Seit Tagen sorgt ein Buckelwal in der Ostsee für Aufsehen. Statt Richtung Grönland zu ziehen, ist "Timmy" in der Wismarer Bucht unterwegs - weit weg von seiner üblichen Route. Wie konnte das passieren?
Eigentlich gelten Buckelwale als perfekte Navigatoren. Sie legen tausende Kilometer zurück und finden zuverlässig ihre Ziele. Dabei orientieren sie sich am Magnetfeld der Erde. Doch genau dieses System ist anfällig.
Forscher vermuten nun: Starke Sonneneruptionen könnten "Timmys" inneren Kompass gestört haben. Solche Ereignisse beeinflussen das Magnetfeld der Erde - und bringen Tiere möglicherweise vom Kurs ab.
Eine Studie von US-Biologin Jesse Granger aus 2020 zeigt: An Tagen mit intensiver Sonnenaktivität stranden Meeressäuger bis zu viermal häufiger. Auch wenn die Daten von Grauwalen stammen, dürfte das Prinzip ähnlich sein.
Auffällig ist der Zeitpunkt: Kurz vor "Timmys" Strandung am 23. März gab es spektakuläre Polarlichter (20. bis 22. März) - ausgelöst durch starke Sonnenstürme. Statt in Richtung Nordatlantik abzubiegen, dürfte der Wal falsch navigiert haben und landete schließlich in der Ostsee.
Dort ist die Lage für ihn weiterhin schwierig. Buckelwale sind auf weite, offene Meere ausgelegt. In der engen Ostsee finden sie kaum Nahrung und geraten leichter in Stress.
Zeugen berichten von lauten Rufen - typisch für Tiere, die ihre Gruppe suchen. Offenbar ist "Timmy" allein unterwegs, was die Situation zusätzlich verschärft. Zwar schwimmt der Wal noch, wirkt aber bereits geschwächt. Ob er den Weg zurück in den Atlantik findet, ist ungewiss.