Das Eröffnungsspiel im neuen Allianz-Stadion gab Rapid nach dem 2:0-Sieg über Chelsea allen Grund zu jubeln. Freude mit dem Match in Hütteldorf dürften auch die Konkurrenten des Premier-League-Vereins haben: Denn die Londoner vergaßen ihre taktischen Anweisungen in der Gästekabine!
Das Eröffnungsspiel im neuen Allianz-Stadion gab Rapid allen Grund zum Jubeln. Freude mit dem Match in Hütteldorf dürften auch die Konkurrenten des Premier-League-Vereins haben: Denn die Londoner vergaßen ihre taktischen Anweisungen in der Gästekabine!
Und die haben es in sich: Während der neue Trainer bei Juventus Turin und der italienischen Nationalmannschaft größtenteils auf ein kompaktes 3-5-2 setzte, stellt er jetzt offenbar mit Viererkette auf. Und nicht nur das: Mit vier Stürmern lässt er ein 4-2-4 spielen, das man seit den 1970er Jahren nur noch äußerst selten sieht.
Taktikfuchs Conte hat mit der offensiven Aufstellung ein Ziel: Die Außenstürmer Willian und Moses sollen die Außenverteidiger Schrammel und Pavelic hinten "hineindrücken", damit sie ihrerseits nicht ihre Flügelspieler Schobesberger und Schaub in der Offensive unterstützen können. Somit kann Rapid die Außenbahnen nur schwer überladen - Schobesberger und Schaub müssen sich im Eins gegen Eins gegen Ivanovic und Baba durchsetzen; Schrammel und Pavelic müssen hinten absichern, sonst gerät man bei einem Konter sofort in Unterzahl.
Neuzugang Joelinton wurde von Conte richtig als "Freigeist im Sturm" identifiziert. Mit den vier Pfeilen um seinen Namen herum verdeutlicht er seinen Spielern, dass sich der Brasilianer zurückfallen lässt, um Kombinationen mit Schobesberger, Hofmann und Schaub zu spielen. Dies tat er dann auch sehr schön zum 1:0.
Außerdem lässt sich aus der Position der Viererketten erahnen, dass Conte Rapid offensiv erwartet hat und sein Team dementsprechend tiefer aufstellte.
Bei Ecken Strafraum überladen
Auf einem zweiten Zettel ist zu sehen, wie Chelsea die Eckbälle angeht: Willian führt aus, im Strafraum laufen mehrere Spieler diagonal auf den Ball zu. So kann sich Willian aussuchen, ob er das kurze oder lange Eck anspielt. An der Strafraumgrenze lauern drei Spieler auf Abpraller, Baba sichert als einziger ab. Riskant, doch die Idee ist, den gegnerischen Strafraum zu überladen und so Gegenspieler in der Defensive zu binden.
Wählerische Trinker
Das dritte Blatt regelt, welcher Spieler welches Proteinpulver in welcher Geschmacksrichtung und in welchem Getränk aufgelöst haben möchten. Kapitän John Terry will während des Spiels etwa einen bestimmten Schokoladegeschmack in Wasser oder einem zucker- und kalorienarmen "Zero"-Getränk haben. Dribblanski Eden Hazard hingegen steht mehr auf Vanille, das Getränk ist ihm aber egal. Mit der Hand geschrieben sind die Anweisungen zum richtigen Mischungsverhältnis.
Am Mittwochabend spielt Chelsea im Klagenfurter Wörthersee-Stadion gegen den Wolfsberger AC. Diesmal werden die Londoner aber wohl besser hinter sich aufräumen.
Jörg Michner