Schluss mit lustig! Mit Starcoach Carlos Dunga ist in Brasiliens Fußball-Nationalmannschaft wieder Disziplin und Ordnung eingekehrt. In Südafrika peilt die Selecao den sechsten WM-Titel an. Wie, das verrät Dunga im exklusiven Heute-Interview. Und: Seine Erinnerungen an die ÖFB-Legenden Toni Polster und Andi Herzog.
Nicht Rekordsieger Brasilien, Europameister Spanien ist bei den Wettanbietern der WM-Favorit - verkehrte Fußballwelt?
Ja und nein! Spanien hat große Namen und spielt einen attraktiven, erfolgreichen Fußball. Aber: Es gibt Wege, sie zu stoppen. Wie, das zeigen wir bei der WM.
2006 endete die WM für Brasilien mit einer Pleite. Was muss in Südafrika anders werden?
Wir haben aus den Fehlern gelernt. Der Sieg beim Confed-Cup 2009 ist der beste Beweis dafür. Und: Wir werden in jedes Spiel so gehen, als ob es das Finale wäre. Nur so kann man Weltmeister werden.
Dennoch hagelt es oft Kritik von Brasilien-Legende Pele. Ihm fehlen die Persönlichkeiten.
Es ist eher Meinung, weniger Kritik. Aber generell gilt: Teamchef in Brasilien zu sein, ist der härteste Job der Welt. Jeder glaubt, die richtige Aufstellung zu wissen. Aber es können nur elf spielen und die werden vom Teamchef bestimmt. Auch für diese - oft harten - Entscheidungen werde ich bezahlt. Nicht nur, um Titel zu holen.
Stichwort Titel: Kann 2010 zum ersten Mal ein Team aus Afrika Weltmeister werden?
Vom Potenzial her: Ja. Aber um Weltmeister zu werden, gehört mehr dazu - an erster Stelle Erfahrung. Auf alle Fälle werden die afrikanischen Teams nicht mehr wie früher die Exoten sein, sondern starke Gegner, für die ihre ganze Ehre auf dem Spiel steht.
Österreich ist bei der Endrunde nicht dabei. Dafür wählten viele Nationen das Alpenland für ihre WM-Vorbereitung. War das auch für Sie eine Überlegung?
Nein, wir trainieren in der Heimat, in Curitiba, einer Stadt auf 934 Metern Höhe. So bereiten wir uns auf die Bedingungen in Südafrika vor. Sicher auch ein Grund, warum viele Teams ihre Trainingszelte in Österreich aufgeschlagen haben.
Apropos Österreich: Als Stuttgart-Spieler trafen Sie einst auch auf die ÖFB-Altstars Toni Polster und Andi Herzog
Stimmt, zwei tolle Fußballer mit unterschiedlichen Qualitäten. Hier der Instinkt-Torjäger, da der feine Regisseur. Nur: In den Partien, als ich bei Stuttgart gegen sie spielte, ist ihnen kein Tor gelungen.Zwei anderen ÖFB-Stars, David Alaba und Marko Arnautovic, gehört die Zukunft. Kennen Sie das junge Duo?
Ja, aber beide müssen sich international noch bewähren. Ich denke, bei der EM 2012 müsste ihre Stunde schlagen.
Das gilt 2010 wohl für Lionel Messi. Ist der Weltfußballer auch für Sie der derzeit Beste?
Messi ist ein Ausnahmespieler. Aber er muss sich noch bei einer WM mit Argentinien beweisen.Klaus Pfeiffer
und Gerald Richter