimismus natürlich schwer: "Es geht darum, wieder Kontakt aufzunehmen, sich auf sich selbst zu besinnen und positive Emotionen zu empfinden – auch, wenn es nur kurze Momente sind."

Fünf einfache Tipps für mehr Resilienz

1. Optimistisch bleiben: Optimismus bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren. Es heißt vielmehr, trotz schwieriger Zeiten daran zu glauben, dass sich Dinge wieder verbessern können.

2. Hilfe annehmen: Freunde, Familie oder Kollegen können eine wichtige Unterstützung sein, wenn es im Leben schwierig wird.

3. Auf positive Gefühle achten: Momente der Freude – ein Gespräch, Musik oder ein Spaziergang – können helfen, Kraft zu tanken.

4. Sinn im Leben suchen: Menschen, die einen Sinn oder eine Aufgabe sehen, kommen oft besser durch Krisen.

5. Flexibel denken: Wer offen für neue Perspektiven bleibt, kann Probleme leichter lösen und Veränderungen besser annehmen.

Autorin erlebte schwere Verluste

Besonders eindrucksvoll sind die persönlichen Erfahrungen der Autorin. Während sie an dem Buch arbeitete, erlebte sie innerhalb eines Jahres vier schwere Verluste in ihrer Familie. Diese Erfahrungen brachten sie dazu, sich noch intensiver mit Resilienz zu beschäftigen. Im Buch beschreibt sie, dass solche Ereignisse zwar schmerzhaft sind, aber auch zeigen können, welche inneren Kräfte in uns stecken.

"In meinem Leben gab es schon mehrere Umbrüche. Ich bin vor 20 Jahren von Hamburg nach Wien gezogen. Ich habe mich vom Vater meiner Kinder getrennt und etwas ganz Neues geschaffen. Jeder soll seinen ganz eigenen Weg gehen. Sag niemanden, wo es langgeht!", rät die 51-Jährige.

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