Erstes großes Interview

Burgstaller: "Konnte nichts mehr selber machen"

Ex-Rapid-Star Guido Burgstaller spricht offen und emotional über die harte Zeit des Bangens nach dem Schädelbasisbruch in Folge einer Prügel-Attacke.
Sport Heute
26.01.2026, 22:02
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Guido Burgstaller hat lange geschwiegen. Nun spricht der frühere Rapid-Stürmer im offenen Interview erstmals selbst über jene Nacht im Dezember 2024, die sein Leben abrupt veränderte.

"Ich rede heute das erste Mal darüber. Ich war nie der Typ dafür, der Mitleid wollte. Ich bin Sportler und habe meinen Körper immer gut im Griff gehabt", sagt der 36-Jährige im ORF.

Der Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden vor der Wiener Innenstadt-Disco Volksgarten. Burgstaller, damals in seinem Abschiedsjahr bei Rapid und noch Leistungsträger der Hütteldorfer, wurde von einem Mann mit einem Faustschlag attackiert. Der Stürmer stürzte auf einen Randstein, erlitt einen Schädelbasisbruch – Lebensgefahr.

Erst im Krankenhaus wurde dem Kärntner das volle Ausmaß seiner Verletzungen bewusst. Ein Zustand, der für den jahrelangen Profisportler völlig neu war.

"Im Krankenhaus habe ich das erste Mal selber erfahren, wie es ist, wenn man eigentlich gar nichts mehr selber machen kann. Ich habe nicht mehr selber essen gehen können, ich konnte nicht selber aufstehen. Ich habe mich nicht selber waschen können. Ich habe da Unterstützung gebraucht."

Diese Hilfe kam von allen Seiten – medizinisch wie privat. Burgstaller findet dafür nun öffentlich Worte des Dankes.

"Da will ich mich auch noch einmal sehr dafür bedanken, wie die Ärzte, Krankenschwestern, meine Partnerin, meine Familie mich da unterstützt haben. Ich glaube, das ist nicht selbstverständlich."

Die ersten Stunden und Tage nach der Attacke beschreibt der Ex-Teamspieler als verschwommen. Schmerzen, Orientierungslosigkeit, viele offene Fragen.

"Wie man sich vorstellen kann, ist es mir zu der Zeit, als ich aufgewacht bin, nicht gut gegangen. Ich hatte Schmerzen und habe eigentlich nicht genau gewusst, warum ich da bin und was passiert ist. Ich habe nur gehört, dass ich einen Schlag ins Gesicht bekommen habe. Wie ist der zustande gekommen? Da gehen einem schon viele Gedanken durch den Kopf."

Gedanken, die rasch von einem Ziel verdrängt wurden: gesund werden.

"Der erste Gedanke war schon eigentlich nur, dass ich so schnell wie möglich schaue, dass ich gesund werde. Was die Ärzte sagen … natürlich kommt dann die Familie, alle, die einem nahe stehen, kommen dann. Weil es doch eine brenzlige Situation war, so, wie ich das noch beurteilen kann."

Viel Erinnerung an diese Zeit hat Burgstaller nicht. Zu schwer waren die Verletzungen, zu häufig verlor er das Bewusstsein.

"Ich habe nicht viel mitbekommen. Ich bin ja immer wieder eingeschlafen, weggetreten. Die ersten Stunden und Tage sind so mehr verflogen, weil ich nicht viel mitbekommen habe."

Der Angreifer wurde im März 2025 zu 16 Monaten bedingter Haft verurteilt, das Urteil ist rechtskräftig.

Burgstaller hat nach dem Karriereende einen neuen Weg gefunden: Seit Herbst arbeitet er wieder bei Rapid – als Stürmer-Spezialtrainer in der Akademie und als Individualcoach der U19-Nationalmannschaft. Ein Comeback, das nicht selbstverständlich ist.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.01.2026, 22:02
Jetzt E-Paper lesen