Mit finsterer Miene steht Donald Trump am Donnerstag beim Himmelstempel in Peking. Der 79-Jährige ist am Vorabend nach einem 16-stündigen Flug in der chinesischen Hauptstadt gelandet und wirkt jetzt ungewöhnlich zurückhaltend, als ihn Chinas Staatschef Xi Jinping durch den Tempel führt – dort, wo früher die Kaiser um gute Ernten gebetet haben.
Auf die Frage von Journalisten, wie die Gespräche mit Xi verlaufen seien, antwortet der sichtlich müde Trump mit "großartig". "China ist wunderschön." Zwei Fragen dazu, ob Taiwan Thema bei den Gesprächen war, ignoriert der US-Präsident aber.
Xi hatte zuvor deutlich gewarnt, dass Differenzen über die von Peking beanspruchte Insel zu einem Konflikt zwischen den beiden Supermächten führen könnten. Und hinter den Kulissen soll Xi laut Kommentaren in den Staatsmedien beim Thema Taiwan eine kompromisslose Haltung eingenommen haben. Das dürfte auch Trumps Stimmung getrübt haben.
Als der US-Präsident davor bei der imposanten Großen Halle des Volkes ankommt, achten die Gastgeber penibel darauf, Trumps Vorliebe für Pomp zu bedienen. Er wird mit Marschkapellen, im Gleichschritt marschierenden Soldaten und einem Kanonensalut empfangen, der über den Tiananmen-Platz hallt.
Trump strahlt und applaudiert, als hunderte Schulkinder Fahnen und Blumen schwenken und "Willkommen, willkommen, herzlich willkommen" rufen.
Die beiden Staatschefs schütteln sich die Hand, wechseln am roten Teppich vor den Kameras ein paar Worte. Vor seiner ersten Reise nach China seit fast zehn Jahren hatte Trump angekündigt, Xi werde ihm "eine dicke, fette Umarmung" geben. Die bleibt aber aus.
Und während Trump den chinesischen Präsidenten als "großartigen Freund" und "großartigen Anführer" lobt, sagt Xi lediglich, Washington und Peking sollten "Partner und keine Rivalen" sein.
Seit Trumps erstem Besuch in Peking 2017 hat sich einiges verändert. China tritt mittlerweile viel selbstbewusster auf. Trump ist auch nach Peking gereist, um von China Unterstützung für ein Ende des Iran-Kriegs zu bekommen und um den Handelsstreit zwischen den beiden Supermächten zu entschärfen – ein Durchbruch bleibt aber aus.
Während Xi und Trump über Taiwan, den Iran und die wirtschaftliche Zusammenarbeit reden, kommt es am Rand zu Spannungen zwischen den Delegationen beider Länder. Rund um die Große Halle des Volkes drängen sich Journalisten, um einen Platz zu erwischen, während chinesische und US-Beamte für Ordnung sorgen wollen.
Beim Himmelstempel gibt es dann eine hitzige Diskussion zwischen chinesischen und US-Beamten, nachdem die örtlichen Sicherheitskräfte einem Secret-Service-Mitarbeiter den Zutritt mit seiner Waffe verweigern.
Chinesische Beamte hindern US-Journalisten außerdem daran, einen Nebenraum zu verlassen, um zu Trumps Autokolonne Richtung Hotel zu kommen. Unter lautstarken Wortgefechten – "Ihr seid furchtbare Gastgeber" ist zu hören – drängen sich Vertreter des Weißen Hauses und Journalisten schließlich an den chinesischen Beamten vorbei zu ihren Kleinbussen, bevor der US-Präsident ohne sie abfährt.
Am Abend spricht Trump dann beim Staatsbankett mit Xi, und obwohl die Umarmung ausgeblieben ist, spricht er noch eine Einladung aus: Er lädt den chinesischen Staatschef und seine Frau zu einem Gegenbesuch im Weißen Haus im September ein. "Wir freuen uns darauf", sagt Trump.