Beinahe jeden Samstag wird die Wiener Innenstadt von Impf- und Maßnahmengegnern lahm gelegt. Dabei sind es großteils nicht einmal Wiener, die Polizei, Passanten und Anrainer auf Trab halten. Ein nicht unbeträchtlicher Teil reist aus den Bundesländern an.
Am 20. November 2021 sollte es zu einer der größten Kundgebungen der vergangenen Zeit kommen. Aus allen Ecken der Republik und vor allem aus dem rechtsextremen Spektrum rief man nach Wien, die FPÖ kündigte eine Mega-Demo am Heldenplatz an. Im weiteren Verlauf kam es auch zu den befürchteten Ausschreitungen, Polizisten wurden verletzt, zahlreiche Teilnehmer festgenommen.
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Ein 38-jähriger Steirer bekam von alldem nichts mehr mit. Er lief am Heldenplatz gegen eine Laterne, die Rettung musste anrücken. Was danach passierte, wurde nun in einem Prozess am Wiener Landesgericht aufgerollt.
Der Angeklagte berichtete laut "APA", er habe sich die Demo angeschaut. Mit dieser lief er ein Stück mit, als er sich plötzlich mit einer acht Zentimeter langen und stark blutende Wunde am Kopf wiederfand. "Wöl i gegen a Latern glafn bin", gab er der Richterin gegenüber an.
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Sie tat sich mit dem Dialekt schwer und bat den Steirer vergeblich darum, laut und deutlich zu sprechen. Verblüfft fragte sie nach, wie man einfach so gegen eine Laterne laufen könne. "Keine Ahnung. I hob mi umdraht", so der 38-Jährige.
Jedenfalls musste die Wiener Berufsrettung anrücken und den Demo-Teilnehmer ins Wiener AKH bringen. Bei der Aufnahme wurde gemäß Protokoll ein Antigen-Schnelltest durchgeführt, dessen Ergebnis positiv war. Ein Krankenpfleger sagte aus, dass der Steirer daraufhin rabiat wurde und das Testergebnis anzweifelte.
Schon die Rettungssanitäter hätten ihm berichtet, dass der Mann äußerst "aggressiv und unkooperativ" sei, sich dauernd die Maske runterreiße und im Krankenwagen keinen Test machen wollte. Jene Maske spielte auch im weiteren Verlauf eine tragende Rolle.
Bei dieser soll es sich um eine "komplett dreckige, zerfetzte, abgenudelte Maske" gehandelt haben. In einem Raum mit rund 15 weiteren Patienten soll er daraufhin Fusseln seiner FFP2-Maske rumgespuckt haben. "30 Zentimeter hinter ihm sind ein Vater, eine Mutter und ihr Kind gesessen, drei bis vier Jahre alt", so der Pfleger.
Naturgemäß anders sieht das der Angeklagte, wie die "APA" berichtet. Er habe niemanden angespuckt, der Pfleger sei ihm gegenüber von Anfang an feindselig gewesen. Er sieht sich als Opfer: Nach dem positiven Test wurde er in einen Raum geschoben und sei "bis um Zehne aufd Nocht im Dunkln glegn".
Im Anschluss wurde die Verhandlung auf 17. Februar vertagt, um weitere Beweise aufzunehmen und Bedienstete des AKHs als Zeugen einzuvernehmen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Dem Mann drohen wegen der vorsätzlichen Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten (§ 178 StGB) bis zu drei Jahre Haft.