Mitten in Graz und vor den Augen zahlreicher Zeugen kam es im Februar zu brutalen Szenen. An einer Tankstelle im Bezirk Lend lieferten sich drei Syrer und drei Kosovaren eine gewalttätige Auseinandersetzung, die nun vor dem Straflandesgericht endete, berichtet die Kleine Zeitung.
"Plötzlich ging es los: Es wird ein Baseballschläger genommen, auf den Schädel eines am Boden liegenden Mannes eingetreten. Dort herrschte Bürgerkrieg. Wenn es schlecht läuft, stirbt einer", schilderte laut Kleine Zeitung ein Anwalt im Prozess.
Auslöser der Eskalation sollen Nachrichten gewesen sein, die im Vorfeld für Spannungen sorgten. Laut einem Verteidiger sei sein Mandant dadurch provoziert worden. Ein anderer Anwalt widersprach dieser Darstellung scharf und verwies auf die schweren Verletzungen seines Mandanten. Dieser erlitt einen Augenhöhlenbruch und bangt laut Verteidigung noch immer um sein Augenlicht.
Die Überwachungskameras der Tankstelle dokumentierten die Gewalt minutiös. Laut den Feststellungen raste ein Syrer mit seinem Auto auf das Gelände. Ein Kosovare musste sich mit einem Sprung vor dem Fahrzeug retten. Kurz darauf eskalierte die Situation völlig.
Es kam zu einem wilden Kampf mit Fäusten, Baseballschlägern und einem Wagenheber. Einer der Beteiligten wurde sogar am Boden liegend weiter attackiert und musste verletzt von seinen Landsleuten weggezogen werden.
Die Staatsanwaltschaft warf allen sechs Angeklagten Raufhandel vor. Gegen die Haupttäter standen zusätzlich die Vorwürfe der Nötigung sowie der versuchten absichtlichen schweren Körperverletzung im Raum. Alle sechs Männer im Alter zwischen 21 und 28 Jahren sind vorbestraft.
Deutliche Worte fand der vorsitzende Richter Andreas Lenz: "Kein Mensch benötigt in Österreich einen Schlagring oder Baseballschläger im Auto, um andere zu verprügeln", so die Kleine Zeitung.
Die Angeklagten zeigten sich zu den Vorwürfen großteils geständig. Als mögliches Motiv wurde ein Streit um eine Frau genannt.
Das Urteil fiel unterschiedlich aus: Für die drei Kosovaren reichten die Konsequenzen von einer Diversion bis zu acht Monaten unbedingter Haft. Deutlich härter traf es die drei Syrer. Sie wurden zu Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt.