Kopfhörer-Test

CMF Clip Pro im Test – Kleine Clips, große Überraschung

Keine Stöpsel im Ohr, kein großer Bügel am Kopf: Die CMF Clip Pro gehen einen eigenen Weg und haben dabei einige Besonderheiten. Der Ohr-Clip im Test.
Rene Findenig
12.08.2026, 18:52
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Kopfhörer sind normalerweise eine ziemlich eindeutige Sache. Entweder sie stecken im Gehörgang, sitzen auf dem Ohr oder umschließen es komplett. Die CMF Clip Pro machen das anders. Sie werden nicht in den Gehörgang gedrückt, sondern außen am Ohr befestigt. Es fühlt sich nicht so an, wie man es von klassischen Bluetooth-Kopfhörern gewohnt ist, sondern wie ein Ohrring. Ich habe mich deshalb beim Test zunächst auf die Frage konzentriert: Funktioniert dieses Konzept im Alltag – und vielleicht sogar besser als mit klassischen Kopfhörern? Für CMF sind die Clip Pro übrigens der erste Ausflug in das Segment der Open-Ear-Produkte, die CMF-Mutter Nothing hatte bereits auf die Ear (open) gesetzt, aber mit einem anderen Design.

CMF stellt bei den Clip Pro drei Punkte im Mittelpunkt: den offenen Tragekomfort, Hi-Res Audio mit LDAC und eine Technologie für verständlichere Telefonate. Der auffälligste Unterschied zeigt sich beim Aufsetzen. Bei herkömmlichen In-Ear-Modellen muss man den passenden Winkel finden und den Stöpsel in den Gehörgang einsetzen. Genau das entfällt bei den Clip Pro, man hängt sie an den Rand des Ohres – wo sie überraschend stabil halten. Das klassische Druckgefühl eines In-Ear-Modells ist bei diesem Aufbau kein Thema. Umgekehrt werden die Ohren nicht abgeschottet. Gespräche, Verkehr und Geräusche aus der Umgebung bleiben Teil des Hörerlebnisses. Das ist im Alltag praktisch, wenn nichts ausgeblendet werden soll.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

CMF Clip Pro auf einen Blick

Bauweise: Open-Ear
Treiber: 10,8 mm Dynamic Driver
Audio: Hi-Res Audio, LDAC
Bluetooth: 5.4, BLE
Mikrofone: 4
Akkulaufzeit: bis zu 10 Stunden, mit Case bis zu 32,5 Stunden
Schnellladen: 10 Minuten für 4 Stunden
Schutz: IP54
Preis: 79,95 Euro, Coral / Light Grey / Dark Grey, in Österreich ab Anfang September

Wer im Zug möglichst wenig von seiner Umgebung mitbekommen möchte, ist besser bei In-Ears oder Over-Ears aufgehoben. Wer dagegen beim Gehen, unterwegs in der Stadt oder im Büro nicht komplett von seiner Umgebung getrennt sein will, findet hier einen interessanten Ansatz. Die Bezeichnung Clip Pro kommt nicht von ungefähr. Die Ohrhörer werden am Ohr befestigt. Der Tragekomfort ist großartig. Schon nach kurzer Zeit vergisst man, dass man überhaupt etwas am Ohr trägt, gleichzeitig ist der Sitz so stabil, dass selbst beim Sporteln nichts verrutscht. Als Farben stehen Korallen-Orange, Dunkelgrau und Hellgrau zur Auswahl. In Österreich startet der Verkauf ab Anfang September zum Preis von 79,95 Euro.

Guter Klang ohne klassische Ohrstöpsel

Bei den CMF Clip Pro sitzt kein Stöpsel im Gehörgang. Der 10,8 Millimeter große Dynamic Driver hängt stattdessen am Ohr und spielt den Ton ins Ohr hinein. Musik wirkt weniger abgeschottet und die Umgebung bleibt hörbar. Gleichzeitig muss man sich erst daran gewöhnen, dass Stimmen und Instrumente nicht so direkt und kompakt am Ohr anliegen. Technisch ist CMF dennoch nicht bei Standardkost geblieben. Die Clip Pro unterstützen Hi-Res Audio und den Bluetooth-Codec LDAC. Zusätzlich stehen AAC und SBC zur Verfügung. Die Verbindung läuft über Bluetooth 5.4 und BLE. Wer ein kompatibles Smartphone verwendet, kann damit also eine entsprechend hochwertige drahtlose Audioübertragung nutzen.

Der Frequenzbereich wird mit 20 Hz bis 40.000 Hz angegeben. Im Inneren arbeitet eine 10,8-Millimeter-Membran aus TPU und LCP. Dazu kommt CMF Custom Tuning. Für den Bass setzt CMF auf einen eigenen Malleus Algorithm, der laut Hersteller die Basswiedergabe verbessern und Verzerrungen bei hohen Tönen reduzieren soll. Im Alltag ist der offene Charakter jederzeit hörbar. Bei einem Podcast bleiben Stimmen gut im Vordergrund, gleichzeitig bekommt man weiterhin mit, was rundherum passiert. Bei Musik ist der Unterschied zu einem abdichtenden In-Ear noch deutlicher. Ein Beat wirkt nicht so stark vom Gehörgang getrennt, sondern fügt sich stärker in die Umgebung ein. Nachteil muss das keiner sein.

So lassen sich die Clip Pro bedienen

Über die Nothing-X-App lässt sich der Klang zusätzlich anpassen. Es stehen fünf verschiedene EQ-Einstellungen zur Verfügung, außerdem kann ein eigener EQ erstellt werden. Auch Static Spatial Audio gehört zum Funktionsumfang. Damit lässt sich die Wiedergabe stärker an den persönlichen Geschmack anpassen, ohne dass man sich mit komplizierten Einstellungen beschäftigen muss. Die Bedienung erfolgt nicht über einen klassischen Touchbereich, sondern über taktile Steuerungen an den Ohrhörern. Einmal drücken startet oder pausiert die Wiedergabe. Bei einem Anruf lässt sich damit ein Gespräch annehmen oder beenden. Zweimaliges Drücken springt beim Musikhören zum nächsten Titel.

Wer dreimal drückt, springt zum vorherigen Titel. Auch die Lautstärke lässt sich an den Clips verändern. Dafür wird die Taste auf der rechten Seite gedrückt gehalten, um lauter zu werden. Links hält man die Taste gedrückt, um leiser zu werden. Für die wichtigsten Funktionen muss das Smartphone nicht aus der Tasche genommen werden. Gleichzeitig verhindert die taktile Bedienung, dass man ständig auf eine kleine berührungsempfindliche Fläche zielen muss. Und: In der Nothing-X-App lassen sich die Funktionen auch individuell anpassen. Am Ladecase sitzt zudem ein Smart Dial. Es lässt sich drehen und rücken, kann zur Lautstärkeregelung und für Schnellfunktionen verwendet werden. Auch dies kann angepasst werden.

Es gibt Grenzen beim Telefonieren

Für Telefonate haben die CMF Clip Pro insgesamt vier Mikrofone, jeweils zwei pro Seite. Dazu kommen VPU Power Call Clarity und Elephant Sound AI. Diese Kombination soll dabei helfen, die Stimme des Trägers auch bei störenden Umgebungsgeräuschen verständlich zu übertragen. Bei einem Gespräch treffen zwangsläufig mehr Außengeräusche auf das System als bei einem stärker abgeschotteten Kopfhörer. Die Technik versucht, dieses Problem bei der Sprachaufnahme auszugleichen. CMF kombiniert dafür die vier Mikrofone mit einer speziellen Verarbeitung der Sprachsignale. Das klappt auch ausgezeichnet, die Sprachqualität gerät allerdings an ihre Grenzen, wenn die Umgebung extrem laut ist oder aber Wind sehr stark weht.

Für den Nutzer bleibt die Bedienung auch beim Telefonieren angenehm einfach: Einmal drücken genügt, um einen Anruf anzunehmen oder später wieder aufzulegen. Das Case bietet darüber hinaus weitere Möglichkeiten. Je nach Konfiguration kann ein Druck auf das Smart Dial einen Anruf annehmen, das Mikrofon stummschalten oder die Stummschaltung wieder aufheben. Dreimaliges Drücken beendet einen Anruf oder weist einen eingehenden Anruf zurück. Bluetooth 5.4 sorgt indes für die drahtlose Verbindung. Die Clip Pro unterstützen außerdem eine Doppelverbindung. Damit können sie mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden bleiben. Das ist dann praktisch, wenn du beispielsweise zwischen Smartphone und Computer wechselst.

Der Akku hält überraschend lange durch

Unterstützt werden von den Clip Pro Android-Geräte ab Android 5.1 sowie iPhones und iPads ab iOS 13. Für eine schnelle Verbindung stehen Google Fast Pair und Microsoft Swift Pair zur Verfügung. Über die Nothing-X-App lassen sich außerdem Firmware-Updates einspielen, die Kopfhörer finden, Gesten konfigurieren und der Low-Latency-Modus aktivieren. Auch einen Anti-Leakage-Modus gibt es, der in ruhigen Umgebungen keinen Klang nach außen dringen lässt – etwa im mucksmäuschenstillen Aufzug. Eine Besonderheit gibt es bei den KI-Funktionen, die man bei dieser Preisklasse gar nicht erwartet hätte: Sprachsteuerung mit ChatGPT und Nothing AI News gibt es nur in Verbindung mit einem Nothing-Smartphone.

Man hängt die CMF Clip Pro an den Rand des Ohres – wo sie überraschend stabil halten.
Rene Findenig

Beim Akku kommen die CMF Clip Pro auf bis zu zehn Stunden Wiedergabe bei mittlerer Lautstärke. Zusammen mit dem Ladecase sind bis zu 32,5 Stunden möglich. Wird der Long-Battery-Life-Modus verwendet, steigt die Gesamtlaufzeit auf bis zu 36 Stunden, bei Telefonaten liegt sie bei bis zu 25 Stunden beziehungsweise nur mit den Ohrhörern bei bis zu 6,5 Stunden.  Das Ladecase selbst besitzt einen 475-Milliamperestunden-Akku (mAh). Jeder Ohrhörer verfügt über 60 mAh. Geladen wird über USB-C, ein Kabel liegt im Lieferumfang bei. Praktisch ist die Schnellladefunktion. Zehn Minuten am Kabel reichen für bis zu vier Stunden Musikwiedergabe. Schön: Mit der Laufzeit von bis zu zehn Stunden bei Musik reicht es für einen ganzen Bürotag.

Klein, leicht und gegen Wasser geschützt

Ein einzelner Ohrhörer wiegt etwas weniger als sechs Gramm. Das Ladecase bringt knapp 39 Gramm auf die Waage. Ungewohnt ist anfangs das Einlegen der Hörer zum Laden, doch daran gewöhnt man sich schnell. Die Kombination aus Ohrhörern und Case ist kompakt, aber nicht ganz so klein wie bei In-Ears. Die Ohrhörer sind nach IP54 gegen Staub und Wasser geschützt. Das Case selbst besitzt eine IPX2-Einstufung. Für den Alltag bedeutet das, dass die Clip Pro nicht bei jedem kleinen Spritzer sofort empfindlich reagieren und auch Schweiß wegstecken können, sich aber nicht zum Spazieren im starken Regen oder gar zum Schwimmen eignen. Besonders den Ladebehälter sollte man von Staub und Wasser generell fernhalten.

Damit bleibt am Ende vor allem eine Frage offen: Magst du das offene Hören? Wenn du deine Umgebung weiter wahrnehmen möchtest, dafür auf Abschottung verzichtest oder generell klassische In-Ears nicht magst, ist genau das die entscheidende Stärke der Clip Pro. Wenn du dagegen beim Musikhören möglichst vollständig abschalten willst, ist die offene Bauweise nicht die richtige Lösung. Die CMF Clip Pro machen also nicht alles anders. Sie setzen lediglich an einer Stelle konsequent an, die bei vielen Kopfhörern gleich bleibt: Sie verzichten darauf, den Gehörgang zu verschließen. Der Rest der Technik ist deutlich näher an einem modernen Bluetooth-Kopfhörer, als das Design zunächst vermuten lässt.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } Akt. 12.08.2026, 19:59, 12.08.2026, 18:52
Weitere Storys