Smartphone-Test

Vivo X300 Pro im Test – Kamerabestie mit KI-Wunderwaffe

"Heute" hat das neue Vivo X300 Pro im Test: Die herausragende Zeiss-Kamera brilliert mit KI-Szenarien, eine kleine Schwäche gibt es hier beim Akku.
Rene Findenig
30.10.2025, 18:30
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Mit dem Vivo X300 Pro bringt der chinesische Hersteller eines seiner ambitioniertesten Smartphones der letzten Jahre auf den Markt. Nach einer Reihe von soliden, aber oft zu wenig beachteten Premium-Geräten versucht Vivo nun, endgültig im globalen Spitzenfeld Fuß zu fassen. Der Fokus liegt einmal mehr auf dem Thema Fotografie, in enger Zusammenarbeit mit Zeiss – ein Name, der für viele Nutzer für Präzision und optische Qualität steht. Doch kann ein Smartphone, das sich derart selbstbewusst als Kamera-Flaggschiff positioniert, auch in allen anderen Disziplinen überzeugen? Der Test zeigt: Das X300 Pro ist in vielerlei Hinsicht beeindruckend, bei der Kamera sogar ein Thronanwärter, aber nicht frei von Kompromissen.

Schon beim ersten Anblick wird klar, dass Vivo beim Design des X300 Pro viel Wert auf Wiedererkennung gelegt hat. Der massive, runde Kameraring auf der Rückseite ist geblieben, der hat schon den Vorgänger optisch beeindruckend gemacht. Umrahmt von einem feinen Metallrand und gekrönt vom Zeiss-Logo, schreit das Smartphone förmlich danach, für die Fotografie gemacht zu sein. Das Gerät wirkt hochwertig, robust und zugleich minimalistisch-modern. Die matten Glasflächen verhindern Fingerabdrücke weitgehend, der Aluminiumrahmen liegt stabil und griffig in der Hand. Allerdings ist das X300 Pro kein Leichtgewicht. Mit über 220 Gramm zählt es zu den schwereren Geräten seiner Klasse, ohne dabei aber klobig zu wirken.

In Österreich muss man zur kleineren Akkuversion greifen

Das Gewicht liegt nicht nur am großen Akku, sondern auch an der massiven Kameraeinheit. Apropos Akku: Während die globale Version einen rund 6.500 Milliamperestunden (mAh) starken Akku bietet, gibt es in Österreich wegen EU-Transportregelungen ein Modell mit "nur" 5.440 mAh. Das bedeutet etwas weniger Gewicht, aber auch etwas kürzere Laufzeiten. Doch dazu später mehr, weiter beim Optischen und Haptischen: Das Gerät vermittelt eine angenehme Solidität. Im direkten Vergleich mit früheren Vivo-Modellen fällt auf, dass der Hersteller sein Design konsequent weiterentwickelt hat. Der flachere Rahmen, die sanfter abgerundeten Ecken und das harmonischere Verhältnis von Bildschirm zu Gehäusefläche zeigen schlichten Luxus.

Das Display des Vivo X300 Pro gehört zu den auffälligsten Stärken des Geräts. Es handelt sich um ein 6,78 Zoll großes LTPO-AMOLED-Panel mit einer Auflösung von 2.800 x 1.260 Pixeln. Damit erreicht das Smartphone eine beeindruckende Schärfe, ohne sich in übertriebenen 4K-Zahlen zu verlieren. Entscheidend ist vielmehr die Gesamtqualität – und die überzeugt auf ganzer Linie. Die Darstellung ist brillant, kontrastreich und zugleich angenehm natürlich. Farben wirken lebendig, aber nicht übersättigt, die Helligkeit ist mit 4.500 Nits in der kurzzeitigen Spitze hervorragend. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt das Display ablesbar. Vivo hat es geschafft, die adaptive Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz absolut natürlich zu integrieren.

Tolles Display, starker Prozessor, viel Speicher

Durch den Wechsel der Bildwiederholrate je nach Displayinhalt spart das Gerät Energie, ohne auf flüssige Bewegungen zu verzichten. Auch beim Thema Blickwinkelstabilität und Schwarzwert kann das X300 Pro mit den Besten mithalten. Die OLED-Technologie sorgt für echtes Schwarz, und die Übergänge zwischen Hell und Dunkel wirken sehr harmonisch. Wer Filme oder Serien auf dem Smartphone konsumiert, wird mit einer beeindruckend plastischen Darstellung belohnt. Kritik gibt es lediglich am Sound. Zwar verfügt das Gerät über Stereo-Lautsprecher, doch im Vergleich zu Audio-Spezialisten wie Apple oder Samsung fehlt dem Klang etwas die räumliche Tiefe. Für den Alltag und Streaming reicht der Ton jedoch völlig aus.

Im Inneren des Vivo X300 Pro arbeitet der MediaTek Dimensity 9500 – ein moderner Chip, gefertigt im 3-Nanometer-Verfahren. Er bietet genug Leistung, um in allen gängigen Benchmarks an der Spitze mitzuhalten. In Kombination mit 16 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, einem 16 GB RAM-Boost (nutzt einen Teil des internen Speichers zur Beschleunigung) und 512 GB internem Speicher liefert das Gerät durchgehend hohe Performancewerte. Apps starten rasch, Multitasking gelingt reibungslos, und auch grafikintensive Spiele laufen ohne sichtbare Einbrüche. Im Alltag zeigt sich die Architektur des Chips als gelungen: Der Energieverbrauch bleibt im Normalbetrieb erstaunlich gering, was sich positiv auf die Laufzeit auswirkt.

An Bord ist direkt in der Kamera auch KI, und nicht erst bei der Nachbearbeitung. Die macht etwa aus diesem Bild mit 2 x Zoom ...
Rene Findenig
... aus der Herbst- eine Winterlandschaft. Die Ergebnisse sind meist extrem beeindruckend und realitätsnah.
Rene Findenig

Hilfreiche neue Benutzeroberfläche setzt auf Übersichtlichkeit

Dennoch treten bei längerer Volllast – etwa bei aufwendiger Videobearbeitung oder stundenlangem Gaming – leichte Erwärmungen auf. Diese thermischen Effekte bleiben zwar im Rahmen, zeigen aber, dass Vivo beim Kühlkonzept noch Luft nach oben hat. Besser als viele Konkurrenten ist die Kühlung aber allemal. Die Softwarebasis bildet das neue OriginOS 6, das auf Android 16 aufsetzt. Vivo hat seine neue Benutzeroberfläche vom verspielten Funtouch zu einem mächtigen Origin beeindruckend vollzogen. Animationen laufen flüssig, die Bedienlogik wirkt schlüssiger als früher, und die Integration der Zeiss-Kamerafunktionen in die Systemapps gelingt elegant. Zudem gibt es zahlreiche Helferlein, die die Nutzung zu einem Genuss machen.

Erinnert wird man stark vor allem an Samsung: Optional lässt sich eine kleine Benachrichtigungsinsel um die Frontkamera legen, die etwa einen Timer ablaufen lässt oder Mail-Eingänge anzeigt. Zudem kann eine schwebende Seitenleiste eingezogen werden, die Schnellzugriff auf favorisierte Apps gibt. Das sind nur zwei der Dutzenden Beispiele, wie das Gerät bei der Produktivität helfen will. Helfen will nämlich deswegen, weil Vivo den Nutzern die Funktionen nicht aufdrängt, sondern sie selbst entscheiden lässt, welche sie aktivieren wollen und welche ausgeschaltet bleiben sollen. So viel Freiheit kannte man von bisherigen OS-Versionen nicht. Updates gibt es für fünf (OS) beziehungsweise sieben Jahre (Sicherheit).

Vivo X300 Pro misst sich direkt mit Googles Foto-Kaiser

Das Herzstück des Vivo X300 Pro ist ohne Zweifel seine Kamera, die sich mit Googles Foto-Wunder Pixel 10 Pro misst. Vivo hat in Zusammenarbeit mit Zeiss ein Dreifach-System entwickelt, das zu den derzeit stärksten Lösungen am Markt zählt. Die Hauptkamera basiert auf dem neuen Sony LYT-828-Sensor mit einer Auflösung von 50 Megapixeln. Der Sensor ist groß, lichtstark und arbeitet mit einer optischen Bildstabilisierung auf Gimbal-Basis. Schon bei Tageslicht überzeugt die Kamera durch exzellente Detailtreue, saubere Farbabstufungen und eine natürliche Dynamik. Das Zeiss-Tuning sorgt für neutrale, realistische Farben, die weder künstlich wirken noch ins Kühle kippen. Ein Genuss sind Vivo-gewohnt stabile Videodrehs.

Daneben befindet sich eine 50-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera, die ebenfalls qualitativ überzeugt. Die Verzerrungen am Bildrand sind gering, und die Farbabstimmung bleibt erstaunlich konstant zwischen Haupt- und Zweitkamera. Das Highlight ist jedoch das neue Teleobjektiv mit periskopischer Konstruktion und einer nominellen Auflösung von 200 Megapixeln. Es erlaubt verlustarme Zooms bis zu einer Vergrößerung, die man bisher fast nur von professionellen Kameras kannte. Im Test beeindruckt das Telemodul durch eine außergewöhnliche Schärfe und Stabilität bei bis zu 20facher Vergrößerung (maximal 100). Selbst Aufnahmen aus großer Entfernung behalten ihre Detailtiefe, die Qualität beeindruckt.

Fantastische Kamera mit kreativen Bildvorschlägen

Der optische Zoom arbeitet fein abgestuft und ermöglicht präzise Übergänge zwischen Brennweiten. Bei Nacht überzeugt das Zusammenspiel der Sensoren durch sauberes Rauschverhalten und eine effektive Lichtausbeute. Die Software-Nachbearbeitung greift manchmal stärker ein als nötig, was Puristen stören könnte, aber abgedreht werden kann. Schon ohne Künstliche Intelligenz (KI) zählt Kamerasystem des X300 Pro zu den besten, die aktuell in einem Smartphone zu finden sind. Wirklich herausragend macht das Vivo-Modell dann die KI. Von Objekterkennung über Zoom-Nachschärfung und -Glättung ist alles an Bord, was Flaggschiffe derzeit zu bieten haben, das X300 Pro geht aber mehrere Schritte weiter.

Praktisch für Nutzer ist, dass KI extrem stark bereits in der Kamera-App helfen kann (wieder optional) und nicht erst im Nachgang bei der Foto-Bearbeitung. So zeigt die Bildkomposition, wie ein Foto besser gelingen kann und entfernt auch gleich störende Objekte oder Personen aus dem Bild (sogar bei Live-Fotos). Der Landschaftsmodus wiederum bietet verschiedene Szenarien, das Motiv als Winterlandschaft, Wüstenszenerie, Ölgemälde und Co. abzulichten. Klingt lächerlich, gelingt aber so gut, dass man glauben könnte, ein aktuell im Herbst gemachtes Foto ist mitten im Schnee im tiefsten Winter entstanden. Dazu kommen noch jede Menge Filter und die KI-Storyline, die interessante Details auf Aufnahmen herauszoomen kann.

Schnell geladen, aber Ausdauer "nur" Durchschnitt

Die Frontkamera löst ebenfalls mit 50 Megapixeln auf und liefert hochwertige Selfies. Hauttöne wirken realistisch, Details bleiben klar, und der Portraitmodus arbeitet präzise. Für Vlogger oder Videokonferenzen ist das X300 Pro damit bestens gerüstet. Ein Punkt, an dem sich das Vivo X300 Pro Kritik gefallen lassen muss, ist die Akkuleistung. Bei moderatem Gebrauch – also Messaging, Surfen, Musikstreaming und gelegentlichen Fotos – reicht eine Ladung problemlos über den Tag hinaus. Wer viel fotografiert, lange Videos aufnimmt oder Spiele nutzt, bringt den Akku deutlich schneller an seine Grenzen. Das liegt vor allem an der hohen Leistungsaufnahme des Prozessors und der hellen Displayeinheit. Viel besser ist aber auch die Konkurrenz nicht.

Positiv ist hingegen das schnelle Aufladen. Mit 90 Watt per Kabel erreicht das Gerät in weniger als einer halben Stunde rund 70 Prozent Ladestand. Auch kabelloses Laden wird unterstützt, wenn auch mit geringerer Leistung von 40 Watt. Damit ist das Vivo X300 Pro ein Smartphone, das zwar nicht mit der längsten Ausdauer glänzt, aber dafür blitzschnell wieder einsatzbereit ist. Im Alltag bedeutet das: Wer das Gerät regelmäßig ein paar Minuten am Tag lädt oder unterwegs Zugriff auf eine Stromquelle hat, wird keine größeren Probleme bemerken. Poweruser jedoch, die stundenlang fotografieren oder filmen, werden häufiger und länger zur Steckdose greifen müssen. Das X300 Pro gewinnt keinen Akku-Preis, liegt aber im Schnitt.

Die Vivo-Bedienoberfläche ist endlich erwachsen geworden

OriginOS 6 zeigt eindrucksvoll, wie sehr Vivo in den letzten Jahren gelernt hat, Design und Funktion zu verbinden. Das Interface wirkt klar strukturiert, modern und angenehm flüssig. Viele Elemente orientieren sich an westlichen Bedienkonventionen, ohne die asiatische Verspieltheit völlig aufzugeben, sie ist aber deutlich im Hintergrund. Besonders die Kamera-App verdient Lob. Die Integration der Zeiss-Farbprofile, die professionellen Fotomodi und die logische Menüstruktur machen das Fotografieren intuitiv. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für kreative Eingriffe und Individualisierung. Auch kleine Features wie die erweiterte Gestensteuerung oder die adaptiven Widgets verleihen dem System eine persönliche Note.

Was allerdings weiterhin Verbesserungspotenzial hat, ist die globale Verfügbarkeit von Funktionen. Einige smarte Tools, die in der chinesischen Version vorhanden sind – etwa KI-basierte Transkriptionen oder System-Automatisierungen – fehlen (bisher) in der internationalen Software. Hier wäre eine konsequentere Angleichung wünschenswert. Im Großen und Ganzen aber präsentiert sich das Betriebssystem ausgereift. Abstürze, Ruckler oder grobe Bugs traten im Testzeitraum nicht auf. Vivo beweist, dass es in Sachen Software nicht mehr nur "aufholt", sondern in einigen Punkten sogar eigene Akzente setzen kann. Und OriginOS ist ein deutlicher, erwachsener Fortschritt zum jugendlichen wirkenden FuntouchOS.

Eines, wenn nicht das Kamera-Smartphone des Jahres

Im täglichen Gebrauch zeigt sich das Vivo X300 Pro als verlässlicher und vielseitiger Begleiter. Das große Display ist prädestiniert für Medienkonsum und Fotobearbeitung, die Rechenleistung ermöglicht produktives Arbeiten, und die Kamera inspiriert zu kreativen Experimenten. Die Haptik ist angenehm, das Gerät liegt trotz seines Gewichts sicher in der Hand. Die Positionierung der Lautstärketasten und des Power-Buttons ist ergonomisch, und der Vibrationsmotor arbeitet präzise. Auch die biometrische Entsperrung per Fingerabdruck unter dem Display funktioniert schnell und zuverlässig. Knackpunkt ist wie bei so vielen Flaggschiffen der Preis: Mit rund 1.400 Euro liegt man auf Augenhöhe der breiten Konkurrenz.

Wer den Vorgänger kennt, erkennt sofort, dass Vivo beim X300 Pro an  Details gefeilt hat. Das X200 Pro galt bereits als Kamera-Spezialist. Das X300 Pro setzt genau hier an. Der Sprung vom Dimensity 9400 auf den 9500 bringt Vorteile bei der Leistung und Energieverwaltung. Auch die Kamera hat einen Sprung gemacht. Während das X200 Pro vor allem bei Tageslichtaufnahmen überzeugte, gelingt dem X300 Pro nun in allen Situationen ein herausragendes Ergebnis. Optisch bleibt die Linie erhalten: Beide Modelle teilen sich die Grundform, doch das neue Gerät wirkt etwas schlanker und moderner. Wer Wert auf exzellente Fotografie legt und mit KI gerne experimentiert, findet im Vivo X300 Pro einen der spannendsten Begleiter des Jahres 2025.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } Akt. 31.10.2025, 14:53, 30.10.2025, 18:30
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