Jahrelang entschied Gernot Klopcic über Recht und Unrecht. Genauso lang ging es im Leben von Dominik Ressig nur um Zahlen, Renditen und Bilanzen. Für beide kam schließlich der Moment, an dem sie ihr Leben ändern wollten. In Wien-Simmering wollen der Ex-Richter und der Ex-Banker nun Alltagsberatung und einen Ort zum Austausch anbieten.
Acht Jahre lang war Klopcic Richter am Verwaltungsgericht Wien. 2017 erkrankte der 52-Jährige an Krebs. "Ich habe das weniger als Schicksalsschlag gesehen, sondern als Möglichkeit auf neue Chancen", erzählt er. Nach erfolgreicher Behandlung und Reha kehrte er nicht mehr auf den Richterstuhl zurück, sondern setze sich als Ziel, "die Menschen zusammenzubringen und zu vernetzen", erklärt er.
2022 entstand dann der Verein "Geko", der mittlerweile über 100 Mitglieder zählt. Im 11. Bezirk hat er nun seine Basis gefunden. In der Simmeringer Hauptstraße 56/6 entsteht derzeit das Begegnungs- und Beratungszentrum "Seelen-Oase".
Mit an Bord ist auch der Ex-Banker Ressig. Nach jahrelangen Schlafproblemen und Burn-Out-Symptomen zog er die Reißleine, hat eine Shiatsu-Praxis im 18. Bezirk eröffnet und widmet sich der Gesundheit von Körper und Geist. "Wir möchten Menschen in einer Zeit, die von Inflation, Pensionssorgen und sozialer Kälte geprägt ist, wieder Halt geben ", sagt der 51-Jährige.
Das Ziel am Simmeringer Standort ist es, eine Art Ombudsstelle zu etablieren und in rechtlichen, finanziellen und gesundheitlichen Angelegenheiten zu beraten. "Da geht es zum Beispiel um Probleme mit Behörden oder wie man seine Haushaltsabrechnung optimieren kann", erklärt Klopcic. Um das Angebot wahrnehmen zu können, muss man Mitglied beim Verein sein; die Beiträge liegen zwischen 100 und 200 Euro im Jahr. Auch Ärzte sind im Verein tätig, die alternative Ansätze verfolgen. Eine junge Studentin kocht für alle in der Gemeinschaftsküche.
Die Initiative steht noch ganz am Anfang, sieht sich jedoch bereits mit Widerstand konfrontiert. Die Rechtsanwaltskammer hat Klage eingebracht. Der Vorwurf: Der Verein übe rechtsanwaltliche Tätigkeiten gewerbsmäßig aus.
"Wir übernehmen keine Rechtsvertretung, sondern leisten 'Rechtsertüchtigung' und beraten als Vertrauenspersonen. Die Mitgliedsbeiträge sind für die Finanzierung unserer Räumlichkeiten und unseres Angebots notwendig", betont Klopcic. Die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht hat bereits stattgefunden, eine Entscheidung steht jedoch noch aus.