Bursch steckt Babys in Kinderklinik mit Masern an

In Graz sorgt der Fall eines 15-Jährigen, der an Masern erkrankt war, für Aufsehen. Der Bursch steckte an der Kinderklinik zumindest acht weitere Kinder an.
Vor mittlerweile rund zwei Wochen war ein 15-jähriger Bursch in die Ambulanz der Kinderklinik des LKH-Uniklinikums Graz gekommen, weil er über Fieber und Husten klagte. Über seinen vermeintlich harmlosen Ausschlag im Gesicht machte er sich nur wenig Gedanken. Die Diagnose der Ärzte: Der Teenager hatte sich mit den hoch ansteckenden Masern infiziert.

Die Fehleinschätzung des Burschen hat weitreichende Folgen. Denn wie die "Kleine Zeitung" berichtet, haben sich zumindest acht weitere Personen, darunter fünf Babys, angesteckt. Besonders tragisch: Betroffen ist auch ein erst vier Monate alter Säugling, bei dem die Infektionskrankheit als besonders gefährlich gilt. Immerhin gilt das meist sehr hohe Fieber gerade für Neugeborene, die noch über keinen stabilen Flüssigkeitshaushalt verfügen, als Bedrohung. Außerdem werden Kleinkinder frühestens mit neun Monaten geimpft.

Wahres Ausmaß noch unklar

Abgesehen davon sei auch die Gefahr weiterer Ansteckungen noch nicht gebannt. Denn wie die stellvertretende Klinikvorständin Barbara Plecko der "Kleinen Zeitung" erklärte, sei ein einzelner Masernpatient vier Tage vor Ausbruch des Ausschlages ansteckend. "Jetzt kann es über mehrere Wochen dauern, dass wir laufend neue Patienten bekommen, die sich angesteckt haben." Die Inkubationszeit beträgt sieben bis 18 Tage.

Bei den acht bereits bestätigten Fällen sei klar, dass die Betroffenen in der Klinik und definitiv von dem 15-Jährigen infiziert wurden. Das Krankenhaus verständigte alle 35 Patienten und deren Kontaktpersonen, die sich zum selben Zeitpunkt wie der Bursch behandeln hatten lassen, und bat sie zu einer Untersuchung bzw. Impfung. Alle ungeimpften Personen konnten das binnen 72 Stunden nachholen.

Masern:
Erreger: Masernvirus (MeV)
Ansteckung: Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit: 8 bis 10 Tage
Symptome: Roter, fleckiger Hautausschlag
Diagnose: Klinisches Bild, Antikörpernachweis
Behandlung: hustenlösende & fiebersenkende Medikamente
Immunität: Nach vorhergehende Infektion lebenslang
Vorbeugung: Impfung

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Wie viele weitere Personen der junge Mann aber womöglich in seinem privaten Umfeld noch angesteckt hat, ist unklar. Immerhin besuchte er, bevor das Fieber ausgebrochen war, auch noch seine Schule.

CommentCreated with Sketch.60 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. +++ Arzt klärt auf: Welche Impfungen beim Kind sind essenziell? +++

Übrigens gibt es an der Uniklinik einen gesonderten Eingang für Patienten mit ansteckenden Krankheiten, den der 15-Jährige (weil nichtsahnend) aber nicht genutzt hatte.

Impf-Debatte neu entfacht

Der Vorfall löst jedenfalls erneut eine Debatte um den Rückgang von Impfungen aus. Erst kürzlich hatte ja die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der steigenden Gefahr von Masernerkrankungen Impfgegner scharf kritisiert.

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