Mitten im 55. Jubiläumsjahr der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und China gibt es einen überraschenden Personalwechsel: Qi Mei, die chinesische Botschafterin in Wien, verlässt ihren Posten bereits kommende Woche. Ihr Abschied erfolgt kurz nach dem offiziellen Jubiläumstag am 28. Mai, aber noch vor mehreren geplanten Besuchen österreichischer Spitzenpolitiker in China.
Qi Mei war zuletzt bei einer chinesischen Teezeremonie in der Wiener Innenstadt zu sehen – einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte als Botschafterin.
Am Dienstag lädt die chinesische Botschaft noch zu einem Empfang, bevor sie nach dreijähriger Amtszeit nach Peking zurückkehrt. Über die Hintergründe des raschen Abzugs wird auf beiden Seiten spekuliert. Auch der Wirtschafts- und Handelsrat Meng Fanzhuang verlässt seinen Posten. Die Leitung der Botschaft übernimmt vorerst ein Stellvertreter.
Wie diepresse.com berichtet, könnte mehr über die Gründe bekannt werden, sobald Qi Meis neue Position veröffentlicht wird. Bis ein neuer Botschafter bestellt wird, könnte es noch bis Jahresende dauern. Politische Entscheidungen werden vor dem nächsten Parteitag der KPCh 2027 mit besonderer Sorgfalt getroffen.
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger wird Ende Juni nach Peking reisen. Damit findet der erste Besuch eines Regierungsmitglieds der aktuellen Koalition auf Einladung des chinesischen Außenministers Wang Yi statt. Begleitet wird sie von einer Wirtschaftsdelegation. Im August folgt Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, der auf Einladung des Nationalen Volkskongresses nach China reisen wird, um unter anderem die Große Halle des Volkes zu besuchen. Im Herbst ist ein hochrangiger Besuch von Bundeskanzler Christian Stocker in Peking geplant, möglicherweise mit einem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping.
Österreichische Delegationen waren auch 2026 bereits in China, darunter Bundesratspräsident Markus Stotter und eine große Gruppe aus der Steiermark unter FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek. China zeigt sich dabei als engagierter Gastgeber, um ein positives Klima für Wirtschaftsbeziehungen zu schaffen. Laut Franz Rößler, Leiter des Außenwirtschaftscenters in Peking, wachsen jedoch die Herausforderungen: Der Handelsbilanzüberschuss Chinas steigt, österreichische Exporteure sehen sich mit verschärften Bedingungen und wachsendem Lokalisierungsdruck konfrontiert.
Im Jahr 2025 importierte Österreich Waren im Wert von 17 Milliarden Euro aus China, exportierte jedoch nur fünf Milliarden. Die chinesische Regierung verschärft die Kriterien für ausländische Unternehmen weiter, während heimische Betriebe mit einem sehr wettbewerbsorientierten Umfeld konfrontiert sind. Dennoch bleibt China als Teil globaler Lieferketten für viele österreichische Unternehmen unverzichtbar.
China betrachtet Österreich traditionell als verlässlichen Partner innerhalb der EU. Während die EU-Kommission zunehmend auf Konfrontation mit China setzt und Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken ergreift, sieht Peking in Österreich einen Staat, der wenig Widerstand in Brüssel leistet. Österreichische Vertreter sollten sich dieser Rolle bei ihren anstehenden Besuchen bewusst sein.