Vivo bringt mit dem X500 Pro und dem X500 Pro Max zwei neue Smartphone-Flaggschiffe, die sich erneut an die Spitze der Kamera-Wertungen setzen wollen. Neu ist dieses Mal, dass beide Modelle wenig Unterschiede aufweisen, gerade einmal Größe, Akku und einer der Kamera-Sensoren unterscheiden sich. Beide Pros verbinden leistungsfähige Sensoren mit dem neuen MediaTek Dimensity 9600 Pro und dem auf Android 17 basierenden OriginOS 7. Die neue Serie richtet sich einmal mehr an jene Nutzer, die mobile Fotografie ausreizen wollen. Wer dagegen sein Smartphone lediglich für Nachrichten, Social Media und Telefonate nutzt, wird von den brachialen Möglichkeiten und von der Preisgestaltung schlicht erschlagen.
Während der Hersteller die Serie im September in China enthüllte, steht nun der europäische Marktstart an. Wie auch beim kürzlich gestarteten Oppo Find X10 Pro Max gibt es bei den Vivo-Smartphones Aktionen zum Start, einerseits in Form von Rabatten über mehrere Hundert Euro, andererseits über "Gratiszugaben" von weiteren Vivo-Geräten. Kostspielig bleibt es dennoch. Wer kürzlich den Oppo-Launch verfolgt hat, wird von den Preisen nicht überrascht sein: Das Vivo X500 Pro startet bei 1.399 Euro, das Vivo X500 Pro Max bei 1.599 Euro (mit je 256 GB). Beim Pro Max sind Varianten mit 512 GB (1.799 Euro) und 1 TB (2.199 Euro) verfügbar. Wer sich 200- und 400-mm-Tellekonverter und Kameragriff drauflegt, zahlt fast 1.000 Euro mehr.
Sofort fallen die unterschiedlichen Ansätze der beiden Geschwister auf. Das X500 Pro liegt mit seinem 6,36 Zoll großen Bildschirm kompakter und ergonomischer in der Hand – eine Wohltat für alle, die ihr Smartphone gerne einhändig bedienen. Das X500 Pro Max hingegen spannt den Bogen auf wuchtige 6,85 Zoll und bietet damit eine gigantische Arbeitsfläche für Multitasking und Medienkonsum. Im Alltag überzeugten mich beide AMOLED-Panels auf ganzer Linie: satte Farben, exzellente Blickwinkelstabilität und eine dynamische Bildwiederholrate von bis zu 144 Hertz, die beim schnellen Scrollen für flüssige Animationen sorgt. Das Pro Max löst mit feinen 3.168 x 1.440 Pixeln auf, was sich bei der Foto- und Videodarstellung bezahlt macht.
Die von Vivo ausgelobte Spitzenhelligkeit von bis zu 4.500 Nits liest sich auf dem Datenblatt spektakulär; im grellen herbstlichen Sonnenlicht zeigte sich im Test jedoch, dass die dauerhaft abrufbare Helligkeit im Alltag naturgemäß niedriger ausfällt, die Ablesbarkeit aber jederzeit vorbildlich bleibt. Praktisch erwies sich im Testalltag die Funktion Origin Workbench auf dem großen Pro Max. Bis zu fünf Apps lassen sich im geteilten Bildschirm oder in flexiblen Fenstern verwalten. Wer wie ich parallel Notizen tippt, Fotos sichtet und Informationen recherchiert, lernt diese Arbeitsfläche schnell schätzen. Generell fällt das auf dem neuesten Android 17 basierende OriginOS 7 mit zahlreichen schlauen Helferlein und Abkürzungen positiv auf.
Unter der Haube der Hauptkamera setzen beide Pro-Modelle auf denselben Highend-Sensor: den Sony LYTIA L910 im 1/1,28-Zoll-Format, gepaart mit einer lichtstarken Blende von f/1,57. Im Praxistest zeigte sich, dass diese Kombination bei schwierigen Lichtverhältnissen exzellente Resultate liefert. Angetan hat mir die integrierte LOFIC-Technologie des Sensors. Sie greift dann ein, wenn Motive extrem kontrastreich sind – etwa bei einem hellen, wolkenlosen Himmel im Hintergrund und einer Person im tiefen Schatten im Vordergrund. Ohne diesen Kniff brennen helle Bereiche unbarmherzig aus oder Gesichter verschwinden in Dunkelheit. Im Praxistest hielt der Sensor die Balance erstaunlich stabil, ohne künstlich HDR-überladen zu wirken.
Wer ambitionierte Videoprojekte startet, kann zudem auf den TrueDynamic-Log-Modus zurückgreifen, der einen enormen Dynamikumfang von bis zu 17 EV verspricht. Für den schnellen Instagram-Clip ist das Overkill, doch in der Nachbearbeitung gewinne ich wertvolle Spielräume bei Kontrasten und Farbgradierungen. Das Pro Max legt in puncto Stabilisierung noch eine Schippe drauf: Eine Gimbal-ähnliche Aufhängung der Hauptkamera gleicht physische Bewegungen um bis zu drei Grad aus. Bei freihändigem Schwenken durch den herbstlichen Park blieben die Aufnahmen butterweich – fast so, wie es mit einem externen mechanischen Gimbal wäre. Auch bei abendlichen Dämmerungsaufnahmen hilft diese Mechanik enorm.
Der gravierendste fotografische Unterschied zwischen den beiden Geschwistern liegt im Bereich der Teleoptik. Das X500 Pro Max fährt einen 200-Megapixel-Sensor mit 1/1,4 Zoll Größe und einer äquivalenten 85-Millimeter-Brennweite auf (3,5-fache optische Vergrößerung), zertifiziert nach CIPA 7.0 für professionelle Stabilisierung. Das X500 Pro greift zu einem 64-Megapixel-Sensor mit optischer Bildstabilisierung. In der Praxis liefert das Pro Max bei Porträts und Architekturaufnahmen faszinierende Resultate. Die 85-Millimeter-Brennweite trennt das Motiv wunderbar vom Hintergrund und erzeugt einen natürlichen, fast klassischen Kamera-Look, der weit entfernt von den typischen, digital aufgeblähten Smartphone-Porträts ist.
Die Detailauflösung des 200-Megapixel-Sensors bietet zudem reichlich Reserven, um nachträglich einen engeren Bildausschnitt zu wählen, ohne sofort an Schärfe zu verlieren. Das kleinere X500 Pro schlägt sich im Alltag ebenfalls wacker, muss sich bei extremen Details und starkem Zoom jedoch dem großen Bruder geschlagen geben. Aber: Für sich genommen schlägt das Pro dennoch in Sachen Kameraqualität einen Großteil der aktuellen Smartphone-Flaggschiffe locker und kann in geringeren Zoom-Stufen auch problemlos mit dem großen Max-Modell mithalten. Die Bildstrecken oben und unten zeigen Aufnahmen mit dem Pro und dem Pro Max in verschiedenen Licht- und Tele-Situationen.
Das absolute Highlight des Testpakets war für mich das Photographer Kit (Unpacking im Video unten), bestehend aus einer robusten Spezialhülle, einem ergonomisch geformten Kamera-Handgriff und zwei echten optischen Telekonvertern. Hier verlässt Vivo den klassischen Smartphone-Pfad und nähert sich der Welt klassischer Systemkameras an. Der 200-Millimeter-Aufsatz: Er ist kompakt genug, um ihn auf Reisen unauffällig einzupacken. Er liefert eine saubere, verlustfreie Reichweite für entfernte Details, ohne das Smartphone in ein unhandliches Monster zu verwandeln. Der 400-Millimeter-Telekonverter: Wird es extremer, kommt dieser Aufsatz mit einer Länge von 116 Millimetern und einem Gewicht von 248 Gramm ins Spiel.
Im Praxistest bei Tier- und Landschaftsbeobachtungen zeigte sich das gewaltige Potenzial: Motive, die mit normalen Handys nur als winziger Fleck zu erahnen sind, rücken formatfüllend und gestochen scharf ins Bild. Aber Achtung bei der Handhabung: Je länger die Brennweite, desto unbarmherziger machen sich winzige Handbewegungen bemerkbar. Ohne eine stabile Auflage oder ein leichtes Stativ wird es bei 400 Millimetern schwer, den Bildausschnitt exakt zu halten. Die optischen Konverter sind eben kein digitaler Spieltrieb, sondern verlangen nach fotografischer Disziplin – belohnen den Anwender dafür aber mit echten Details, die man im Smartphone-Sektor sonst vergeblich sucht. Den Preis treiben sie natürlich weiter nach oben.
Das Pro Max zeichnet dank starker Hardware 4K-Videos mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde auf. Wer fließende, detailreiche Zeitlupen von Sport- oder Wasserszenen liefern will, bekommt hier ein mächtiges Werkzeug an die Hand. Der Autofokus hielt in meinem Test auch bei schnellen Richtungswechseln stets zuverlässig mit, während die Log-Profile für die spätere Farbkorrektur am PC professionellen Ansprüchen genügen. Im Inneren taktet der im modernen 2-Nanometer-Verfahren gefertigte MediaTek Dimensity 9600 Pro, flankiert von in der Testversion 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 256 GB Speicher beim Pro und 1 Terabyte Speicher beim Pro Max. In der China-Version sind sogar bis zu 16 GB Arbeitsspeicher drin.
Im normalen Systembetrieb, beim flüssigen Multitasking und schnellen App-Wechsel rennt das Smartphone absolut problemlos. In meinem simulierten Grafik-Stresstest zeigte sich eine kleine Schwäche: Unter permanenter, stundenlanger Volllast drosselte das System seine Leistung auf rund 60 Prozent herunter, um die Abwärme im Griff zu behalten. Wer grafisch anspruchsvolle 3D-Games über Stunden zockt, sollte diesen thermischen Dämpfer einkalkulieren. Dennoch: Selbst anspruchsvollste Spiele auf höchsten Grafikeinstellungen laufen auf beiden Modellen problemlos, der Rest sowieso. Auch beim Akku gibt es indes eine Einschränkung im Vergleich zu den asiatischen Versionen mit angepassten Kapazitäten.
Das Vivo X500 Pro verfügt über einen 5.300 Milliamperestunden (mAh) starken Akku, das Vivo X500 Pro Max kommt mit einem 6.750 mAh großen Energiespeicher. Trotz des doch deutlichen Abzugs gegenüber den chinesischen Datenblättern liefert das Pro Max im Testalltag exzellente Laufzeiten. Bei gemischter Nutzung aus Messaging, Surfen und moderatem Fotoeinsatz kam ich problemlos durch zwei volle Tage. Aufgeladen wird kabelgebunden mit bis zu 90 Watt und kabellos mit 40 Watt. Der Haken an der Ausdauer: Mit knapp 229 Gramm ist das Pro Max ein echtes Schwergewicht, das man in der Tasche spürt. Das X500 Pro ist hier deutlich leichter und handlicher, bietet genauso schnelle Ladung und kommt auf eineinhalb Tage in der Nutzung.
Als Betriebssystem kommt auf beiden Geräten OriginOS 7 auf Basis von Android 17 zum Einsatz. Vivo hat die Benutzeroberfläche optisch stark entschlackt und setzt auf butterweiche Animationen sowie ein hohes Maß an individuellen Anpassungsmöglichkeiten. Im redaktionellen Alltag erwies sich vor allem die bereits erwähnte Origin Workbench als echter Produktivitätsgewinn. Ergänzt wird das System durch smarte Werkzeuge wie Snap & Go zur Texterkennung in Screenshots oder einen KI-Recorder, der Sprachmemos in Sekundenschnelle transkribiert und zusammenfasst. Auch bei den Updates gibt es mittlerweile lange Zeiträume, Vivo bietet mindestens fünf große Android-Updates und sieben Jahre Sicherheitspatches.
Das Vivo X500 Pro und das Vivo X500 Pro Max markieren im Testfeld keinen gewöhnlichen Generationswechsel, sondern eine Machtdemonstration im Bereich der mobilen Fotografie. Die Abbildungsleistung, die beide Modelle dank der 50-Megapixel-Hauptkamera mit Sony-LYTIA-Sensor und innovativer LOFIC-Technologie auf den Schirm zaubern, setzt echte Maßstäbe. Ganz gleich ob knackige Gegenlichtaufnahmen, schwierige Dynamiksituationen in der Dämmerung oder filmisch abgestimmte 4K-Cinematic-Videos: Die Detailzeichnung, der Dynamikumfang und die natürlichen Farbverläufe gehören zum Besten, was man aktuell in ein Gehäuse dieser Klasse verbauen kann.
Dass bereits das kleinere Pro-Modell ohne Kompromisse bei der Hauptkamera auskommt, macht es zur idealen Wahl für all jene, die Spitzenqualität im handlichen 6,36-Zoll-Format suchen. Wer allerdings das absolute Maximum aus mobiler Optik herausholen will, greift unvermeidbar zum X500 Pro Max. Die 200-Megapixel-Telekamera mit 85 Millimetern äquivalenter Brennweite ist eine Klasse für sich und liefert Porträts mit einer natürlichen optischen Tiefenschärfe, die man sonst nur von dezidierten Kamerasystemen kennt. Setzt man dann noch das optionale Photographer Kit ein, schrumpft der Abstand zur Profi-Ausrüstung zusammen. Die Telekonverter verwandeln das Smartphone in ein vollwertiges Foto-System.
Das Einsetzen von Telekonvertern erfordert zwar viel Geld, Disziplin bei der Kameraführung und gelegentlich ein Stativ, belohnt den Einsatz aber mit Fotos, die digitaler Zoom schlicht nicht reproduzieren kann. Unter dem Strich sind beide Geräte kompromisslose Spezialisten: Das X500 Pro überzeugt als extrem starkes Foto-Flaggschiff für den Alltag, während das X500 Pro Max inklusive Zubehör die Grenzen dessen verschiebt, was unterwegs optisch machbar ist. Sofern Vivo beim langfristigen Update-Versprechen Wort hält und das notwendige Geld für die sehr teure Anschaffung vorhanden ist, führt für ambitionierte Smartphone-Fotografen an dieser Serie derzeit kaum ein Weg vorbei.