IT-Experte warnt alle:

"Da kommt noch ordentlich etwas auf uns zu!"

Eine massive PHP-Sicherheitslücke sorgt weltweit für Alarm. Trotz eines Updates warnt ein österreichischer IT-Experte vor weiteren Hackerangriffen.
28.10.2026, 13:51
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Ein Sicherheitsupdate ist verfügbar, doch die Gefahr könnte noch lange nicht gebannt sein. Nach der Entdeckung einer schwerwiegenden Sicherheitslücke in PHP schlägt der österreichische IT-Unternehmer Markus Roth in der "Kleinen Zeitung" Alarm. Er befürchtet, dass die Folgen der Schwachstellen erst in den kommenden Wochen und Monaten in vollem Ausmaß sichtbar werden.

Besonders brisant: Künstliche Intelligenz hilft nicht nur dabei, Sicherheitsprobleme aufzuspüren. Auch Cyberkriminelle setzen die Technologie ein, um Angriffe durchzuführen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Mehr als 500 Millionen Webseiten betroffen

Die Programmiersprache PHP bildet weltweit die Grundlage für mehr als eine halbe Milliarde Webseiten. Entsprechend groß ist die Sorge nach der Entdeckung der Sicherheitslücken.

Zwar wurde bereits in der vergangenen Woche ein Sicherheitsupdate veröffentlicht. Für Markus Roth, IT-Unternehmer und Obmann der Bundessparte Information und Consulting, ist das allerdings noch lange keine Entwarnung.

Im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" erklärt die Gefahr mit einem anschaulichen Vergleich: "Die Tür mag geschlossen worden sein, aber ob der Einbrecher bereits im Haus oder das Badezimmerfenster geöffnet ist, weiß man eben nicht."

Genau das sei derzeit die entscheidende Frage. Denn selbst wenn eine bekannte Schwachstelle behoben wurde, könnten Angreifer bereits zuvor in Systeme eingedrungen sein. Ob die Sicherheitsprobleme weiterhin ausgenützt werden, werde sich laut Roth erst mit der Zeit zeigen. Vor allem die Haltung "Lücke geschlossen, Gefahr vorbei" hält er für gefährlich.

Hackerangriffe auf Unternehmen und Behörden

Zusätzliche Sorgen bereiten Berichte über bereits erfolgte Cyberattacken. Laut Roth gibt es Hinweise darauf, dass eine größere koreanische Hackergruppe Angriffe auf Anbieter von Webhosting-Diensten durchführt. Auch Regierungsbehörden sollen bereits erfolgreich attackiert worden sein.

Welche Folgen diese Angriffe haben, ist derzeit noch nicht vollständig absehbar. "Wie sich das alles noch auswirkt, wird man erst sehen", sagt Roth in der "Kleinen Zeitung". Nun seien vor allem IT-Forensiker gefragt. Sie untersuchen betroffene Systeme darauf, ob Dateien manipuliert oder sogenannte Backdoors eingerichtet wurden.

Dabei handelt es sich um versteckte Zugänge, über die Angreifer auch später noch auf ein System zugreifen könnten: "Das müssen wir jetzt herausfinden."

Experte rät zu professioneller Überprüfung

Roth appelliert in der Tageszeitung deshalb an Unternehmen, sich nicht allein auf die Installation eines Updates zu verlassen: "Auch wenn man meint, dass das Problem nun ohnehin gefixt ist, sollte man das eigene System professionell überprüfen lassen, ob es nicht doch noch Schwachstellen und damit Angriffsflächen gibt."

Die Nachfrage nach entsprechenden Sicherheitsprüfungen sei in Österreich bereits stark gestiegen. Spezialisierte Fachleute seien derzeit besonders gefragt. "Forensiker gibt es nicht so viele, die sind derzeit alle im Einsatz."

Manche Webseiten weiterhin offline

Besonders schwierig ist die Situation für Betreiber älterer Webseiten. Einige Internetauftritte, die noch auf veralteten PHP-Versionen laufen, sind laut Roth weiterhin nicht erreichbar.

Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: Immer mehr Anwendungen werden mithilfe Künstlicher Intelligenz programmiert. Dadurch könnten selbst die Betreiber Schwierigkeiten haben, den erzeugten Programmcode vollständig zu überprüfen.

"Diese Risikoabschätzung und die Abwägung muss derzeit jedes Unternehmen für sich machen, in größeren Betrieben mit eigenen IT-Abteilungen ist das weniger ein Problem, aber kleinere Unternehmen stehen schon vor Herausforderungen", erklärt Roth in der "Kleinen Zeitung".

Gerade kleinere Betriebe könnten damit vor einer schwierigen Entscheidung stehen: Die Webseite wieder online stellen oder zunächst weitere Sicherheitsprüfungen durchführen lassen.

"Zögern ist weiter keine Option"

Der IT-Experte fordert Unternehmen auf, möglichst rasch zu handeln und bei Bedarf Unterstützung von außen zu holen. "Zögern ist weiter keine Option: Handlungsdruck bleibt unverändert hoch. Man sollte auch nicht zu stolz sein, um sich extern professionelle Hilfe für einen Check der eigenen Systeme zu holen", so Roth zur "Kleinen Zeitung".

Die kommenden Wochen seien besonders wichtig, um mögliche Schäden zu erkennen und weitere Angriffe zu verhindern.

KI verändert die Bedrohung im Internet

Die aktuelle Sicherheitslücke zeigt nach Einschätzung Roths ein grundsätzliches Problem. Künstliche Intelligenz macht es möglich, Schwachstellen in Programmen wesentlich schneller aufzuspüren. Gleichzeitig können Hacker diese Erkenntnisse für automatisierte Angriffe verwenden.

Die Cybersicherheit habe sich laut Roth dadurch "radikal verändert, Sicherheitslücken werden automatisiert aufgedeckt und auch automatisiert angegriffen, diese Risiken werden in Zukunft noch viel stärker zum Tragen kommen".

Für Unternehmen bedeute das, dass bisherige Schutzmaßnahmen womöglich nicht mehr ausreichen. "Wir unterschätzen vollkommen, wie viele Sicherheitsmaßnahmen wir jetzt setzen müssen, um zumindest das gleiche Maß an Sicherheit zu erlangen, das wir vor einem Jahr noch hatten – und da war es zum Teil schon nicht adäquat", sagt Roth zur "Kleinen Zeitung".

Auch kleinere Unternehmen sollten sich deshalb nicht darauf verlassen, für Cyberkriminelle uninteressant zu sein. Das Argument "ich bin zu klein und zu uninteressant, um angegriffen zu werden" gelte laut Roth nicht mehr.

Seine Warnung fällt in der Tageszeitung entsprechend deutlich aus! Der IT-Unternehmer sieht "nur den Beginn eines Tsunamis, aber sicher nicht das Ende, da kommt noch ordentlich etwas auf uns zu".

wil, 28.10.2026, 13:51