Mit dem neuen Flaggschiff X300 Ultra versucht Vivo einen Spagat, der selten gelingt. Einerseits soll das Gerät im Alltag funktionieren wie jedes andere Top-Smartphone. Andererseits will es Fotografen ansprechen, die sonst eher zur Systemkamera greifen würden. Der Fokus ist eindeutig gesetzt: Die Kamera steht im Mittelpunkt, alles andere ordnet sich diesem Ziel unter. Schön für Fans in Österreich: Erstmals startet die Ultra-Serie eines X-Smartphones auch hierzulande und muss nicht selbst importiert werden. Schon beim ersten Eindruck wird klar, dass hier etwas anders ist. Das Vivo X300 Ultra wirkt nicht wie ein gewöhnliches Smartphone. Es ist groß, es ist schwer, und vor allem: Die Kamera auf der Rückseite dominiert das Design.
Der massive Kamerablock lässt keinen Zweifel daran, worum es hier geht. Getestet wurde die Variante mit 16 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 1 Terabyte internem Speicher. Der Preis liegt bei 1.999 Euro. Es gibt auch etwas günstigere Versionen mit 12 GB Arbeitsspeicher und 256 oder 512 GB internem Speicher. Dazu kommen optionales Zubehör wie der Telephoto Extender Gen 2 Ultra für einen massiven Zoom, das Imaging Grip Kit, das das Smartphone in Sachen Bedienung einen Fotoapparat verwandelt, und das SmallRig Pro Video Rig Kit für alle, die sich in Sachen Video nur mit dem Besten zufrieden geben wollen. Diese Extras kosten auch extra, zeigen jedoch bereits, dass Vivo nicht nur an klassische Smartphone-Nutzer denkt.
Das Smartphone gibt es wahlweise in zwei Farben: Grün und Grau. Das Display misst exakt 6,82 Zoll und setzt auf ein LTPO-AMOLED-Panel. Die Auflösung liegt bei 3.168 x 1.440 Pixeln. Das ergibt eine sehr hohe Pixeldichte, wodurch Inhalte gestochen scharf wirken. Die Bildwiederholrate passt sich dynamisch zwischen 1 und 144 Hertz an. Im Alltag fällt vor allem die Helligkeit auf. Inhalte bleiben auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar. Farben wirken kräftig, aber nicht übertrieben. Wer viele Fotos bearbeitet oder Videos ansieht, bekommt hier eine solide Grundlage. Das Gerät unterstützt HDR10+ und Dolby Vision. Das merkt man vor allem bei Streaming-Inhalten. Schwarztöne sind tief, Kontraste stark, das Bild bleibt natürlich.
Der Kamerablock dominiert die Rückseite deutlich, das Gewicht von 232 Gramm ist spürbar, und die Bauweise wirkt robust und kompromisslos. Metall und Glas sorgen für Wertigkeit bei Rahmen und Gehäuse. Mit einer Dicke von rund 8,2 Millimetern ohne Kamerabereich ist es zwar nicht ungewöhnlich dünn, aber klar auf Technik statt Leichtigkeit ausgelegt. Zusätzlich ist das Gerät nach IP69 geschützt, also auch gegen Staub und Wasser besonders widerstandsfähig. Im Inneren arbeitet der Snapdragon 8 Gen 5. Das ist aktuell der wohl stärkste Chip im Android-Bereich. Unterstützt wird er von bis zu 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Im Test zeigt sich: Leistung ist kein Thema. Apps starten sofort, Multitasking läuft flüssig, auch Spiele sind kein Problem.
Selbst bei längerer Nutzung bleibt die Performance stabil. Das ist wichtig, denn gerade bei Foto- und Videoaufnahmen wird viel Rechenleistung benötigt. Der interne Speicher von bis zu 1 Terabyte bietet genug Platz für große Datenmengen. Gerade bei hochauflösenden Fotos und Videos ist das kein Luxus, sondern notwendig. Der Akku misst 6.600 mAh und gehört damit zu den größeren in dieser Geräteklasse. Im Test reicht das problemlos für einen intensiven Nutzungstag, oft auch darüber hinaus. Geladen wird mit bis zu 100 Watt kabelgebunden, was sehr kurze Ladezeiten ermöglicht. Kabellos sind bis zu 40 Watt möglich. Gerade für Nutzer, die viel fotografieren oder filmen, ist das im Alltag ein wichtiger Vorteil, da das Laden schnell geht.
Beim Vivo X300 Ultra wird klar, dass alles auf eines rausläuft: Fotografie auf höchstem Niveau im Smartphone-Format. Während andere Hersteller ihre Geräte vielseitig ausrichten, zieht Vivo die Kamera in den Mittelpunkt. Das Kamerasystem besteht aus drei hochauflösenden Sensoren. Die Hauptkamera arbeitet mit 200 Megapixeln und einem 1/1.12-Zoll-Sensor. Dazu kommt eine 200-Megapixel-Telekamera im Periskop-Design mit einer optischen Vergrößerung von rund 3,7-fach. Ergänzt wird das Setup durch eine 50-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera. Diese Kombination ist ungewöhnlich, weil Vivo nicht nur auf viele unterschiedliche Brennweiten setzt, sondern auch auf extrem hohe Qualität in jeder einzelnen Kameraeinheit.
Die Kooperation mit Zeiss zieht sich dabei durch Optik, Farbprofil und Bildverarbeitung und sorgt für einen klar erkennbaren, eher natürlichen Bildstil. Im Alltag zeigt sich schnell, dass das X300 Ultra nicht hauptsächlich auf künstliche Effekte setzt. Bei Tageslicht wirken Bilder sehr klar, aber nicht übertrieben geschärft. Strukturen bleiben erhalten, ohne dass das Bild künstlich wirkt. Besonders auffällig ist die Art, wie das Gerät mit Farben umgeht. Grünflächen bleiben realistisch, Himmel wirken nicht überzeichnet, und Hauttöne werden stabil wiedergegeben. Das Ergebnis ist ein Bildstil, der näher an der Realität bleibt als bei vielen Konkurrenzmodellen. Gerade für Nutzer, die Wert auf authentische Fotografie legen, ist das ein entscheidender Punkt.
Das Smartphone versucht nicht, jedes Bild zu "optimieren", sondern eher korrekt darzustellen. Die 200-MP-Hauptkamera liefert nicht nur große Dateien, sondern vor allem viele Details. Bei guten Lichtbedingungen lassen sich Bildausschnitte stark vergrößern, ohne dass die Qualität sofort einbricht. Im Alltag wird diese hohe Auflösung jedoch meist intern heruntergerechnet, um bessere Ergebnisse bei Dateigröße und Dynamik zu erzielen. Das bedeutet: Die volle Auflösung ist eher ein Werkzeug für spezielle Situationen als der Standardmodus. Besonders stark zeigt sich das Gerät bei der Telefotografie. Die 200-MP-Periskopkamera gehört zu den stärksten Lösungen am Markt und liefert auch bei größerer Entfernung noch klare Ergebnisse.
Details bleiben erhalten, selbst wenn Motive weit entfernt sind. Das macht sich vor allem bei Naturaufnahmen, Architektur oder Sport bemerkbar. Bewegungen werden sauber eingefangen, ohne dass das Bild sofort weich wird. Mit optionalem Zubehör wie dem Telephoto Extender Gen 2 Ultra lässt sich die Reichweite nochmals deutlich erweitern, von einem Zoom-Faktor von 105 hin zu fast 500. Dadurch entstehen Bilder, die weit über das hinausgehen, was klassische Smartphone-Kameras leisten. Die 50-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera liefert durchgehend solide Ergebnisse. Sie ist weniger spektakulär als die Haupt- oder Telekamera, erfüllt aber ihren Zweck zuverlässig. Verzerrungen an den Rändern werden kontrolliert, auch nachts geht was.
Bei wenig Licht zeigt das X300 Ultra eine sehr kontrollierte Herangehensweise. Statt die Szene künstlich stark aufzuhellen, bleibt die Stimmung erhalten. Lichtquellen wie Straßenlaternen werden sauber eingefangen, ohne zu stark zu überstrahlen. Gleichzeitig bleiben dunkle Bereiche nachvollziehbar, ohne komplett zu verschwinden. Das Ergebnis sind Nachtbilder, die glaubwürdig wirken und nicht überbearbeitet erscheinen. Auch bei Videos zeigt sich die starke Hardwarebasis. Das Smartphone kann 8K mit 30 Bildern pro Sekunde sowie 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde drehen. Die Stabilisierung arbeitet effektiv, sorgt dafür, dass Aufnahmen aus der Hand ruhig bleiben. Bewegungen wirken natürlich, ohne übertriebene Glättung.
Besonders positiv fällt die Farbkonsistenz auf. Auch bei wechselnden Lichtverhältnissen bleibt das Bild stabil, ohne starke Sprünge in der Belichtung. Für ambitionierte Nutzer bietet das Gerät umfangreiche manuelle Steuerungsmöglichkeiten, etwa bei Fokus, Belichtung oder Weißabgleich. Ein zentrales Element des Konzepts ist das Zubehör. Mit dem Imaging Grip Kit wird das Smartphone ergonomisch stark verändert. Es liegt dann deutlich mehr wie eine Kamera in der Hand, inklusive zusätzlicher Bedienelemente. Das SmallRig Pro Video Rig Kit erweitert das System nochmals. Damit lassen sich externe Mikrofone, Lichtquellen und weiteres Zubehör integrieren, wodurch das Smartphone in Richtung Pro-Video-Setup wächst.
Diese Erweiterbarkeit zeigt klar, dass Vivo das Gerät nicht nur als Smartphone versteht, sondern als Teil eines modularen Systems. Die Software-Oberfläche von Vivo basiert auf dem neuesten Android 16 und bleibt im Alltag weitgehend unauffällig. Menüs sind klar strukturiert, Einstellungen gut erreichbar, ohne überladen zu wirken. Besonders im Kamerabereich gibt es viele Optionen, die aber nicht zwingend genutzt werden müssen. Die Automatik liefert bereits sehr gute Ergebnisse, während erfahrene Nutzer tiefer eingreifen können. Im Test läuft das System stabil, ohne auffällige Probleme oder Verzögerungen. Updates gibt es laut Vivo für mindestens fünf Jahre beim Betriebssystem und mindestens sieben Jahre bei der Sicherheit.
So stark das X300 Ultra in vielen Bereichen ist, ganz ohne Schwächen kommt es nicht aus. Wobei der einzige Kritikpunkt der recht hohe Preis ist, in der "Vollausbaustufe" bei 2.000 Euro. Die Frontkamera mit 50 Megapixeln liefert solide Ergebnisse, kann aber mit der Qualität der Hauptkameras nicht ganz mithalten. Gerade im direkten Vergleich wirkt sie weniger ausgefeilt, liefert aber noch immer bessere Ergebnisse als die meisten Konkurrenz-Flaggschiffe. Auch Größe und Gewicht bleiben ein Thema. Mit 232 Gramm ist das Gerät deutlich spürbar und nichts für kompakte Hosentaschen. Am Ende bleibt das Bild eines klar positionierten Geräts. Das Vivo X300 Ultra ist kein Allround-Smartphone, sondern ein spezialisiertes Werkzeug.
Die Kamera ist die aktuell stärkste Fotografie- und Video-Lösung am Markt, insbesondere im Telebereich und bei Detailaufnahmen. Auch Video und Nachtfotografie bewegen sich auf sehr hohem Niveau. Gleichzeitig ist das Gerät groß, teuer und klar auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet. Wer einfach nur ein gutes Smartphone sucht, wird hier möglicherweise nicht glücklich. Für ambitionierte Hobby-Fotografen und fortgeschrittene Nutzer hingegen bietet es derzeit eines der spannendsten Gesamtpakete im Smartphone-Bereich – und setzt in der mobilen Fotografie einen sehr klaren Schwerpunkt, der in dieser Form nur selten zu finden ist. Die Fülle an Foto- und Kamera-Funktionen erfordert aber, dass man sich damit beschäftigt.